
Radfahrerin Laura Ghirardi (67) von Lastwagen in Mailand getötet; Fahrer wegen fahrlässiger Tötung angezeigt
Laura Ghirardi, 67, starb, nachdem ein Lastwagen ihr Fahrrad am 7. Juli an einer Kreuzung in Mailand erfasst hatte. Der 33-jährige Fahrer, der negativ auf Alkohol getestet wurde, ist wegen fahrlässiger Tötung angezeigt worden.
Der Vorfall
Am 7. Juli 2026, kurz vor 13 Uhr, war die 67-jährige Laura Ghirardi in der Nähe des Mailänder Messegeländes mit dem Fahrrad unterwegs, als ein Schwerlastwagen sie an der Kreuzung von Via Gattamelata und Via Colleoni erfasste. Der LKW, der von der Via Colleoni kam, bog nach rechts in die Via Gattamelata ein. Rettungskräfte trafen innerhalb weniger Minuten ein und transportierten Ghirardi in kritischem Zustand ins Krankenhaus Niguarda, wo sie kurz nach der Einlieferung starb. Ihr Fahrrad blieb nach dem Aufprall unter dem Lastwagen eingeklemmt.
Ermittlungen und Fahrer
Der Lastwagenfahrer, ein 33-jähriger Italiener, hielt sofort an und wurde negativ auf Alkohol getestet. Die Polizei prüft, ob Ghirardi die Kreuzung auf dem Fußgängerüberweg überquerte oder neben dem LKW in dessen toten Winkel fuhr. Der Lastwagen war gesetzeskonform mit Totwinkelsensoren ausgestattet. Der Fahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr (Omicidio stradale) auf freiem Fuß angezeigt. Die Behörden werten Überwachungskameraaufnahmen aus der Gegend aus, um den genauen Hergang zu klären.
Fahrradsicherheitsbilanz Mailands
Mailand hat die höchste Rate an Fahrradunfällen unter den italienischen Städten. Laut dem ersten italienischen Atlas der Fahrradtoten und Schwerverletzten, erstellt vom Kompetenzzentrum für antifragile Territorien (Craft) der Politecnico di Milano auf Basis von Istat-Daten von 2014 bis 2023, verzeichnete Mailand 10.372 Unfälle, ein Viertel aller derartigen Unfälle in der Lombardei. Die höchsten Risikoindizes weisen die Municipi 9 und 8 auf. Rom und Padua folgen mit 3.457 bzw. 3.132 Fällen. Die meisten Unfälle ereignen sich an Kreuzungen und ampelgeregelten Einmündungen.
- Mailand
- 10372 Unfälle
- Rom
- 3457 Unfälle
- Padua
- 3132 Unfälle
Spannungen in der urbanen Mobilität
Die Kreuzung, an der Ghirardi starb, liegt in der Nähe des Stadtviertels Citylife und ist vom Projekt „Piazze Aperte“ betroffen, das die Via Gattamelata teilweise für den Verkehr sperrte und einen Fußgängerbereich vor einer Schule schuf. Der Vorfall entfacht die Debatte über die Verkehrssicherheit für Radfahrer in einer Stadt neu, in der die Fahrradnutzung gefördert wird, die Infrastruktur aber umstritten bleibt. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass Radfahrer an Fußgängerüberwegen absteigen und ihr Fahrrad schieben müssen – eine Regel, die in der Praxis oft ignoriert wird.


