
Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wählen – AfD-Zugewinne fordern Kanzler Merz heraus
Wähler gehen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zwei Wochen nach einem Rechtsparteien-Sieg in Sachsen-Anhalt zur Wahl; Kanzler Friedrich Merz sieht sich mit Rekordtief von 13% Zustimmung konfrontiert.
Wahlbeginn in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Wähler in Berlin und dem nordöstlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gaben am Sonntag, dem 20. September 2026, bei Regionalwahlen ihre Stimmen ab, die von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zwei Wochen zuvor geprägt waren. Bei dieser Wahl errang die Alternative für Deutschland (AfD) über 43 % der Stimmen, setzte die traditionellen Parteien unter Druck und stellte die etablierte „Brandmauer“ auf die Probe, die dazu dienen sollte, die Rechtspartei von der Macht fernzuhalten. In Mecklenburg-Vorpommern trat AfD-Kandidat Leif-Erik Holm gemeinsam mit dem Sachsen-Anhalt-Sieger Ulrich Siegmund an, um diesen Schwung zu nutzen. In einer Rede vor der Foreign Press Association verwies Holm auf eine regionale Ansteckung zwischen den ostdeutschen Bundesländern.
Was ich dachte, passiert: Wenn es in Sachsen-Anhalt gut läuft, werden wir es auch hier spüren.
Der Wettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern
Umfragen vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern sehen die AfD bei 36 %, mehr als doppelt so viel wie ihr bisheriges Ergebnis im Bundesland. Im Gegensatz dazu liegt die Christlich Demokratische Union (CDU) in Umfragen bei 6 %, was die Aussicht eröffnet, dass die Partei die für den parlamentarischen Einzug erforderliche Fünf-Prozent-Hürde verfehlen könnte. Die 1945 gegründete CDU fungierte historisch als eine breite Volkspartei, die bei Regional- und Bundeswahlen regelmäßig über 30 % erreichte. Beobachter weisen darauf hin, dass Wähler, die unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leiden, ihre Stimmen in Mecklenburg-Vorpommern nutzen, um die Bundesregierung abzustrafen. Während die AfD monatelang die Umfragen anführte, startete die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in der Schlussphase des Wahlkampfs einen späten Vorstoß.
- AfD
- 36 %
- CDU
- 6 %
Wohnungsdebatte und Koalitionsarithmetik in Berlin
In Berlin ist Die-Linke-Kandidatin Elif Eralp als direkter Gegenpol zu den AfD-Gewinnen in Ostdeutschland angetreten. Eralp, die die erste Bürgermeisterin der Hauptstadt mit türkischen Wurzeln werden könnte, wird mit New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani verglichen. Ihr Wahlkampf konzentriert sich stark auf den Wohnungsmarkt der Stadt, mit Vorschlägen zur Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus, zur Begrenzung von Mieterhöhungen und zur Beibehaltung der Option, große Unternehmensvermieter zu enteignen. Umfragedaten zeigen, dass 32 % der Berliner Wohnen und Mieten als das Hauptproblem der Stadt betrachten, weit vor Einwanderungssorgen. Die jüngste Umfrage des ZDF zeigt Die Linke knapp vor der CDU, die AfD liegt dicht dahinter. Stefan Evers, Berlins Senator für Finanzen und Kultur, führt die CDU-Liste nach dem Ausscheiden von Bürgermeister Kai Wegner an und hält die Partei in Umfragen bei etwa 20 %, verglichen mit den 28,2 %, die sie 2023 gewann.
- CDU
- 28.2 %
- Die Linke
- 12.2 %
Führungsdruck auf Kanzler Merz
Die beiden Wahlen stellen ein hohes Risiko für Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundes-CDU-Führung dar. Nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen sah sich Merz sofort mit Rücktrittsforderungen vom Kanzleramt konfrontiert.
Wir sind tief erschüttert.
Merz lehnte damals Rücktrittsforderungen ab, doch nationale Umfragen sehen seine Zustimmungsrate bei 13 %, dem niedrigsten jemals für einen deutschen Kanzler gemessenen Wert. Innerhalb der CDU warten interne Herausforderer auf die endgültigen Ergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, bevor sie über eine formelle Führungskampagne entscheiden. In Berlin haben zwei Parteien nicht genügend Sitze für eine Mehrheit, sodass eine Drei-Parteien-Koalition unvermeidlich ist. Umfragen deuten darauf hin, dass ein linksgerichtetes Bündnis aus Die Linke, Grünen und SPD rechnerisch möglich ist, jedoch bestehen tiefe politische Differenzen zwischen den drei Parteien.


