KI-generiert·Mehr erfahren
© POLITICO
Wahlen·vor 4 Std.

Rechtsruck spaltet das Lager: Andy Burnhams Weg in die Downing Street führt über Makerfield

Ein erbitterter Riss im populistischen rechten Lager Großbritanniens droht dem Labour-Kandidaten Andy Burnham bei der Nachwahl in Makerfield am Donnerstag zum Sieg zu verhelfen – und ebnet ihm damit den Weg, Keir Starmer als Premierminister herauszufordern.

Was in Makerfield auf dem Spiel steht

Eine einzige Nachwahl in einem nordenglischen Wahlkreis am Donnerstag wird darüber entscheiden, ob der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, sofort eine parteiinterne Revolte gegen Premierminister Keir Starmer anzetteln kann. Der amtierende Labour-Abgeordnete Josh Simons trat vergangenen Monat zurück, um Burnham die Kandidatur zu ermöglichen – der einzige Weg ins Parlament und damit in die Downing Street Nr. 10. Sollte Burnham gewinnen, hat er bereits bestätigt, dass er eine Führungskrise auslösen wird. Ein Schritt, der Starmer weniger als zwei Jahre nach dem Ende der 14-jährigen konservativen Regierungszeit stürzen könnte.

Das Ergebnis wird weit über die 77.000 Wähler von Makerfield hinaus spürbar sein. „Die ganze Sache ist absolut verrückt“, sagte der Komiker John Oliver am Sonntag vor seinem Publikum, während Umfragen zeigten, dass Burnhams Weg von unerwarteter Seite geebnet wird.

Weg zur Nachwahl in Makerfield
  1. Burnham besucht ein von Bloomberg finanziertes Harvard-Führungsprogramm in New York und trifft US-Bürgermeister, die seinen politischen Stil inspirieren.
  2. Labour gewinnt den Sitz in Makerfield bei der Unterhauswahl mit 13 Prozentpunkten Vorsprung vor Reform UK.
  3. Rupert Lowe spaltet sich von Reform UK ab und gründet Restore Britain, was die rechte Wählerschaft fragmentiert.
  4. Labour verliert landesweit über 1.400 Ratssitze; Reform gewinnt fast 1.500 hinzu.
  5. Meinungsumfragen zeigen Labour in Makerfield mit 5–12 Punkten vorn, während Restore bei 7–8 % liegt.
  6. Nachwahl in Makerfield: Burnham tritt gegen Rob Kenyon von Reform und Rebecca Shepherd von Restore an.

Ein gespaltenes rechtes Lager

Die populistische rechte Wählerschaft, die eigentlich den Reform-UK-Kandidaten Rob Kenyon, einen lokalen Klempner und Stadtrat, hätte unterstützen können, wird durch „Restore Britain“ abgezogen – die Partei, die Rupert Lowe nach einem erbitterten Bruch mit Reform-Chef Nigel Farage im letzten Jahr gründete. Die Kandidatin von Restore, die Geschäftsfrau Rebecca Shepherd, war im Wahlkampf kaum präsent, doch die Plakate ihrer Partei sind im gesamten Wahlkreis allgegenwärtig. Umfragen deuten darauf hin, dass sie 7–8 % der Stimmen auf sich vereinen könnte – genug, um Reform den Sieg in einem Rennen zu kosten, das Farage hartnäckig als „Duell zwischen zwei Pferden“ bezeichnet.

Mein ganzes Wählerleben lang gab es nur zwei Parteien, die dieses Land regiert haben: Labour und die Konservativen. Schauen Sie sich um, es ist ein Chaos... Wäre es ein direkter Zweikampf, würde Reform meiner Meinung nach knapp gewinnen, aber weil es jetzt so viele Parteien gibt, für die man stimmen kann, wird das den Ausschlag zu Labours Gunsten geben, leider.

Burnhams amerikanisches Drehbuch

Burnhams Ambitionen wurzeln in einer Reise nach New York im Jahr 2017, als er und der Bürgermeister der Liverpool City Region, Steve Rotheram, an einem von Bloomberg finanzierten Harvard-Führungsprogramm für Bürgermeister teilnahmen. Die Begegnung mit amerikanischen Stadtchefs habe ihm gezeigt, so schrieb Burnham später, dass Bürgermeister „Gravitas“ besitzen könnten. Er ist mit Michael Bloomberg und dem ehemaligen Bürgermeister von South Bend, Pete Buttigieg, in Kontakt geblieben und hat ein Profil kultiviert, das ihn nun als Labour-Alternative zu Starmers schwächelnder Amtszeit positioniert.

Einige der Dinge, die wir tun wollten, setzten diese Bürgermeister bereits um... [wir lernten], dass man die Grenzen der Verfassung und die starren Vorgaben dessen, wofür eine Tory-Regierung Bürgermeister hielt, überschreiten kann.

Medienzirkus in einer Kleinstadt

Ashton-in-Makerfield, das urbane Zentrum des Wahlkreises, beherbergt derzeit Kamerateams von CNN, Bloomberg sowie Schweizer und schwedischen Fernsehsendern. „Ich meine, wir hatten hier CNN, Bloomberg, Schweizer Nachrichten, schwedische Nachrichten – sie alle waren da. Es ist bizarr“, sagte der lokale Zeitungsverkäufer Steve Broadhurst. Einige Bewohner werden jedoch langsam müde; ein Zeitungsteam hatte Mühe, nach wochenlanger, unerbittlicher Aufmerksamkeit jemanden zu finden, der bereit war zu sprechen. Die langjährige Bewohnerin Connie Collier hat unterdessen ihre Verwandten in Australien alarmiert, damit sie nach ihr in den abendlichen Nachrichten Ausschau halten.

Ich meine, wir hatten hier CNN, Bloomberg, Schweizer Nachrichten, schwedische Nachrichten – sie alle waren da. Es ist bizarr.

Wie es weitergeht

Umfragen sehen Labour mit fünf bis zwölf Prozentpunkten vor Reform, doch Umfragen in einzelnen Wahlkreisen haben große Fehlertoleranzen. Sollte Burnham gewinnen, steht der Partei ein schneller und spaltender Führungskampf bevor – zu einer Zeit, in der Starmers Autorität bereits durch den Verlust von mehr als 1.400 Ratssitzen im Mai und den Rücktritt von Verteidigungsminister John Healey untergraben wurde. Ein Sieg für Reform würde Burnham außerhalb des Parlaments halten und Starmer wertvolle Zeit verschaffen, auch wenn dies Farages Anspruch stärken würde, der wirkungsvollste Gegner der Regierung zu sein.

Ashton-in-Makerfield

5 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft