
Merkel sitzt für erstes Frauenporträt in der Ahnengalerie des Kanzleramts, gemalt von unbekanntem 28-Jährigen
Fünf Jahre nach dem Ende ihrer 16-jährigen Amtszeit hat Angela Merkel ihr offizielles Porträt für die ‚Ahnengalerie‘ des Kanzleramts malen lassen und ist damit die erste Frau, die in die Reihe der deutschen Nachkriegskanzler aufgenommen wird.
Porträtauftrag und der Künstler
Fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt hat Angela Merkel für ein Porträt Modell gesessen, das in die Ahnengalerie im Berliner Bundeskanzleramt aufgenommen wird. Der ausgewählte Künstler ist Jérémy Queyras, ein 28-jähriger bislang wenig bekannter Maler. Queyras hatte sich 2022 informell mit einem handgeschriebenen Brief beworben, doch Merkel entschied sich erst im Juni 2025 nach einem ersten Treffen. Die Wochenzeitung Die Zeit hat den gesamten Prozess exklusiv begleitet.
Die Sitzung
Seit Sommer 2025 traf Queyras Merkel wiederholt in einem eigens eingerichteten, geheimen Studio in Berlin. Die ehemalige Kanzlerin stand für das Gemälde, anders als ihre männlichen Vorgänger, die sitzend posierten. Sie trug einen blauen Blazer. Die Leinwand misst 110 mal 140 Zentimeter, etwas größer als die von Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Merkel bezahlte die Materialien und das Honorar des Künstlers selbst; eine Summe wurde nicht genannt.
Es ist seltsam, wenn man langsam Geschichte wird.
- Jérémy Queyras bewirbt sich informell mit einem handgeschriebenen Brief
- Merkel entscheidet sich nach einem ersten persönlichen Treffen für Queyras
- Porträtsitzungen beginnen in einem geheimen Berliner Studio
- Porträt im Bode-Museum präsentiert
- Öffentliche Ausstellung im Bode-Museum eröffnet, läuft bis 4. Oktober
- Porträt zieht in die Ahnengalerie des Kanzleramts um
Symbolik im Gemälde
Das Porträt enthält mehrere Verweise auf Merkels Amtszeit: ein Tisch mit losen Papieren, ein gelber Aktenordner und ein silberner Würfel mit der Gravur ‚In der Ruhe liegt die Kraft‘ – ein Geschenk, das sie zu ihrer Amtseinführung erhielt. Das Werk ist eine Leihgabe, kein Geschenk; Merkel sagte der Zeitung Die Zeit, sie könne es aus dem Kanzleramt zurückziehen, sollte jemals ein Rechtsextremist Regierungschef werden.
Eine Galerie der Kanzler
Die Ahnengalerie im ersten Stock des Kanzleramts zeigt gemalte Porträts aller deutschen Nachkriegskanzler. Die Idee stammt von Helmut Schmidt, der von Bernhard Heisig gemalt wurde. Spätere Kanzler folgten: Helmut Kohl von Albrecht Gehse, Gerhard Schröder von seinem Freund Jörg Immendorff. Als Schröders Porträt 2007 enthüllt wurde, neckte er Merkel: ‚Da ist noch ein kleiner Platz neben mir. Niemand weiß, wann du neben mir hängen wirst.‘ Nun wird dieser Platz gefüllt.
Da ist noch ein kleiner Platz neben mir. Niemand weiß, wann du neben mir hängen wirst.
Öffentliche Premiere und Ausstellung
Das Porträt wird am Dienstag, den 30. Juni, im Bode-Museum in Berlin präsentiert. Vom 1. Juli bis 4. Oktober können Besucher es im Museum sehen, so die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Danach wird es an seinen festen Platz in der Galerie des Kanzleramts umziehen.


