Mehlschwalbe ist Vogel des Jahres 2027 – Online-Abstimmung bei sinkenden Beständen
Mehr als 148.000 Menschen haben abgestimmt und der Mehlschwalbe 45,2 Prozent der Stimmen gegeben, wie NABU und der bayerische LBV mitteilten. Die Schwalbe überwintert in Afrika und gilt in Deutschland als gefährdet.
Eine Schwalbe, gewählt in ihrer Abwesenheit
Die Mehlschwalbe ist der Vogel des Jahres 2027. Das Ergebnis einer Online-Abstimmung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des bayerischen Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) wurde am 15. Oktober 2026 bekannt gegeben. Die Schwalbe erhielt 45,2 Prozent der Stimmen, vor dem Trauerschnäpper mit 22,3 Prozent, dem Kolkraben mit 15,2 Prozent, der Wasseramsel mit 10,8 Prozent und dem Kranich mit 6,5 Prozent. Mehr als 148.000 Menschen gaben online ihre Stimme ab, mehr als 21.000 davon in Bayern. Die Mehlschwalbe tritt die Nachfolge des Rebhuhns an, das Vogel des Jahres 2026 war.
- Mehlschwalbe
- 45.2 %
- Trauerschnäpper
- 22.3 %
- Kolkrabe
- 15.2 %
- Wasseramsel
- 10.8 %
- Kranich
- 6.5 %
NABU und LBV bezeichnen die Siegerin als in ihrer Abwesenheit gewählt, denn die Schwalbe verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara. Anfang April kehrt sie zum Brüten nach Deutschland zurück, außerhalb der Brutzeit sammelt sie sich in großen Schwärmen. Seit 2021 kann die Öffentlichkeit online abstimmen, zuvor legen die beiden Organisationen jedoch eine Auswahlliste mit fünf Kandidaten fest. Die Wahl findet seit mehr als 50 Jahren statt, um auf den Vogelschutz aufmerksam zu machen.
Warum die Art gefährdet ist
In Deutschland gilt die Mehlschwalbe als gefährdet, und NABUs Vogelschutzexperte Martin Rümmler sagt, dass bis zu 770.000 Brutpaare noch im Land leben. Der Bestand schrumpfe stetig, so Rümmler, und NABU nennt mehrere Ursachen. Vorhandene Nester werden illegal zerstört, und die Vögel werden von Gebäuden vertrieben. Moderne Architektur lässt kaum Nistplätze übrig, denn die glatten Außenwände sanierter Gebäude bieten den Vögeln keinen Halt für ihre Nester. Versiegelte Einfahrten und Feldwege beseitigen zudem die Schlammpfützen, die sie als Baumaterial brauchen, während die Zahl der Fluginsekten, von denen sie sich ernähren, sinkt.
Rümmler brachte die Bedrohung direkt auf den Punkt.
Leider ist der neue Vogel des Jahres gefährdet.
Hitze, zwei Bruten und Nestbau
Jedes Nest kann bis zu 1.500 Lehmklümpchen enthalten, die die Vögel aus Pfützen sammeln und mit Speichel vermischen, bevor sie es Stück für Stück aufbauen. Mehlschwalben ziehen oft zwei Bruten pro Jahr auf, was hilft, ein verlorenes Gelege oder nicht überlebende Jungvögel auszugleichen. Hitzewellen im Zusammenhang mit dem Klimawandel bergen ein weiteres Risiko, denn Nester unter Dachvorsprüngen können sich stark aufheizen. Martin Klatt, Wildtierbeauftragter des NABU Baden-Württemberg, sagte, dass in diesem Sommer junge Schwalben aus ihren Nestern sprangen. Für noch nicht flugfähige Küken kann das zur tödlichen Falle werden.
Was helfen kann
Rümmler hat einen einfachen Rat für Haushalte.
Man kann dem neuen Vogel des Jahres helfen, indem man seine Nester am eigenen Haus duldet.
Schlammpützen im Hof oder Garten liefern den Vögeln Baumaterial, und ein insektenfreundlicher Garten lockt Nahrung an. Die Stadt Landshut installierte 2024 künstliche Nester zur Unterstützung der Mehlschwalben, und die Maßnahme hat offenbar gewirkt. Der Wahlkampfslogan lautete „Auf gute Nachbarschaft“ – eine Anspielung auf das enge Zusammenleben des Gebäudebrüters mit den Menschen.