
Ursula von der Leyen hält Rede zur Lage der Union und setzt Agenda für Sicherheit und Technologie
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, wandte sich an das Europäische Parlament und schlug einen neuen Sicherheitsrat, Einschränkungen für soziale Medien bei Minderjährigen sowie Schutzvorkehrungen für künstliche Intelligenz vor.
Sicherheit und internationale Allianzen
In ihrer Rede zur Lage der Union vor dem Europäischen Parlament beschrieb die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die geopolitische Landschaft als eine doppelte Realität aus europäischer Stärke und akuter Verletzlichkeit. Die Europäische Union sieht sich äußeren Bedrohungen auf dem Kontinent gegenüber, darunter russische Aggression, industrielle Rivalität und Desinformationskampagnen. Zur Bewältigung der Verteidigungsherausforderungen schlug Von der Leyen die Einrichtung eines Sicherheitsrats vor, um mit verbündeten Nationen bei der kontinentalen Verteidigung zu koordinieren. Sie bot Kanada außerdem den Status des ersten assoziierten Mitgliedsstaats der EU an, eine Einstufung, die im europäischen Recht derzeit nicht definiert ist. Der Vorschlag stieß auf Kritik, da zehn EU-Mitgliedstaaten das Handelsabkommen mit Kanada von 2017 noch nicht ratifiziert haben, und sorgte zugleich für Verärgerung bei Donald Trump.
Wenn ich mir Europa heute ansehe, lautet mein Fazit: Der Zustand unserer Union ist so stark wie nie zuvor, aber der Zustand unserer Union kann auch so prekär erscheinen wie nie zuvor. Diese beiden Aussagen mögen unvereinbar erscheinen, aber beide sind wahr und spiegeln diese außergewöhnlichen Zeiten wider, diese komplexe Ära großer Möglichkeiten und großer Gefahren, die alle Länder zu bewältigen suchen.
Digitalpolitik und Jugendschutz
Digitale Regulierung und Technologie-Governance bildeten einen weiteren zentralen Pfeiler der Agenda. Nach Warnungen des Geschäftsführers von Anthropic vor der Notwendigkeit der Aufsicht bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz skizzierte Von der Leyen den europäischen Ansatz für automatisierte Systeme. Sie bekräftigte, dass die EU eine verantwortungsvolle Bereitstellung künstlicher Intelligenz anstrebe, die den Energieverbrauch und die Betriebskosten senke und gleichzeitig die menschliche Entscheidungsfindung in der Hand behalte. Mit Blick auf soziale Medienplattformen kündigte die Kommissionspräsidentin verbindliche Beschränkungen für junge Nutzer im gesamten Block der 27 Mitgliedstaaten an. Der Zugang zu sozialen Medien soll für Kinder unter 13 Jahren verboten werden, während Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren auf Konten mit elterlicher Aufsicht beschränkt werden.
Wirtschaft, Haushalt und saubere Energie
Über Technologie und Außenpolitik hinaus betonte die Rede wirtschaftliche Resilienz, strategische Autonomie und Haushaltsplanung. Von der Leyen erklärte, dass der Haushalt der Europäischen Union neue Eigenmittel benötige, um politische Verpflichtungen zu finanzieren und die geopolitische Unsicherheit zu bewältigen. Sie forderte verstärkte Investitionen in die Infrastruktur für saubere Energie, um die europäische Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern. Auch die Wettbewerbsfähigkeit stand im Mittelpunkt, mit Vorschlägen zur Stärkung des Binnenmarkts, um unfairen chinesischen Handelspraktiken entgegenzuwirken, die der heimischen Industrie schaden. Die Rede stellte diese wirtschaftlichen Maßnahmen als wesentlich dar, um das europäische Sozialmodell zu bewahren und systemische Krisen zu antizipieren, bevor sie sich materialisieren.
Parlamentarische und politische Reaktionen
Die Rede stieß bei den Vertretern des Europäischen Parlaments auf unterschiedliche Reaktionen. Lídia Pereira von der portugiesischen Sozialdemokratischen Partei lobte die Rede als realistisch und pragmatisch bei der Bewältigung europäischer Verletzlichkeiten. Im Gegensatz dazu kritisierte Marta Temido von der portugiesischen Sozialistischen Partei das Auslassen der Gesundheitspolitik, begrüßte jedoch die Vorschläge für koordinierte Reaktionen auf extreme Wetterphänomene in allen 27 Mitgliedstaaten. Von der Leyen warnte außerdem vor ultranationalistischen und europafeindlichen Kräften, die sich gegen europäische Werte stellten und die Einheit des Kontinents untergraben wollten.


