
Deutsche zu 41 zu 39 Prozent gespalten über Leihmutterschaftsverbot, 21 Prozent unentschieden, nach Rücktritt von Jens Spahn
Eine Blitzumfrage von Insa zeigt: 41 % halten das Verbot für falsch, 39 % für richtig, 21 % sind unentschieden – nachdem CDU-Politiker Spahn wegen eigener Leihmutterschaft im Ausland zurückgetreten ist.
Ein seit langem bestehendes Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland steht nach dem Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Jens Spahn, erneut auf dem Prüfstand. Spahn trat am Samstag zurück, nachdem in seiner konservativen Partei ein Sturm der Empörung ausgebrochen war, als bekannt wurde, dass er und sein Ehemann durch eine Leihmutter in den Vereinigten Staaten Eltern eines Sohnes namens Georg geworden waren. Dies umging ein deutsches Verbot, das Spahn zuvor mitgetragen hatte, und führte sofort zu Forderungen nach einer politischen Aufarbeitung.
Was die Zahlen zeigen
Der Fall hat eine Debatte neu entfacht, die das Land laut einer Blitzumfrage des Insa-Instituts für die Bild-Zeitung tief spaltet. Die Umfrage, die vom 17. bis 20. Juli mit 1.004 Befragten und einer Fehlermarge von plus/minus 3,1 Prozentpunkten durchgeführt wurde, ergab, dass 41 Prozent der Deutschen das Verbot der Leihmutterschaft für falsch halten, während 39 Prozent es für richtig halten. Ungewöhnlich hohe 21 Prozent machten keine Angabe oder sagten, sie wüssten es nicht.
- Leihmutterschaftsverbot falsch
- 41
- Leihmutterschaftsverbot richtig
- 39
- Weiß nicht / keine Angabe
- 21
Wie die Parteianhänger abstimmen
Die Spaltung folgt vertrauten politischen Konturen, weist aber bemerkenswerte Querströmungen auf. Unter den Anhängern der CDU/CSU befürworten 47 Prozent das Verbot, ebenso wie 48 Prozent der SPD-Wähler. Die Ablehnung des Verbots ist bei FDP-Wählern mit 49 Prozent am stärksten, gefolgt von 47 Prozent der Anhänger der Linken und 42 Prozent der AfD-Wähler. Die Wähler der Grünen sind gleichmäßig gespalten, mit 43 Prozent auf jeder Seite. Eine ähnlich knappe Spaltung zeigt sich bei BSW-Wählern, wo 30 Prozent das Verbot für richtig und 32 Prozent für falsch halten.
Politische Reaktionen und begrenzte Reformbereitschaft
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann nutzte den Moment, um eine erneute Auseinandersetzung mit Fragen der Fortpflanzungsmedizin zu fordern. Führende CDU-Stimmen deuteten jedoch an, dass die Partei ihre Position voraussichtlich nicht bald überdenken werde. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Bildungsministerin Karin Prien wies darauf hin, dass die Partei ihre Haltung erst im Februar verschärft habe, als ein Parteitagsbeschluss erklärte, dass nicht nur die kommerzielle Leihmutterschaft, sondern auch die sogenannte altruistische Leihmutterschaft ohne Bezahlung mit den Werten der CDU unvereinbar sei.
Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass die CDU ihre Position in naher Zukunft ändere, sagte Prien: „Das kann ich mir kaum vorstellen.“ Sie fügte eine persönliche Reflexion hinzu.
Das muss unheimlich schwer sein. Ich kann mir das persönlich ehrlich gesagt nicht vorstellen.
Prien, selbst Mutter von drei Kindern, wies auf die tiefe Bindung hin, die während der neunmonatigen Schwangerschaft entstehe, und deutete an, dass die emotionalen Dynamiken die Leihmutterschaft zu einem tief umstrittenen Thema machten.
Der Rücktritt Spahns, einer hochrangigen Figur in der CDU, hat die Partei in Bedrängnis gebracht, die Folgen zu bewältigen, zu einer Zeit, in der die öffentliche Meinung kein klares Mandat für eine Verschärfung oder Abschaffung des bestehenden Verbots bietet.

