Spahns Leihmutterschaftsrücktritt spaltet deutsche Parteien, Grüne fordern neue Debatte
Jens Spahn ist als CDU-Fraktionsvorsitzender zurückgetreten, nachdem er bekannt gegeben hatte, dass er durch eine Leihmutter in den USA Vater geworden ist, wo die Praxis legal ist. Sein Rücktritt zwingt die deutschen Parteien, eine lange ins Stocken geratene Diskussion über Fortpflanzungsmedizin wieder aufzunehmen.
Rücktritt und unmittelbare Folgen
Jens Spahn ist am Wochenende als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten, nachdem er wegen seiner Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA öffentlich kritisiert worden war. Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal. Der Schritt wurde von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann als „absolut logisch“ bezeichnet, die argumentierte, der Vorfall solle zu einer Neubewertung der Fortpflanzungsmedizingesetze führen.
Die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeigt, dass es notwendig ist, sich noch einmal mit den Ergebnissen der Kommission für reproduktive Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin auseinanderzusetzen.
CDU hält gegen jede Liberalisierung
Karin Prien, CDU-Bildungsministerin und Mutter von drei Kindern, sagte dem Pioneer, sie könne sich nicht vorstellen, dass die Partei ihre Position bald ändern werde. Die CDU hatte ihr Programm im Februar verschärft und sowohl kommerzielle als auch altruistische Leihmutterschaft als mit ihren Werten unvereinbar ausgeschlossen.
Das kann ich mir kaum vorstellen.
Sie räumte den Schmerz von Paaren ein, die aus medizinischen Gründen kein Kind austragen können, und nannte es „ein schreckliches Schicksal“, sagte aber, sie persönlich könne sich Leihmutterschaft wegen der während der neunmonatigen Schwangerschaft entstehenden Bindung nicht vorstellen.
Der Kommissionsbericht von 2024
Die von der früheren Ampelkoalition eingesetzte Kommission legte ihren Abschlussbericht im April 2024 vor. Sie empfahl, frühe Abtreibungen nicht mehr zu kriminalisieren und Leihmutterschaft unter strengen Auflagen zu erlauben, sofern der Schutz der Leihmutter und das Wohl des Kindes ausreichend gewährleistet sind. Kommerzielle Leihmutterschaft wurde abgelehnt. Sogar altruistische Leihmutterschaft, so warnte die Kommission, berge ein Missbrauchsrisiko und solle nur in sehr engen Ausnahmefällen erlaubt werden, etwa bei einer engen familiären oder freundschaftlichen Beziehung zwischen Wunscheltern und Leihmutter.
- Die Kommission für reproduktive Selbstbestimmung empfiehlt, altruistische Leihmutterschaft unter strengen Auflagen zu erlauben.
- Der CDU-Parteitag verschärft die Haltung und lehnt sowohl kommerzielle als auch altruistische Leihmutterschaft ab.
- Jens Spahn tritt nach Leihmutterschaftsenthüllung als CDU-Fraktionschef zurück.
SPD und Linke äußern Skepsis
Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen der SPD hat sich noch nicht positioniert. Die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner sagte der Funke-Mediengruppe, die Gruppe kritisiere die zunehmende „Kommerzialisierung von Frauen in der Fortpflanzungsmedizin“ und die Ausbeutung finanzieller Notlagen. Die frauenpolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Gebel, sieht selbst altruistische Leihmutterschaft kritisch und verweist auf Gesundheitsrisiken, Abhängigkeiten und familiären Druck, die nicht einfach verschwänden, nur weil kein Geld fließe.
Gesundheitsrisiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck verschwinden nicht automatisch, nur weil offiziell kein Geld fließt.
Wie es weitergeht
Haßelmann forderte die derzeitige Koalition auf, die Arbeit der Kommission nicht „in der Schublade verschwinden“ zu lassen. Da die CDU fest dagegen ist und SPD und Linke vorsichtig sind, bleibt jeder gesetzgeberische Schritt in weiter Ferne. Die Debatte wurde jedoch durch Spahns persönliche Entscheidung und ihre politischen Konsequenzen wieder auf die Tagesordnung gesetzt.


