
Deutsche Wähler geben in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ihre Stimme ab – Friedrich Merz steht vor zwei regionalen Bewährungsproben
Knapp vier Millionen Wähler geben am Sonntag in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ihre Stimme ab – eine Bewährungsprobe für Bundeskanzler Friedrich Merz nach jüngsten konservativen Rückschlägen.
Hohe Einsätze bei zwei Regionalwahlen
Knapp vier Millionen wahlberechtigte Deutsche nehmen am Sonntag, dem 20. September 2026, an zwei Landtagswahlen teil und geben ihre Stimmen in Berlin und im nordöstlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Wahllokale in beiden Bundesländern haben von 06:00 bis 16:00 Uhr GMT geöffnet; anschließend veröffentlichen die Behörden die ersten Hochrechnungen und Prognosen. Die Doppelwahl findet zwei Wochen statt, nachdem die Alternative für Deutschland (AfD) die Christlich Demokratische Union (CDU) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besiegt hat. Angesichts des politischen Drucks sowohl von der extremen Rechten als auch von der radikalen Linken sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (70) seinen geplanten Flug nach New York zur UN-Generalversammlung ab und berief für Sonntagabend unmittelbar nach Schließung der Wahllokale eine außerordentliche CDU-Krisensitzung ein.
- AfD besiegt die CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
- Bundesregierung kündigt Steuersenkungen auf Benzin und Diesel an
- Wahllokale in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern öffnen
- Wahllokale schließen, erste Hochrechnungen werden veröffentlicht
- CDU-Führung beruft eine Krisensitzung ein
Wahlen im Norden und Hürdendruck
In Mecklenburg-Vorpommern an der Ostseeküste strebt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) die Wiederwahl an, obwohl ihre Partei in den bundesweiten Umfragen die niedrigsten Werte verzeichnet. Schwesig baute ihren Wahlkampf auf ihrer regionalen Regierungsbilanz auf und legte in den letzten zwölf Monaten um 18 Prozentpunkte zu, um in der Schlussphase des Wahlkampfs an der AfD vorbeizuziehen. Im Gegensatz dazu steht die regionale CDU-Liste vor großen Schwierigkeiten; Umfragen deuten darauf hin, dass die Partei die erforderliche 5%-Hürde für den Einzug in den Landtag verfehlen könnte. Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch bewertete die Risiken für die konservative Partei im Norden.
Wenn die CDU zum ersten Mal in ihrer Geschichte nicht in einem Landtag sitzen würde, selbst wenn es sich, in Anführungszeichen, nur um ein „kleines Land“ handelt, wäre das natürlich eine Katastrophe.
Steuerliche Maßnahmen des Bundes und Berliner Bürgermeisterwahl
Um die Unzufriedenheit der Wähler vor den Wahlen am Wochenende zu mildern, kündigte die Regierung Merz am Freitag, dem 18. September, ein Paket an, das die Energiesteuern auf Diesel und Benzin senkt und gleichzeitig mögliche Preisobergrenzen für Kraftstoffe an der Zapfsäule prüft. Die Aufmerksamkeit gilt auch direkt Berlin, wo 3,9 Millionen Einwohner einen Führungswechsel im Roten Rathaus erleben könnten. Umfragen zeigen, dass die Kandidatin der Linken, Elif Eralp, 22 % der Wählerunterstützung erhält, was sie in die Lage versetzt, eine regierende Koalition mit den Grünen und der SPD zu bilden. Eralp übernahm basisdemokratische Wahlkampftechniken, die denen von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani nachempfunden sind, und verpflichtete dessen ehemaligen Wahlkampfstrategen.
Wohnungsdruck und kommunale Vorschläge
Eralp konzentrierte ihren Bürgermeisterwahlkampf in erster Linie auf die Wohnungsfrage, was die Situation in Berlin widerspiegelt, wo 85 % der lokalen Bevölkerung zur Miete wohnen. Die durchschnittlichen Mieten in der Stadt sind in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40 % gestiegen und erreichten Anfang 2026 15,84 Euro pro Quadratmeter ohne Nebenkosten, obwohl seit 2015 gesetzliche Mietpreisbremsen bestehen. Eralps zentrale Wahlkampfinitiative sieht die Kommunalisierung von 220.000 Wohnungen vor, die sich in den Händen profitorientierter Unternehmen befinden – eine Maßnahme, die die Wähler in einem nicht bindenden Referendum von 2021 unterstützt haben. Sollten die Hochrechnungen eintreffen, würde Eralp die erste linke Bürgermeisterin sein, die die Hauptstadtregierung seit der deutschen Wiedervereinigung führt, und die Stadtregierung umgestalten, während die Bundestagsparteien die regionalen Ergebnisse bewerten.

