Vier riesige LST-Teleskope auf La Palma für das CTAO-Gammastrahlenobservatorium eröffnet
Vier 23 Meter große Large-Sized Telescopes am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma wurden am 15. Oktober 2026 eingeweiht und vervollständigen damit das nördliche LST-Teilsystem des Cherenkov Telescope Array Observatory.
Die Einweihung auf La Palma
Am 15. Oktober 2026 versammelten sich Wissenschaftler und Vertreter offizieller Stellen am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma auf den Kanarischen Inseln, um die vier Large-Sized Telescopes (LST) am Nordstandort des Cherenkov Telescope Array Observatory (CTAO) einzuweihen. Das Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) teilte mit, dass 250 Wissenschaftler und Vertreter von Forschungseinrichtungen aus aller Welt daran teilnahmen. Jedes Teleskop verfügt über einen 23 Meter großen Hauptspiegel und ultraschnelle Kameras, die die schwachen Cherenkov-Blitzlichter einfangen sollen, die entstehen, wenn sehr hochenergetische Gammastrahlen auf die Atmosphäre treffen. Die vier Instrumente gesellen sich zu LST-1, einem Prototyp, der seit 2020 in Betrieb ist. IAC-Direktor Valentin Martinez Pillet nannte den Betriebsbeginn einen bedeutenden wissenschaftlichen Meilenstein und einen Beleg für die Fähigkeit des Observatoriums, diese Art von Infrastruktur zu beherbergen.
Nachweisbereich und Geschwindigkeit
Die LST decken Gammastrahlenenergien von etwa 20 Gigaelektronenvolt (GeV) bis zu mehreren Teraelektronenvolt (TeV) ab, was das IAC als die empfindlichsten Instrumente der Welt für dieses Band bezeichnet. Sehr hochenergetische Gammastrahlen werden auf ihrem Weg durch das Universum zunehmend absorbiert, sodass die niedrige Energieschwelle es Forschern ermöglicht, Quellen in kosmologischen Entfernungen zu untersuchen und weiter in die kosmische Geschichte zurückzublicken, bis etwa 12 Milliarden Jahre. Jedes Teleskop ist 45 Meter hoch, wiegt etwa 100 Tonnen und kann sich in rund zwanzig Sekunden auf jeden Punkt des Himmels ausrichten. Diese Wendigkeit ist für kurzlebige Ereignisse wie Gammastrahlenausbrüche und andere kurzzeitige stellare Ereignisse ausgelegt. Im gemeinsamen Betrieb können die vier Teleskope dieselben Gammastrahlenkaskaden aus verschiedenen Richtungen beobachten, was die Empfindlichkeit, das Winkelauflösungsvermögen und die Energierekonstruktion verbessert.
Italienische und spanische Beiträge
Das italienische Nationale Institut für Astrophysik (INAF) und das Nationale Institut für Kernphysik (INFN) halfen beim Bau der Infrastruktur. INAF arbeitete an Kohlenstofffaserstrukturen und Detektionskameras für den Nordstandort, während INFN Komponenten für den geplanten Südstandort in Chile entwarf. INAF beherbergt zudem das CTAO-Zentralbüro in Bologna. Lucio Angelo Antonelli vom INAF, Mit-Hauptuntersucher der LST-Kollaboration, sagte, Italien trage zu den meisten Instrumenten des Observatoriums bei.
Der heutige Tag markiert einen sehr wichtigen Schritt voran bei der Verwirklichung des CTAO, zu dem Italien eine Fülle wissenschaftlicher, konstruktiver und industrieller Fähigkeiten beiträgt.
Antonelli fügte hinzu, dass Italien am Südstandort zudem zwei weitere Large-Sized Telescopes und 37 Small-Sized Telescopes bauen werde. Auf spanischer Seite koordinierte das Instituto de Astrofísica de Andalucía (IAA-CSIC) die Entwicklung der Datenanalysesoftware für die vier Teleskope. Die Staatssekretärin für Wissenschaft, Juan Cruz Cigudosa, und die Generalsekretärin für Forschung, Eva Ortega, besuchten die Anlagen, und IAA-Direktorin Olga Munoz bezeichnete den Meilenstein als Beginn einer neuen und spannenden Phase bei der Erforschung der energiereichsten Phänomene des Universums.
Wissenschaftliche Ziele
Der Sprecher der LST-Kollaboration, Masahiro Teshima, bezeichnete den Abschluss als Höhepunkt jahrelanger gemeinsamer Arbeit.
Der Abschluss des LST-Teilsystems ist der Höhepunkt von mehr als 15 Jahren internationaler Zusammenarbeit und technologischer Innovation.
Teshima sagte, die Teleskope würden supermassereiche Schwarze Löcher und Neutronensterne untersuchen, mögliche Ursprünge der kosmischen Strahlung erforschen und zur Erforschung der Natur der Dunklen Materie beitragen. Der Physik-Nobelpreisträger Takaaki Kajita, der 2015 für die Entdeckung der Neutrino-Oszillationen ausgezeichnet wurde, sprach bei einer Informationsveranstaltung zu den Teleskopen. Er konzentrierte sich auf die Multimessenger-Astronomie, die Gammastrahlen, Neutrinos und Gravitationswellen kombiniert. Als Beispiel nannte er die Verschmelzung zweier Neutronensterne, da eine solche Verschmelzung Gravitationswellen und mehrere Formen von Strahlung erzeugt.
Immer wenn wir ein neues Fenster zum Universum geöffnet haben, haben wir Phänomene entdeckt, die wir nicht erwartet hatten.
Kajita sagte, Warnmeldungen von Gravitationswellendetektoren wie LIGO, Virgo oder KAGRA oder von Neutrino-Observatorien könnten eine sofortige Suche nach Gammastrahlen-Gegenstücken auslösen. Er argumentierte zudem, dass Nachweise durch die LST andere Observatorien auf denselben Punkt am Himmel lenken könnten, um ihn im sichtbaren Licht, im Radiobereich und in anderen Wellenlängen zu untersuchen.
Größenordnung des Observatoriums
Das CTAO wird schließlich mehr als 60 Teleskope umfassen, die auf zwei Standorte verteilt sind: den nördlichen auf La Palma und den südlichen bei Paranal in Chile. Die vier am 15. Oktober fertiggestellten LST bilden den Kern des Nordstandorts. Die Quellen beschreiben das Ereignis als einen Schritt hin zum vollständigen wissenschaftlichen Betrieb des Observatoriums, der noch nicht erreicht ist.