
Linnemann, mit 'höllischem Respekt', übernimmt Gesundheitsministerposten trotz eigener früherer Zweifel
Carsten Linnemann, der sich zuvor unsicher über seine Eignung war, akzeptiert nun das deutsche Gesundheitsministerium und verspricht, die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren und die Sozialbeiträge zu stabilisieren.
Carsten Linnemann, der designierte deutsche Gesundheitsminister, hat sich bemüht, die Öffentlichkeit zu versichern, dass er der Aufgabe gewachsen ist, trotz eines Interviews im Mai 2025, in dem er sagte, er würde in der Rolle 'wahrscheinlich nicht erfolgreich' sein. Die Ernennung ist Teil einer breiteren Kabinettsumbildung, ausgelöst durch den Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sozialverbände drängen den designierten Minister bereits mit Forderungen nach Gesundheits- und Pflegereformen.
Von Selbstzweifeln zu 'höllischem Respekt'
In einem Phoenix-Interview am 6. Mai 2025 hatte Linnemann erklärt, Minister zu sein sei nicht 'seins' und er wäre als Gesundheitsminister nicht erfolgreich gewesen. Der 48-jährige Volkswirt sagt nun, die Umstände seien damals anders gewesen. 'Wenn die Uhr zurückgedreht würde auf die Zeit kurz nach der Bundestagswahl, würde ich wieder genauso antworten. Die Ausgangslage war damals anders', sagte er der Bild.
Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe, das ist klar! Ich weiß, dass ich mich noch tiefer einarbeiten muss. Aber ich traue es mir zu.
In einem Instagram-Video, das am 25. Juli veröffentlicht wurde, bat Linnemann um Geduld. 'Ich bin auch ehrlich, ihr müsst mir etwas Zeit geben', sagte er und fügte hinzu, er habe 'höllischen Respekt' vor der Aufgabe.
Ein Umbruch durch Spahns Abgang
Die personelle Kette begann, als Jens Spahn als Unionsfraktionsvorsitzender zurücktrat, nachdem er enthüllt hatte, dass er und sein Mann in den Vereinigten Staaten ein Kind durch eine Leihmutter bekommen hatten, eine in Deutschland illegale Praxis. Bundeskanzler Friedrich Merz versetzte daraufhin Kanzleramtschef Thorsten Frei an die Fraktionsspitze. Gesundheitsministerin Nina Warken übernahm die Leitung des Bundeskanzleramts, und Linnemann wurde gebeten, das vakante Gesundheitsressort zu übernehmen. Franziska Hoppermann wurde an seiner Stelle zur CDU-Generalsekretärin ernannt.
Es braucht einen Minister, der standhaft und zugleich reformwillig ist, auch bei Gegenwind.
- Linnemann sagt im Phoenix-Interview, er würde als Gesundheitsminister 'wahrscheinlich nicht erfolgreich' sein und sagt 'Schuster, bleib bei deinen Leisten'.
- Jens Spahn tritt als Unionsfraktionsvorsitzender zurück; Merz kündigt Umbildung an und ernennt Linnemann zum Gesundheitsminister.
- Linnemann veröffentlicht Instagram-Video, sagt, er habe 'höllischen Respekt' vor der Aufgabe und bittet um Geduld.
- Sozialverband SoVD fordert Linnemann auf, Gesundheitsreform zu überdenken und eine ordentliche Pflegereform vorzulegen.
Reformversprechen und Forderungen der Verbände
Linnemann sagte, er werde an die Reformschritte seiner Vorgängerin Nina Warken anknüpfen, und bezeichnete das Gesundheitsministerium als eines der zentralen Reformressorts der Regierung. Er setzt sich seit langem dafür ein, die mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland zu reduzieren und die Sozialabgaben zu stabilisieren oder sogar zu senken. 'Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber nicht eines der besten', sagte er.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte Linnemann umgehend auf, die Gesundheitsreform der schwarz-roten Koalition zu überdenken. SoVD-Vorsitzende Michaela Engelmeier warnte, das Paket enthalte erhebliche Leistungskürzungen und Zusatzbelastungen für die Versicherten. Sie verlangte zudem, die überfällige Pflegereform voranzubringen, ohne zu einer 'Sparreform' zu werden.
Carsten Linnemann muss sich nun auch an seinen Wahlversprechen messen lassen, zum Beispiel die Sozialabgaben auf 40 Prozent zu senken.
Engelmeier sagte, dies sei erreichbar, wenn der Bund versicherungsfremde Leistungen wie die Gesundheitskosten für Bezieher von Grundsicherung aus Steuermitteln finanziere. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte, Linnemann stehe für 'Modernisierung', und fügte hinzu, ein funktionierendes Gesundheitssystem brauche verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.


