
Zwei Männer nach Tortenattentat auf Posener Oberbürgermeister Jacek Jaśkowiak angeklagt – bis zu drei Jahre Haft
Zwei Männer im Alter von 40 und 22 Jahren wurden wegen Beleidigung eines Amtsträgers und Verletzung der körperlichen Unversehrtheit angeklagt, nachdem sie am Dienstag während der Sitzung des Stadtrats von Posen eine Sahnetorte auf Oberbürgermeister Jacek Jaśkowiak geworfen hatten. Die Tat wird als Rowdytum eingestuft und kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.
Der Vorfall
Am Dienstag, dem 16. Juni, drang während einer Sitzung des Posener Stadtrats, bei der Oberbürgermeister Jacek Jaśkowiak ein Vertrauensvotum erhalten sollte, eine Gruppe von Protestierenden in den Sitzungssaal ein. Ein Mann, später identifiziert als der 40-jährige Kamil S., warf dem Oberbürgermeister eine Sahnetorte direkt ins Gesicht.
Das ist ein Misstrauensvotum der Posener Bürger gegenüber Präsident Jaśkowiak. Das hast du heute verdient.
Die Sitzung wurde kurz unterbrochen, die beiden Männer wurden von den Stadtwächtern überwältigt.
Rechtliche Konsequenzen
Am Mittwoch gab Polizeisprecher Andrzej Borowiak bekannt, dass beide Festgenommenen angeklagt worden seien. Der 40-Jährige muss sich wegen Beleidigung eines Amtsträgers und Verletzung der körperlichen Unversehrtheit verantworten, der 22-jährige Patryk Sz. wurde wegen Beihilfe angeklagt. Die Tat wurde als Rowdytum eingestuft, was die Mindeststrafe um die Hälfte erhöht.
Einer von ihnen wurde wegen tätlichen Angriffs und Verletzung der körperlichen Unversehrtheit eines Amtsträgers sowie Beleidigung des Oberbürgermeisters von Posen angeklagt. Der zweite Mann ist wegen Beihilfe zu dieser Straftat angeklagt.
Die Staatsanwaltschaft beantragte ein Annäherungsverbot zum Rathaus und zu Amtsträgern sowie polizeiliche Aufsicht. Den Männern drohen bis zu drei Jahre Haft, sie sollen aber nach den Verfahrensformalitäten auf freien Fuß gesetzt werden.
Motive und anarchistische Gruppe
Die Angreifer sind Mitglieder der Posener Sektion der Anarchistischen Föderation. In einer Erklärung erklärte die Gruppe, der Tortenwurf sei eine Reaktion auf „die Brutalität von Präsident Jaśkowiak gegenüber den ärmsten Einwohnern“ gewesen. Sie charakterisierten die Tat als „Humor statt Gewalt“ und eine Form des zivilen Ungehorsams.
Wir verwenden Humor statt Gewalt. Die heutige Aktion war ein Akt des zivilen Ungehorsams. Ihr Ziel war es, auf Probleme aufmerksam zu machen, die von den Stadtbehörden seit Jahren ignoriert werden.
Der Protest richtete sich insbesondere gegen den Verkauf von Gemeindewohnungen auf der Osiedle Maltańskie an einen privaten Entwickler und gegen die allgemeine Wohnungspolitik.
Reaktionen
Oberbürgermeister Jaśkowiak bezeichnete die Angreifer als „Gesindel“ und die Tat als „Überschreitung aller Grenzen“. Er erklärte, er habe bereits früher Drohungen erhalten und sei nicht überrascht. Der Warschauer Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski verurteilte die körperliche Aggression scharf und erklärte, politische Kritik dürfe niemals mit Gewalt einhergehen. Der Verband der Polnischen Städte gab eine Erklärung ab, in der er alle Gewalttaten gegen lokale Amtsträger verurteilte. Trotz der Störung sprach der Rat Jaśkowiak später das Vertrauen aus.
Nachspiel
Der Anzug des Oberbürgermeisters wurde in einer Reinigung in Posen gesäubert; die Entfernung der Sahneflecken gelang, die Kosten beliefen sich auf 60–80 Złoty. Die Polizei versicherte, bei Bedarf eingreifen zu können.


