Durchschnittlicher Aufenthalt in Frauenhäusern in Sachsen-Anhalt steigt auf 69 Tage – Wohnungsmangel hält an
Frauen, die in Sachsen-Anhalt vor häuslicher Gewalt fliehen, verbrachten 2025 durchschnittlich 69 Tage in Schutzeinrichtungen – ein Anstieg von 67 Tagen im Jahr 2024. Angespannte Wohnungsmärkte und administrative Verzögerungen erschweren den Übergang in ein eigenständiges Zuhause.
Steigende Aufenthaltsdauern und Kapazitätsengpässe
Frauen und Kinder, die in Sachsen-Anhalt vor häuslicher Gewalt fliehen, bleiben länger in Notunterkünften, bevor sie eine eigene Wohnung beziehen können. Daten des Landesamtes für Soziales, Jugend und Gesundheit in Halle zeigen, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 67 Tagen im Jahr 2024 auf 69 Tage im Jahr 2025 gestiegen ist. Im gleichen Zeitraum stieg die Gesamtauslastung der 19 Schutzhäuser im Land von 77 % auf 78 %. Die Mitarbeiterinnen der Schutzhäuser nutzen die verlängerte Zeit, um den Betroffenen bei der Organisation einer eigenen Wohnung und der Erlangung administrativer und finanzieller Eigenständigkeit zu helfen. Im Jahr 2025 nahmen diese 19 Einrichtungen insgesamt 496 Frauen und 455 Kinder auf, verglichen mit 523 Frauen und knapp 600 Kindern im Jahr 2024.
- 2024
- 67 Tage
- 2025
- 69 Tage
Engpässe auf dem Wohnungsmarkt und in der Verwaltung
Die Mitarbeiterinnen der Einrichtungen berichten von erheblichen Hürden, die einen zügigen Umzug der Bewohnerinnen in dauerhafte Wohnungen verhindern. Ein schrumpfendes Angebot an bezahlbaren Wohnungen, die den Zahlungsstandards der örtlichen Jobcenter entsprechen, schränkt die verfügbaren Optionen ein. Bürokratische Engpässe verschärfen das Problem, darunter lange Bearbeitungszeiten bei den Ausländerbehörden bezüglich Aufenthaltstiteln sowie Verzögerungen bei den kommunalen Sozialämtern und Jobcentern. Finanzielle Schwierigkeiten wie ausstehende Mietrückstände erschweren häufig die Suche nach neuen Mietverhältnissen. Sarah Schulze, die Landesbeauftragte für Frauen und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, betonte die Notwendigkeit, den Auszug aus den Notunterkünften durch gezielte Unterstützung und einen erleichterten Zugang zu sicherem Wohnraum zu beschleunigen.
Schulze wies auch darauf hin, dass bestimmte Personengruppen im Schutznetzwerk eine spezialisierte Betreuung benötigen.
Schutzbedürftige Gruppen benötigen differenziertere Angebote.
Die Beauftragte merkte an, dass zu diesen Gruppen Frauen gehören, die mit älteren Söhnen vor Gewalt fliehen, Transgender-Frauen und Menschen mit Suchterkrankungen. Sie forderte eine kontinuierliche systemische Reform, um sicherzustellen, dass jedes Opfer angemessenen Schutz erhält.
Wir müssen unser Hilfesystem stetig weiterentwickeln, damit von Gewalt betroffene Frauen unabhängig von ihrer individuellen Situation einen passenden Schutzraum finden.
Demografisches Spektrum und nicht erfüllte Anfragen
Die demografische Aufschlüsselung der im Jahr 2025 aufgenommenen Bewohnerinnen erstreckte sich über alle Altersgruppen und verdeutlichte den generationsübergreifenden Schutzbedarf. Von den Aufgenommenen waren 32 Frauen unter 20 Jahre alt, 157 Frauen waren zwischen 30 und 39 Jahre alt, und 22 Frauen waren 60 Jahre oder älter. Frauen mit Migrationshintergrund machten 48,8 % der gesamten Schutzhausbevölkerung aus.
- Unter 20
- 32 Frauen
- 30–39
- 157 Frauen
- 60 und älter
- 22 Frauen
Trotz der vorhandenen Kapazitäten mussten die Einrichtungen im Laufe des Jahres Hunderte von Anfragen ablehnen. Das Landesamt verzeichnete für 2025 insgesamt 891 Anfragen, die nicht zu einer Aufnahme in ein Schutzhaus führten. Ein Sprecher der Behörde erklärte, dass 551 dieser unerfüllten Anfragen direkt auf fehlende freie Plätze im kontaktierten Schutzhaus zurückzuführen seien. Die Behörde stellte klar, dass es sich bei dieser Gesamtzahl nicht um 891 verschiedene Personen handelt, da Frauen, die Schutz suchen, häufig mehrere Einrichtungen kontaktieren und in den Verwaltungsprotokollen mehrfach erfasst werden.
Landesförderung und regionaler Ausbau
Zur Aufrechterhaltung der Notunterkünfte stellte Sachsen-Anhalt den 19 Schutzhauseinrichtungen im Jahr 2025 öffentliche Mittel in Höhe von 3.863.100 Euro zur Verfügung. Für das Jahr 2026 wurde das verfügbare Budget auf 3.870.200 Euro festgesetzt, wobei die Organisationen auch zusätzliche Mittel für professionelle Übersetzungs- und Dolmetschdienste beantragen können.
- 2025
- 3863100 €
- 2026
- 3870200 €
Das Land unterhält derzeit eine Gesamtkapazität von 118 Schutzplätzen. Ab September wird die Einrichtung in Weißenfels im Burgenlandkreis ihre Kapazität von sieben auf acht Plätze für Frauen erweitern, zusätzlich zu zwölf festen Plätzen für mitgebrachte Kinder.


