
Leipzig schaltet 278 Straßenlaternen an zwei Straßen ab, um Wildtiere zu schützen und Energiekosten zu senken
Die Stadt Leipzig wird im Oktober 2026 278 Straßenlaternen entlang von Abschnitten der Wundtstraße und der Travniker Straße abschalten, um die nachtaktive Tierwelt im Auwald zu schützen und jährlich 83.000 Kilowattstunden Strom zu sparen.
Straßenabschnitte in südlichen und nördlichen Verkehrskorridoren abgeschaltet
Die Stadtverwaltung Leipzig hat am Mittwoch, dem 30. September 2026, angekündigt, die Straßenbeleuchtung entlang von Abschnitten zweier Verkehrsadern ab der Woche des 5. Oktober 2026 dauerhaft abzuschalten. Die Maßnahme betrifft die Wundtstraße südlich der Brücke über den Schleußiger Weg im Stadtteil Südvorstadt sowie einen Abschnitt der Travniker Straße zwischen Defoestraße und Linkelstraße in den Stadtteilen Möckern und Wahren. Nach Angaben des städtischen Amtes für Mobilität und Tiefbau werden damit 278 einzelne Straßenlaternen außer Betrieb genommen.
Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass die Abschaltung der 278 Leuchten jährlich rund 83.000 Kilowattstunden elektrische Energie einspart. Neben der Senkung des Stromverbrauchs erwartet die Stadt, dass die Initiative auch die laufenden kommunalen Ausgaben für technische Wartung, Kontrolle und Instandhaltung der Infrastruktur entlang beider Verkehrskorridore verringert.
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Umwelt- und Artenschutz im nachtaktiven Lebensraum
Die Stadt begründete den Eingriff in erster Linie ökologisch und zielt damit auf die Lichtverschmutzung in ökologisch sensiblen Stadtgebieten. Der betroffene Abschnitt der Wundtstraße verläuft unmittelbar durch den Leipziger Auwald, eine geschützte Auenlandschaft, die als wesentlicher Lebensraum für zahlreiche Tierarten dient. Das Abschalten der durchgehenden nächtlichen Beleuchtung soll nachtaktive Insekten, Vögel und andere Tiere schützen, deren natürlicher Biorhythmus, ihre Nahrungssuche und ihre Fortpflanzungszyklen durch künstliches Licht gestört werden.
Die Stadtplaner wiesen darauf hin, dass übermäßige urbane Beleuchtung nachtaktive Ökosysteme zerschneidet, insbesondere dort, wo Verkehrswege durch naturnahe Schutzgebiete führen. Mit der Verdunkelung dieser Verkehrsabschnitte will Leipzig die lokale Artenvielfalt schützen und zugleich seine kommunalen Energieeinsparziele voranbringen.
Rechtliche Vorgaben und einjähriger Bewertungsrahmen
Die Stadtverwaltung erklärte, dass die Verkehrssicherheit auf beiden Straßenkorridoren nach der Abschaltung vollständig gewahrt bleibe. Nach der Straßenverkehrsordnung sind Kommunen rechtlich nicht verpflichtet, entlang von Straßen, die ausschließlich dem Kraftfahrzeugverkehr dienen, eine stationäre Straßenbeleuchtung vorzuhalten. Da die ausgewählten Abschnitte der Wundtstraße und der Travniker Straße ausschließlich dem Autoverkehr ohne Gehwege vorbehalten sind, genügen die serienmäßigen Fahrzeugscheinwerfer allen rechtlichen und praktischen Sichtanforderungen.
Die Straßenlaternen bleiben zunächst stehen und werden nicht sofort entfernt. Die städtischen Verkehrsbehörden werden die betroffenen Strecken über einen einjährigen Probebetrieb beobachten und dabei Unfallzahlen, Sichtverhältnisse und Verkehrsflussmuster prüfen. Am Ende dieser zwölfmonatigen Bewertung wird die Stadt förmlich entscheiden, ob die Beleuchtung dauerhaft abgeschaltet bleibt oder ob die Laternenmasten tatsächlich zurückgebaut werden.
Strategischer Lichtmasterplan und europäische Forschungsanbindung
Die Abschaltinitiative ist Teil des umfassenderen kommunalen Lichtmasterplans von Leipzig, mit dem sich die Stadt zu einem intelligenten Lichtmanagement bekennt und eine flächendeckende Beleuchtung aller öffentlichen Räume ausdrücklich ablehnt. Die Verwaltung verbindet das Projekt zudem mit internationalen Nachhaltigkeitsverpflichtungen, darunter die LUCI-Erklärung zur Zukunft der urbanen Beleuchtung, die vom LUCI-Verband entwickelt wurde, einem internationalen Städtenetzwerk für nachhaltige urbane Beleuchtungspraktiken.
Darüber hinaus beteiligt sich Leipzig als Folgestadt an der europäischen Forschungsinitiative The Art of Darkness, die über das Horizon-Europe-Programm der Europäischen Union finanziert wird, um die urbane Lichtverschmutzung in den Mitgliedstaaten zu bekämpfen. Michael Jana, Leiter des Amtes für Mobilität und Tiefbau, erläuterte die strategische Begründung der Stadt:
Licht ist ein wertvolles Gut, das dort eingesetzt werden sollte, wo es dem Wohlbefinden und der Sicherheit dient. Im Rahmen des europäischen Projekts The Art of Darkness will Leipzig die Lichtverschmutzung reduzieren.
