Madrid Pride 2026 eröffnet mit filmischem Festakt und Kritik an Unternehmen, die die Regenbogenfahne aufgeben: „Ihr Engagement war Marketing“
Das Madrider Pride-Festival begann am Mittwoch mit einem filmischen Prolog auf der Plaza de Pedro Zerolo, bei dem Redner Unternehmen kritisierten, die die Regenbogenfahne aufgegeben haben, die Zunahme von Hassverbrechen anprangerten und stärkere gesetzliche Schutzmaßnahmen für die LGTBIQ+-Gemeinschaft forderten.
Filmauftakt am Pedro-Zerolo-Platz
An einem schwülen Abend mit 34 Grad füllten Hunderte Menschen die Plaza de Pedro Zerolo in Madrid zum offiziellen Start des Pride-Festivals 2026 (MADO). Die Drag-Ikone La Plexy eröffnete die Veranstaltung mit einer Interpretation von Rocío Jurados Como yo te amo und setzte damit ihre zwei Jahrzehnte währende Tradition als Zeremonienmeisterin fort. Die Schauspielerin Cayetana Guillén Cuervo führte dann durch ein filmisches Segment, das acht queere Filmregisseure und -darsteller auf die Bühne brachte, darunter die Trans-Schauspieler Afioco Gnecco, Silver Chicón und Zack Gómez-Rolls. In seinen Schlussworten fasste der Filmemacher Ian de la Rosa den trotzigen Ton des Abends zusammen.
Wir werden weiterhin glauben, dass Liebe und Kino die Welt verändern können, auch wenn sie uns Verlierer nennen.
Kritik am unternehmerischen Regenbogen-Washing
Ein wiederkehrendes Ziel der Reden war der Rückzug von Unternehmen aus der LGTBIQ+-Sichtbarkeit. Ohne bestimmte Marken zu nennen, warfen die Redner den Firmen vor, die regenbogenfarbene Unterstützung als Marketinginstrument zu behandeln und es zurückzuziehen, sobald es kommerziell unbequem wurde. Der Satz „Ihr Engagement war Marketing“ erntete lauten Applaus aus der Menge. Die Organisatoren argumentierten, dass Pride eine Antwort auf Hassreden und Hassverbrechen bleibe und dass unternehmerisches Zurückweichen die Notwendigkeit anhaltenden Aktivismus nur verstärke. Die Botschaft war klar: Symbole, die nur in Zeiten des Profits eingesetzt werden, sind keine Solidarität.
- Beginn der Pride-Veranstaltungen im Barrio de Chueca
- Offizieller Festakt auf der Plaza de Pedro Zerolo
- Hauptdemonstration von Atocha zur Plaza de Colón
- MADO 2026 endet
HIV-Stigma und die Kampagne „Keine Schuld, kein Schweigen“
Ein zentraler Punkt des Festakts war die Kampagne Pride Positivo, die in diesem Jahr das Motto „Ni culpa, ni silencio“ (Keine Schuld, kein Schweigen) übernommen hat. Die Redner sagten, viele Menschen mit HIV lebten immer noch in einem „Schrank im Schrank“, belastet durch Serophobie und Barrieren im Gesundheitswesen. Der Aussage „HIV ist keine Statistik, kein Etikett, kein Vorurteil“ folgte der Aufruf, den Zugang zu Prävention, Tests, Behandlung und gemeinschaftlicher Unterstützung zu gewährleisten.
Wir sind immer noch für all diese Menschen da, und sei es nur für einen, der in der Welt leidet.
Politische Spannungen und Forderungen nach der Rückgewinnung von Rechten
Vertreter der regierenden PSOE nutzten die Gelegenheit, um die konservative Regionalregierung und den Bürgermeister von Madrid, José Luis Martínez-Almeida, zu kritisieren, der nicht teilnahm. Reyes Maroto, PSOE-Sprecherin im Stadtrat, sagte, der Bürgermeister „sollte alle Madrilenen vertreten“ und warf ihm vor, sich zu schämen, anwesend zu sein. Mar Espinar, PSOE-Sprecherin in der Madrider Versammlung, behauptete, die Regionalverwaltung von Isabel Díaz Ayuso kehre LGTBI-Rechte zurück und unternehme nichts gegen Konversionstherapien. Paula Iglesias, Präsidentin der staatlichen LGTBI+-Föderation, warnte, dass Angriffe auf die Gemeinschaft sich in zwei Jahren verdreifacht hätten, und forderte einen staatlichen Pakt gegen Hassreden.
Das Gesetz nicht anzuwenden, ist Gewalt, die wir jedes Mal erleiden, wenn wir mit einem Namen gerufen werden, der nicht unserer ist, oder wenn wir uns beim Arzt erklären müssen. Es nützt nichts, ein Recht zu gewinnen, wenn das Gesetz nicht durchgesetzt wird.
Eine Woche voller Feiern und Proteste
Der Festakt läutet eine knapp einwöchige Veranstaltungsreihe ein, die bis zum 5. Juli läuft. Zu den Aktivitäten gehören das traditionelle High-Heel-Rennen entlang der Calle Pelayo, die Menschenrechtskonferenz Madrid Summit 2026 und kostenlose Konzerte auf vier Bühnen im Stadtzentrum. Die Hauptdemonstration ist für Samstag, den 4. Juli, vorgesehen: Abmarsch um 18 Uhr in Atocha, Ende auf der Plaza de Colón unter dem Motto „¡A las calles con orgullo! Disidencia y resistencia“. Die Organisatoren sagen, der diesjährige Marsch, zu dem mehr als eine Million Menschen erwartet werden, sei notwendiger denn je.
- 1978
- 7000 Personen
- 2026 (erwartet)
- 1000000 Personen


