
Linke deckelt Abgeordnetengehälter auf 5.300 Euro und nennt Gaza-Aktionen Völkermord auf Potsdamer Parteitag
Die Delegierten des Linken-Parteitags in Potsdam stimmten einer verbindlichen Gehaltsobergrenze für Bundes- und EU-Abgeordnete zu und verabschiedeten eine Nahost-Resolution, die die israelischen Militäroperationen im Gazastreifen als Völkermord bezeichnet.
Nahost-Kompromiss nach nächtlichen Verhandlungen
Nach stundenlangen Debatten, vor allem hinter den Kulissen, einigte sich die Linke am späten Freitagabend auf einen Kompromisstext zum Nahost-Konflikt. Die Resolution bezeichnet Israels Handlungen im Gazastreifen als Völkermord. Der frühere Bremer Linken-Vorsitzende Christoph Spehr, auch Sprecher der reformistischen Strömung Demokratische Linke, sagte, der Text enthalte „schwierige Kompromisse und Zugeständnisse für alle, auch für die Demokratische Linke“. Er betonte, der Parteitag habe das Existenzrecht Israels bekräftigt, das er als „unverzichtbar für uns“ bezeichnete. Die andere Flanke blieb unzufrieden: Ein Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität sagte, der Kompromiss komme „viel zu spät und wir machen weiter“.
Neuer Vorsitzender stolpert am ersten Tag
Luigi Pantisano wurde am Samstag knapp zum Parteivorsitzenden gewählt, sorgte aber sofort für Aufsehen, indem er der CDU „faschistische Politik“ vorwarf. Die Bemerkung überschattete eine separate Entscheidung, es den Landesverbänden zu überlassen, zu entscheiden, wie die AfD „von den Hebeln der Macht ferngehalten“ werden kann. Das öffnet der Linken in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Tür, nach den Landtagswahlen im September Absprachen mit der CDU zu treffen, um Mehrheiten unter Beteiligung der AfD zu verhindern. Ein Antrag, der eine Zusammenarbeit mit der CDU explizit ausschließen sollte, fand keine Mehrheit.
Gehaltsobergrenze für Abgeordnete beschlossen
Am Sonntag stimmten 65,5 Prozent der Delegierten dafür, die Gehälter der Bundestags- und Europaparlamentsabgeordneten der Partei auf 5.300 Euro brutto monatlich zu deckeln, was etwa 3.300 Euro netto für eine alleinstehende Person in Steuerklasse 1 entspricht. Die Obergrenze orientiert sich am Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes und soll sicherstellen, dass Abgeordnete nicht mehr verdienen als die „arbeitende Klasse“. Überschüssige Bezüge fließen in soziale Fonds, die mit der Initiative „Die Linke hilft“ verbunden sind. Die Regelung tritt mit der nächsten Bundes- und Europawahl in Kraft und enthält Ausnahmen für Abgeordnete mit besonderen finanziellen Belastungen oder mit Kindern oder Pflegeverantwortung. Die Landesverbände werden aufgefordert, analoge Regelungen für Landtagsabgeordnete zu verabschieden.
- Nächtlicher Kompromiss zur Nahost-Resolution erzielt, der israelische Aktionen im Gazastreifen als Völkermord bezeichnet.
- Luigi Pantisano zum Parteivorsitzenden gewählt; wirft später der CDU 'faschistische Politik' vor.
- Delegierte stimmen mit 65,5 % für eine verbindliche monatliche Gehaltsobergrenze von 5.300 Euro für Bundes- und EU-Abgeordnete.
Lokale Themen und interne Spannungen
Mehrere Redner warnten davor, dass die Partei zu viel Energie für außenpolitische Konflikte aufwende, auf die sie kaum Einfluss habe. Markus Pohle aus dem Landesverband Sachsen kritisierte „Antragsgefechte zu außenpolitischen Konflikten, auf die wir praktisch keinen Einfluss haben“. Wenke Brüdgam aus Mecklenburg-Vorpommern, die zu einer von sechs stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, wies auf konkrete Alltagsprobleme hin: „Die Frage für uns ist: Wie komme ich eigentlich von A nach B?“ Sie merkte an, dass es in ihrem ländlichen Gebiet keine Busse gebe und nicht jeder ein Auto habe. Der Delegierte Marco Böhme aus Sachsen, der sein eigenes Gehalt bereits deckelt, mahnte, dass individuelle Lebensumstände berücksichtigt werden müssten, und wies darauf hin, dass nicht jeder in einer WG mit billiger Miete und ohne Kinder oder Auto lebe.


