
Tausend Demonstrierende bilden Menschenkette in der Gironde gegen die Hochgeschwindigkeitsstrecke Bordeaux–Toulouse
Rund tausend Menschen haben sich am Samstag in Bernos-Beaulac (Gironde) an den Händen gefasst, um gegen die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke durch das Ciron-Tal zu protestieren, deren Vorarbeiten im Oktober beginnen sollen.
Protest in Bernos-Beaulac
Rund tausend Menschen versammelten sich am Samstag, dem 4. Juli, in Bernos-Beaulac (Gironde) zu einer über 700 Meter langen Menschenkette, um gegen die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Bordeaux, Toulouse und Dax zu protestieren. Organisiert vom Kollektiv LGV Nina (Ni ici, ni ailleurs), zog die Demonstration Familien, lokale Bürgermeister mit Trikolore-Schärpen und Abgeordnete wie die grüne Senatorin Monique de Marco an. Die Teilnehmer hielten Schilder mit Aufschriften wie „LGV non merci“, „La forêt oui merci“ und „Patrimoine en danger“, während Trommeln und Protestlieder die Kette begleiteten.
Wir kämpfen nicht gegen den Zug, nicht einmal gegen den TGV. Wir kämpfen gegen diese neuen Strecken. Wir kämpfen für alltägliche Züge und für die Sanierung bestehender Strecken.
Umweltbedenken
Die geplante Trasse führt durch das Ciron-Tal, ein teils wildes Gebiet mit einem tausendjährigen Buchenwald, das Gegner als „Klima-Rückzugsort“ und „Arche Noah der Biodiversität“ bezeichnen. Die Organisatoren wiesen auf die frühen Hitzewellen und die geplante Absenkung des Grundwasserspiegels für den Bau als erschwerende Faktoren hin. Jacqueline Bloy, 94 Jahre alt, die mit ihrem Rollator kam, bezeichnete das Projekt als „verschwendetes Geld“ und stellte die Priorität der Zeitersparnis gegenüber den Klimaherausforderungen infrage.
Es ist verschwendetes Geld. Wir wollen ein bisschen Zeit sparen, aber ist das heute wirklich die Priorität angesichts aller Herausforderungen der globalen Erwärmung? Man muss die Schönheit des Ciron wirklich nicht kennen, um es zu wagen, es zu zerstören.
Kosten und Zeitplan des Projekts
Die LGV Sud-Ouest soll Toulouse bis 2032 in 3 Stunden 10 Minuten mit Paris über Bordeaux verbinden – gegenüber heute 4 Stunden 40 Minuten – und später die Fahrtzeit von Bordeaux nach Dax bis 2034 um 20 Minuten in Richtung Spanien verkürzen. Die Kosten, die 2020 auf 14 Milliarden Euro geschätzt wurden, sollen nach dem im April vorgelegten Bericht des Infrastruktur-Orientierungsrates (COI) um 20 % nach oben korrigiert werden. Ende Juni entschied sich die Regierung für eine vollständig öffentliche Finanzierung, aufgeteilt zwischen Staat (6 Milliarden Euro), Gebietskörperschaften (6 Milliarden Euro) und der Europäischen Union (3,5 Milliarden Euro). Premierminister Sébastien Lecornu hatte das Projekt Anfang Mai für „unumkehrbar“ erklärt.
- Staat
- 6 € Mrd.
- Gebietskörperschaften
- 6 € Mrd.
- Europäische Union
- 3.5 € Mrd.
Rechtsstreit und nächste Schritte
Die vorbereitenden Rodungsarbeiten sollen am 1. Oktober im Süden der Gironde beginnen. Die Gegner kündigten an, Anfang August vor dem Verwaltungsgericht Bordeaux Einspruch gegen die Präfekturverfügung einzulegen, die der SNCF die Arbeiten erlaubt. Pauline Dupouy von LGV Nina sagte, die Mobilisierung sei nicht nur die Verteidigung eines lokalen Fleckchens, sondern eine nationale Bewegung, deren Kostenargument weitreichend verfange.
Unsere Mobilisierung ist nicht nur die Verteidigung unseres kleinen Gartens, sondern eine nationale Bewegung. Sie spricht alle an, denn Geld ist der Nerv des Krieges. Unser Kampf findet überall Widerhall.
Gegenrechnung der Opposition
Das Kollektiv Nina hat die Projektkosten in Alternativinvestitionen übersetzt: 10 km LGV könnten 11 Löschflugzeuge kaufen, 8 km könnten 550 km bestehende Bahnstrecken sanieren oder fast 20.000 thermische Sanierungen von Wohnungen finanzieren. Diese Zahlen wurden bei dem Protest verbreitet, um die Forderung zu unterstreichen, die Gelder in den Alltagsverkehr und die Klimaanpassung umzuleiten.
- Premierminister Lecornu erklärt das LGV-Projekt für ‚unumkehrbar‘
- Regierung stellt vollständig öffentlichen Finanzierungsplan fertig
- Demonstranten bilden Menschenkette in Bernos-Beaulac
- Gegner planen Klage gegen die Präfekturverfügung
- Vorarbeiten beginnen im Süden der Gironde
- Fahrzeit Toulouse–Paris auf 3h10 verkürzt
- Fahrzeit Bordeaux–Dax um 20 Minuten verkürzt


