
Portugal und Spanien zerschlagen Familienring, der schutzlose Arbeiter bis zu 30 Jahre lang versklavte
Portugiesische und spanische Behörden nahmen fünf Personen fest und befreiten zwei Männer, die unter einem familiengeführten Schlepperring 15 bzw. 30 Jahre lang gefangen gehalten und zu landwirtschaftlicher Arbeit ausgebeutet wurden.
Die Operation und die Festnahmen
Die portugiesische Polícia Judiciária (PJ) und die spanische Guardia Civil haben in Koordination mit EUROJUST im Rahmen der Operation „Mãos Livres“ (Freie Hände) ein familiengeführtes Menschenhandelsnetzwerk zerschlagen. Die Festnahmen erfolgten am 23. und 29. Juni 2026; fünf portugiesische Staatsangehörige wurden festgenommen: drei in Burgos (Spanien) und zwei in Portugal. Den Verdächtigen wird Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung vorgeworfen.
Die in zwei Phasen im Raum Burgos durchgeführte Operation richtete sich gegen eine familienbasierte Gruppe, die über Jahre hinweg schutzlose Menschen in Portugal anwarb – solche mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und in sozialer Ausgrenzung.
So funktionierte das Schleppersystem
Das Netzwerk operierte jahrzehntelang zwischen Zentralportugal, insbesondere der Region Coimbra, und dem ländlichen Burgos. Es lockte Menschen mit dem Versprechen von Arbeit und Lohn und brachte sie dann nach Spanien. Dort wurden die Opfer kontrolliert, in erbärmlichen Verhältnissen untergebracht und ohne Ruhepausen zu landwirtschaftlicher Arbeit gezwungen.
- Opfer in der ersten Phase der Operation in Burgos befreit
- Zwei Verdächtige in Portugal festgenommen
- Drei Verdächtige in Spanien festgenommen; Festnahmen bekannt gegeben
Entscheidend war, dass die Schlepper die Opfer im spanischen Sozialversicherungssystem anmeldeten, um gefälschte Arbeitsverträge zu erstellen. So verschafften sie sich Zugang zu den Löhnen und Sozialleistungen der Arbeiter; außerdem eröffneten sie Bankkonten und meldeten Fahrzeuge auf die Namen der Opfer an, um das System zu verschleiern. Die Polizei erklärte, die Gruppe habe „die Opfer kontrolliert gehalten, sie in verwahrlosten Unterkünften und unter schlechten Ernährungsbedingungen leben lassen, unter ständigem Zwang.“
Das Leid der Opfer
Zwei Männer wurden im März 2025 in der ersten Phase der Operation befreit. Das ältere Opfer, heute 63 Jahre alt, war 30 Jahre lang versklavt. Es war in einem mit einem Vorhängeschloss gesicherten Nebengebäude eingesperrt, von jeglichen Nachrichten abgeschnitten (es wusste nicht, wer der Präsident war) und arbeitete jeden Tag auf dem Ackerland. In drei Jahrzehnten hatte es nur 40 Euro auf seinem Bankkonto angesammelt. Bei der Befreiung sagte es den Ermittlern, es wolle Pommes frites essen. Das zweite Opfer, 53 Jahre alt, war 15 Jahre lang festgehalten worden.
Das ältere Opfer wurde sogar zwischen Mitgliedern der Gruppe gehandelt, als wäre es eine Ware.
Beide Männer wurden inzwischen nach Portugal zurückgebracht und befinden sich in einer Betreuungseinrichtung für Menschenhandelsopfer.
Gerichtsverfahren und Beweise
Nach der Befreiung 2025 wurden die Ermittlungen fortgesetzt, was zu den Festnahmen im Juni führte. Die drei in Spanien festgenommenen Verdächtigen im Alter von 32 bis 35 Jahren wurden der Audiencia Nacional in Madrid zur Auslieferung nach Portugal vorgeführt. Die beiden in Portugal Festgenommenen im Alter von 54 und 56 Jahren (einer mit Vorstrafen wegen ähnlicher Delikte) werden vor Gericht erscheinen, wo über Maßnahmen vor der Hauptverhandlung entscheiden wird. Die Behörden beschlagnahmten Bankguthaben, Unterlagen und zwei Immobilien.
Internationale Zusammenarbeit und Ausmaß
Die PJ geht davon aus, dass das Netzwerk Dutzende weiterer Opfer gehabt haben könnte. Die Nutzung von Sozialversicherungsanmeldungen ermöglichte es dem Netzwerk, jahrelang den spanischen Behörden zu entgehen. EUROJUST unterstützte die von einem Gericht in Coimbra ausgestellten EU-Haftbefehle.


