
Deutschland strebt mehr aserbaidschanisches Gas und Öl an – Merz und Alijew unterzeichnen strategischen Pakt, Baku-Connection taucht auf
Bundeskanzler Friedrich Merz und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew haben sich in Berlin auf eine Vertiefung der Energiebeziehungen geeinigt. Deutschland strebt mehr Gas und Öl an, während Alijew neue Pipelines und Investitionen forderte. Bei dem Treffen kam auch ein geheimer Hinterkanal zwischen ehemaligen deutschen und russischen Amtsträgern in Baku zur Sprache.
Energiepartnerschaft vertieft
Bundeskanzler Friedrich Merz und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew trafen sich am Dienstag im Kanzleramt in Berlin und unterzeichneten eine Gemeinsame Erklärung zur Strategischen Agenda der bilateralen Partnerschaft sowie ein Abkommen zur Gründung eines Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsrates. Merz bezeichnete Aserbaidschan als eines der wenigen Länder der Region mit einem Energieüberschuss und nannte es einen interessanten Partner für die langfristige Sicherung der deutschen Energieversorgung. Die beiden Staatschefs erörterten den Ausbau der Gas- und Ölimporte, wobei Merz betonte, dass die Diversifizierung künftig auch Wasserstoff umfassen solle.
Aserbaidschan ist eines der wenigen Länder in der Region, das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Insofern ist Aserbaidschan für uns ein interessanter Partner, wenn es um die Sicherung der Energieversorgung Deutschlands geht.
Gas und Öl: die Zahlen
Aserbaidschan liefert seit Anfang 2026 Gas nach Deutschland im Rahmen eines Zehnjahresvertrags über 1,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Diese Menge entspricht rund 15 Terawattstunden, weniger als 2 % des deutschen Gesamtgasverbrauchs von 845 TWh im vergangenen Jahr. Alijew sagte, sein Land habe 2025 etwa 25 Milliarden Kubikmeter Gas exportiert, etwa die Hälfte davon in EU-Mitgliedstaaten, und Deutschland gehöre nun zu den Abnehmern. Beim Öl erklärte er, Aserbaidschan könne jede von Deutschland benötigte Menge liefern, entweder aus eigener Produktion oder über die Handelsabteilung des staatlichen Energieunternehmens SOCAR.
- Bestehender DE-Vertrag
- 1.5 bcm
- EU 2025 tatsächlich
- 11.3 bcm
- EU 2023 Ziel (verfehlt)
- 12 bcm
- EU 2027 Ziel
- 20 bcm
Infrastruktur- und Investitionshürden
Alijew machte deutlich, dass jede deutliche Steigerung der Lieferungen neue langfristige Anfragen über den bestehenden Vertrag hinaus, einen Ausbau der Pipeline-Infrastruktur und frische Investitionen erfordere. Er forderte die EU und europäische Banken auf, Finanzierungen bereitzustellen, und wies darauf hin, dass Kreditgeber derzeit zögerten, weil sie lieber grüne Projekte finanzieren. Die EU hatte sich bereits 2022 mit Aserbaidschan darauf geeinigt, die Importe von 8,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr innerhalb weniger Jahre auf 20 Milliarden zu steigern, mit einem Zwischenziel von 12 Milliarden im Jahr 2023. Dieses Ziel wurde verfehlt; 2025 erhielt die EU 11,3 Milliarden Kubikmeter, etwa 4 % ihrer gesamten Gasimporte.
Wir können diese Menge erhöhen, aber es müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. Erstens muss eine entsprechende Anfrage an uns gerichtet werden. Zweitens muss die bestehende Gasinfrastruktur ausgebaut werden. Und natürlich muss die Frage der Investitionen gelöst werden, denn europäische Banken wollen derartige Projekte derzeit nicht finanzieren.
Friedensdividende im Südkaukasus
Merz gratulierte Alijew zu dem Friedensvertrag, den Aserbaidschan und Armenien 2025 in Anwesenheit des US-Präsidenten Donald Trump unterzeichnet hatten. Der Kanzler sagte, das historische Abkommen eröffne die Chance, einen jahrzehntelangen Konflikt zu überwinden, und eine größere regionale Stabilität würde eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen. Die Aussicht auf einen stabileren Südkaukasus fließt direkt in die deutsche Energiebilanz ein, da sichere Transitwege realisierbarer werden.
Die Baku-Connection taucht auf
Alijew bestätigte indirekt ein geheimes Treffen in Baku, das seit Tagen Gegenstand von Medienberichten ist. Laut Grenzkontrollinformationen, die der aserbaidschanische Präsident zitierte, flogen der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) am 12. Juli von Berlin nach Baku. In den folgenden Tagen trafen der frühere russische Ministerpräsident Wiktor Subkow und der russische Menschenrechtsbeauftragte Waleri Fadejew, beide als Vertraute von Wladimir Putin beschrieben, in der aserbaidschanischen Hauptstadt ein. Merz sagte Journalisten, er wisse nichts von einem solchen Treffen. Alijew erklärte, er habe weder aus Deutschland noch aus Russland Informationen erhalten, fügte aber hinzu, wenn das Treffen dazu beitrage, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden, sei es nur zu begrüßen. Die sogenannte Baku-Connection trifft sich Berichten zufolge seit 2024 regelmäßig.
- Matthias Platzeck und Ronald Pofalla fliegen von Berlin nach Baku
- Wiktor Subkow und Waleri Fadejew treffen in Baku ein
- Merz und Alijew treffen sich in Berlin, unterzeichnen Erklärung zur strategischen Partnerschaft
Sollte dieses Treffen dazu beitragen, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden, können wir es nur begrüßen.


