
Tausende protestieren in ganz Deutschland nach AfD-Sieg mit 44 % in Sachsen-Anhalt
Rund 150.000 Demonstranten marschierten in 20 deutschen Städten nach dem Sieg der Alternative für Deutschland in Sachsen-Anhalt, wo die Partei knapp 44 % der Stimmen erhielt.
Bundesweite Demonstrationen in deutschen Städten
Rund 150.000 Demonstranten versammelten sich am Samstag in etwa 20 deutschen Städten, um gegen die Alternative für Deutschland (AfD) zu protestieren. Die Kundgebungen wurden hauptsächlich von Pruef, einer Kampagnengruppe, die sich für ein verfassungsrechtliches Verbot der Partei einsetzt, zusammen mit der zivilgesellschaftlichen Organisation Campact organisiert. Große Menschenmengen zogen durch Stadtzentren wie Berlin, Hamburg und München und trugen Banner mit Slogans wie "AfD jetzt verbieten" und "Demokratie braucht keine Alternativen". Campact schätzte die Teilnehmerzahl in Hamburg auf 25.000 und in München auf 12.000, während die Polizei in Berlin berichtete, dass mehrere tausend Menschen an mehreren getrennten Demonstrationen in der Hauptstadt teilnahmen. Als Reaktion darauf veranstaltete die AfD eine eigene Gegendemonstration in Berlin, bei der sich Parteimitglieder zusammen mit Kristin Brinker versammelten, die als Spitzenkandidatin der Partei für die bevorstehende Berliner Landtagswahl am nächsten Wochenende fungiert.
- Hamburg
- 25000 Protestierende
- München
- 12000 Protestierende
Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt
Die bundesweite Mobilisierung folgte auf die Landtagswahl vom 6. September 2026 im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt, bei der die AfD knapp 44 % der Stimmen erhielt. Das Ergebnis brachte die Partei weit vor die Christdemokratische Union (CDU) von Bundeskanzler Friedrich Merz, die rund 17 % der Stimmen bekam. Prognosen zufolge gewann die AfD 39 der 83 Sitze im Landtag von Sachsen-Anhalt, womit der Partei genau drei Sitze für eine absolute parlamentarische Mehrheit fehlen. Da die Partei die für eine Alleinregierung erforderlichen 42 Sitze nicht erreichte, nahm ihre Führung formelle Kontakte zu anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten auf, um eine Landesregierung zu bilden. Die AfD ist bekannt für ihre einwanderungsfeindliche Haltung und ihre freundliche Haltung gegenüber Russland.
- AfD gewinnt knapp 44 % der Stimmen und 39 Sitze bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
- Rund 150.000 Demonstranten marschieren gegen die AfD in 20 deutschen Städten.
Politische Debatte über ein Parteiverbot
Zivilgesellschaftliche Organisationen und Protestführer äußerten Besorgnis über die Möglichkeit, dass die AfD in die Regierung einzieht, und verwiesen auf Deutschlands demokratische Institutionen und historische Verantwortung nach 1945. Bei den Kundgebungen am Samstag erklärte Christoph Bautz, der Leiter von Campact, den Zweck, große Zahlen von Bürgern auf die Straße zu bringen.
Ein breiter Querschnitt der Zivilgesellschaft geht auf die Straße, um zu verhindern, dass die Verfassungsfeinde, die AfD in Sachsen-Anhalt, Regierungsmacht erlangen.
Die Forderungen an Bundesinstitutionen und etablierte politische Parteien, ein rechtliches Verbot der AfD zu verfolgen, nahmen nach der Wahl in Sachsen-Anhalt erheblich zu. Dennoch sind die rechtlichen und verfassungsrechtlichen Anforderungen für die Ächtung einer politischen Partei in Deutschland streng und schwer zu erfüllen. Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Mitte-Rechts-Partei CDU die deutsche Nachkriegspolitik lange dominiert hat, hat sich skeptisch geäußert, den rechtlichen Schritt eines vollständigen Parteiverbots zu gehen.
Koalitionsverhandlungen und Reaktionen der Parteien
Nach der Auszählung der Stimmen in Sachsen-Anhalt wandte sich der AfD-Landesvorsitzende Ulrich Siegmund an die Parteimitglieder und erklärte, die Wähler hätten dem politischen Establishment eine klare Botschaft gesandt.
Die Menschen haben absolut klar gemacht, dass sie endlich einen politischen Wandel wollen, und vor allem haben sie gezeigt, dass sie ihn mit uns wollen.
Obwohl Siegmund zuvor behauptet hatte, die AfD beabsichtige, das ostdeutsche Bundesland allein zu regieren, zeigte er sich später offen für eine Zusammenarbeit mit anderen im Landtag vertretenen Parteien. Alle etablierten Parteien in Deutschland halten seit langem an einer strengen Konvention namens "Brandmauer" fest, die jegliche formelle Koalitionsabkommen mit der AfD auf Landes- und Bundesebene ablehnt. Sollte es der AfD gelingen, Koalitionspartner oder parlamentarische Unterstützung zu gewinnen, wäre sie die erste rechtsextreme Partei, die seit 1945 eine deutsche Landesregierung anführt.


