Thüringen Linke drängt Mario Voigt zur Vertrauensabstimmung nach BSW-Zusammenbruch, der Koalition auf 39 Stimmen reduziert
Auf einem Landesparteitag in Erfurt forderte Die Linke Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt auf, entweder einen stabilen Regierungsweg einzuschlagen oder sich einer parlamentarischen Vertrauensabstimmung zu stellen, nachdem die BSW-Regierungsfraktion zusammengebrochen war.
Druck auf die Minderheitsregierung
Auf einem Landesparteitag in Erfurt am 19. September 2026 verabschiedeten Delegierte der Linken ein Positionspapier, das sich mit der geschwächten Minderheitsregierung in Thüringen befasst. Die Auflösung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) als Regierungspartei reduzierte die von Ministerpräsident Mario Voigt geführte CDU-Koalition von 44 auf 39 verlässliche Stimmen im Landtag. Da Landtagsentscheidungen mindestens 45 Stimmen erfordern, kann die Regierung ohne parteiübergreifende Unterstützung keine Gesetze verabschieden. Das verabschiedete Papier erklärte, dass keine Partei die Linke umgehen könne, ohne alternative Mehrheiten mit der AfD zu suchen. Die Delegierten beschlossen, dass Voigt, falls die Regierungskoalition nicht darlegen kann, wie sie eine stabile Regierungsführung sicherstellen will, einer formellen Vertrauensabstimmung im Landtag stellen soll.
- Bisherige Koalitionsstimmen
- 44 Sitze
- Sichere Koalitionsstimmen nach BSW-Zusammenbruch
- 39 Sitze
- Mindeststimmen für Mehrheit
- 45 Sitze
Haushaltszugeständnisse und Bedingungen
Vor dem Erfurter Kongress lehnte der 35-jährige Fraktionsvorsitzende Christian Schaft jede bedingungslose Unterstützung für die Landesregierung ab. Er erklärte, dass die Linke, nun die drittstärkste Fraktion hinter der AfD und der CDU, nur dann Kompromisse aushandeln werde, wenn sie konkrete Verbesserungen für die Bürger bringe. Schaft erläuterte, dass die Partei bei den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2026/2027 erfolgreich geplante Kürzungen bei Kultureinrichtungen und Jugendclubs abgewendet habe. Allerdings warte die Fraktion noch darauf, dass das Landeskabinett einen vereinbarten 70-Millionen-Euro-Unterstützungsfonds für Unternehmen im Strukturwandel einrichte. Schaft richtete sich direkt an Voigt und erklärte, dass größere Verlässlichkeit Vertrauen erfordere, und forderte, dass frühere Haushaltsvereinbarungen vollständig umgesetzt werden.
Wir tolerieren keine Regierung, wir tolerieren diese Bedingungen nicht, wir sind keine billigen Mehrheitsbeschaffer. Wir sitzen auch nicht schmollend am Rand.
Mitgliederzuwachs und interne Struktur
Die Landesvorsitzende Katja Maurer berichtete, dass die Linke in Thüringen ein kontinuierliches Mitgliederwachstum verzeichnet und rund 4.500 registrierte Mitglieder erreicht hat. Der Landesverband gewinnt durchschnittlich vier neue Mitglieder pro Tag, seit Anfang 2025 sind mehr als 1.700 Menschen beigetreten. Dieser Zustrom umfasste 50 Neueintritte nach dem AfD-Sieg bei der Landtagswahl im benachbarten Sachsen-Anhalt Anfang September 2026. Maurer merkte an, dass die Bewältigung dieses Zustroms eine organisatorische Herausforderung darstelle, da die Partei daran arbeite, ihre Handlungsfähigkeit zu erhalten. Um Neulinge zu integrieren, schlug sie die Einrichtung von Mentoring-Tandems vor, die erfahrene Parteimitglieder mit neuen Rekruten zusammenbringen.
Wir haben durchschnittlich vier Neueintritte pro Tag.
Langfristige Wahlstrategie
Die Parteiführung stellte ihre erweiterte parlamentarische Hebelwirkung als Sprungbrett für die Landtagswahl 2029 dar. Die Linke hatte zuvor von 2014 bis 2024 mit nur einer kurzen Unterbrechung die Thüringer Landesregierung unter Ministerpräsident Bodo Ramelow geführt, und die Parteiführung bekräftigte ihren Anspruch, bei der nächsten Landtagswahl die stärkste Kraft zu werden. Vor dem Erfurter Parteitag hatten vereinzelte interne Stimmen ein Rundschreiben verbreitet, das eine strikte Verweigerung der Zusammenarbeit mit Voigts Koalition forderte. Die Delegierten lehnten diesen starren Ansatz ab und entschieden sich stattdessen dafür, politische Zugeständnisse im Austausch für Stimmen zu erwirken, während sie die Möglichkeit behalten, eine Vertrauensabstimmung zu erzwingen, falls Zusagen gebrochen werden.
- Die Linke führt die Thüringer Landesregierung unter Ministerpräsident Bodo Ramelow
- Landtagswahl hinterlässt die neue Regierungskoalition abhängig von Oppositionsvereinbarungen
- AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt führt zu 50 neuen Linke-Mitgliedschaften in Thüringen
- Linke-Parteitag in Erfurt fordert Voigt auf, einen stabilen Regierungsplan vorzulegen oder sich einer Vertrauensabstimmung zu stellen

