Kurz gefasst
Moderna und Merck teilten mit, die zusammen mit Keytruda verabreichte Impfung senke das Risiko eines Melanom-Rückfalls oder Todes im Vergleich zur Standardbehandlung um 42 % und das Risiko einer Streuung oder eines Todes um 38 %.
Nachdem die Ergebnisse am Donnerstag, 22. Oktober, auf einer Onkologie-Website durchgesickert waren, veröffentlichte die ESMO sie; der vollständige Datensatz soll am Samstag, 24. Oktober, auf ihrem Kongress in Madrid vorgestellt werden.
Die Moderna-Aktie schloss am Donnerstag, 22. Oktober, laut The Independent mehr als 17 % im Minus, während das Handelsblatt von einem Intraday-Rückgang von bis zu 25 % auf 181 Dollar berichtete.
Bancel sagte, die Unternehmen bereiteten einen Zulassungsantrag in den USA vor und rechneten mit einer Markteinführung der personalisierten Impfung im Jahr 2027.
- August 2026Die Unternehmen erklären die Studie für erfolgreich, nennen aber keine Details
- 22.10.OncologyCentral veröffentlicht einen Teil der Ergebnisse, die ESMO hebt die Sperrfrist auf und die Unternehmen veröffentlichen Eckdaten
- 24.10.Vollständige Daten sollen auf dem ESMO in Madrid vorgestellt werden
Ergebnisse der Studie
Moderna und Merck haben am Donnerstag, 22. Oktober, mitgeteilt, dass ihre personalisierte mRNA-Impfung Intismeran das Risiko eines Rückfalls oder Todes bei Melanom um 42 % senkt, wenn sie zusammen mit Mercks Immuntherapie Keytruda verabreicht wird – verglichen mit der Standardbehandlung. In die Phase-3-Studie wurden 1.137 Patienten aufgenommen, deren Melanom im Stadium IIB–IV operativ entfernt worden war; die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert und erhielten entweder die Kombination oder Keytruda allein. Die Unternehmen berichteten zudem von einem um 38 % geringeren Risiko, dass der Krebs streut oder der Patient stirbt. Nach zwei Jahren waren 82,2 % der Patienten in der Kombinationsgruppe krebsfrei, verglichen mit 70 % derjenigen, die nur Keytruda erhielten. Langfristige Überlebensdaten lagen noch nicht vor, die Unternehmen erklärten jedoch, die Prüfärzte hätten einen „günstigen Trend“ gesehen. Die Nebenwirkungen entsprachen früheren Studien und umfassten Müdigkeit, Schüttelfrost und Schmerzen an der Injektionsstelle.
- Impfung plus Keytruda
- 82.2 %
- Keytruda allein
- 70 %
Daten aus dem Artikeltext
Wie die Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangten
Moderna und Merck hatten im August berichtet, dass die Studie erfolgreich war, aber keine Details genannt und erklärt, die Daten würden auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid vorgestellt. Am Donnerstag zeigten auf X kursierende Screenshots, dass die Website OncologyCentral einen Teil der Ergebnisse vor der geplanten Präsentation veröffentlicht hatte. Die ESMO erklärte auf X, die Sperrfrist sei verletzt worden, woraufhin die Fachgesellschaft die Informationen selbst publizierte und die Sperrfrist für den vollständigen Datensatz aufhob. Die Unternehmen veröffentlichten daraufhin Eckdaten; die vollständigen Daten sollen am Samstag, 24. Oktober, in Madrid vorgestellt werden.
Marktreaktion
Die Moderna-Aktie schloss am Donnerstag laut The Independent mehr als 17 % im Minus, nachdem die Ergebnisse durchgesickert waren – obwohl der Kurs zwischen August und dem Schlusskurs am Mittwoch fast auf das Vierfache gestiegen war. Das Handelsblatt berichtete von einem stärkeren Intraday-Rückgang von bis zu 25 % auf 181 Dollar, nachdem die Aktie vor der August-Mitteilung bei etwa 63 Dollar gehandelt worden war und in den folgenden Wochen auf rund 245 Dollar geklettert war. Die Merck-Aktie fiel um etwa 1,8 %. Mehrere Analysten an der Wall Street hatten auf eine Senkung des Rückfallrisikos um 40 % oder mehr gehofft, sodass die berichteten 42 % knapp über dieser Erwartung liegen.
Reaktionen von Experten und Unternehmen
Moderna-Chef Stéphane Bancel erklärte in einer Stellungnahme, das Unternehmen sei seit Langem überzeugt, dass die Technologie Behandlungen ermöglichen könne, die auf den Tumor jedes einzelnen Patienten zugeschnitten sind.
„Von Anfang an waren wir überzeugt, dass die mRNA-Technologie es möglich machen könnte, Krebstherapien zu entwickeln, die genau auf den Tumor jedes einzelnen Patienten abgestimmt sind.“
Bancel sagte, die Unternehmen bereiteten einen Zulassungsantrag in den USA vor und rechneten mit einer Markteinführung der Impfung im Jahr 2027. Hussein Tawbi, Melanom-Experte und Prüfarzt am University of Texas MD Anderson Cancer Center, ging direkt auf die Statistik ein.
„Das ist hochgradig statistisch signifikant. Das ist kein Zufall.“
Robert Vonderheide, designierter Präsident der American Association for Cancer Research, sagte, die Reaktion bei Patienten und Klinikern sei von Hoffnung geprägt.
„Alle sind sehr hoffnungsvoll, dass dies ein neuer Weg sein wird, Patienten mit Melanom zu behandeln.“
Wie es weitergeht
Der vollständige Datensatz zu den ersten zwei Jahren nach der Behandlung soll am 24. Oktober auf dem ESMO vorgestellt werden; die Veröffentlichung im New England Journal of Medicine ist angenommen. Laut The Independent sind die Ergebnisse die ersten Daten, die zeigen, dass eine individuelle Impfung in Kombination mit einem immunstärkenden Medikament die Krankheit aufhalten kann. Die Unternehmen bereiten Zulassungsanträge in den USA vor, ein Marktstart wird 2027 erwartet. Langfristige Überlebensdaten stehen noch aus.