
AfD liegt in Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl bei 43%
Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt werden am 6. September 2026 ihre Stimme abgeben, während die rechtsextreme AfD mit 43% in den Umfragen führt und eine absolute Mehrheit im Landtag anstrebt.
Umfragen und die Fünfprozenthürde
Am 6. September 2026 werden rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt an der Landtagswahl teilnehmen. Vor der Wahl liegt die Alternative für Deutschland (AfD) mit 43% der Wählerstimmen an erster Stelle. Die Christlich Demokratische Union (CDU) unter Ministerpräsident Sven Schulze liegt mit 22% auf dem zweiten Platz. Die sozialistische Linke folgt mit 12%, die Sozialdemokraten (SPD) liegen bei 7%, die Grünen bei 5% und die Freien Demokraten (FDP) bei 3%. Falls kleinere Parteien die für den Einzug in den Landtag erforderliche Fünfprozenthürde nicht überschreiten, könnte die AfD eine absolute Mehrheit der Sitze in Magdeburg erringen und ohne Koalitionspartner regieren.
- AfD
- 43 %
- CDU
- 22 %
- Linke
- 12 %
- SPD
- 7 %
- Grüne
- 5 %
- FDP
- 3 %
Führung und Wahlprogramm
Die AfD-Kampagne wird vom 35-jährigen Ulrich Siegmund angeführt, einem ehemaligen CDU-Mitglied, das stark auf digitale Ansprache über soziale Medien setzt. Das Parteiprogramm mit dem Titel „Das Land zuerst“ wurde maßgeblich vom 48-jährigen Regionalstrategen Hans-Thomas Tillschneider entwickelt. Das Manifest sieht die Abschaffung des Asylrechts, die Beschlagnahmung von Bargeld und Vermögen von Asylsuchenden, die Durchführung von Massenabschiebungen und die Trennung von Flüchtlingskindern in separate Schulklassen vor. Es fordert zudem Gefängnisstrafen für die Beleidigung der deutschen Identität und strebt ein Verbot der Antifa-Bewegung an, während es Klimaschutzmaßnahmen ablehnt. Der Politikwissenschaftler Sven Leunig von der Universität Jena bewertete die gesellschaftliche Agenda des Programms:
Es ist ein konservativ-reaktionäres Programm, das vorschlägt, 20 bis 30 Jahre gesellschaftlichen Fortschritt zurückzudrehen, insbesondere bei der Anerkennung der LGBTQ+-Gemeinschaft und der Frauenrechte. Es vertritt eine stark migrationsfeindliche Haltung und leugnet die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen die globale Erwärmung.
Koalitionshaltungen und Auswirkungen auf den Bund
Sachsen-Anhalt wird seit 2021 von einer Dreierkoalition aus CDU, SPD und FDP regiert, nachdem die AfD bei der Wahl 20% der Stimmen erhalten hatte. 2023 stufte das Landesamt für Verfassungsschutz den AfD-Landesverband als extremistisch ein. Der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Koalitionen mit der AfD oder der Linken auf allen Ebenen ausgeschlossen. Albrecht von Lucke, Redakteur der politischen Zeitschrift Blätter, bewertete das Wachstum der Partei vor der Wahl:
Niemand hätte sich vorstellen können, dass eine solche Partei eines Tages diesen Beliebtheitsgrad erreichen würde. Wir befinden uns jetzt in der Phase der Normalisierung vor der Machtübernahme.
- CDU bildet Landtagskoalition mit SPD und FDP, während AfD 20% der Stimmen erhält
- Verfassungsschutz stuft AfD-Landesverband als rechtsextremistisch ein
- FDP fällt bei der Bundestagswahl unter die Fünfprozenthürde
- 1,7 Millionen Wähler in Sachsen-Anhalt geben ihre Stimme für den Landtag ab
Wirtschaftlicher Hintergrund und regionale Faktoren
Die Unzufriedenheit der Wähler in dem 2,1 Millionen Einwohner zählenden Bundesland hängt teilweise mit regionalen wirtschaftlichen Ungleichheiten zusammen. Sachsen-Anhalt verzeichnet eine höhere Arbeitslosigkeit und niedrigere mittlere Einkommen von Vollzeitbeschäftigten als der bundesdeutsche Durchschnitt. Von der Gesamtbevölkerung haben knapp 800.000 Einwohner einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Die wirtschaftliche Basis des Landes stützt sich auf die verarbeitende Industrie im Chemiedreieck um Leuna, Merseburg und Bitterfeld-Wolfen sowie auf die Automobilzulieferindustrie und den Tourismus in Destinationen wie Quedlinburg und dem Harz. Die Wahllokale im ganzen Land öffnen am Sonntagmorgen, erste Hochrechnungen werden nach Ende der Abstimmung erwartet.


