
Portugal unter den fünf Ländern mit der meisten Gewalt gegen Senioren; Hilfsorganisation unterstützte 8.540 Opfer in fünf Jahren
Zum Welttag gegen Misshandlung älterer Menschen zeigen neue Daten, dass Portugal eine der höchsten Raten an Gewalt gegen Senioren aufweist. Der Opferhilfeverein APAV bearbeitet täglich fünf Fälle.
Ausmaß des Problems
Portugal gehört laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den fünf Ländern mit dem höchsten Ausmaß an Gewalt gegen ältere Menschen. Auf dieses Ranking wies der nationale Gesundheitsdienst (SNS) in einem Social-Media-Beitrag zum 15. Juni 2026 hin. Der SNS bezeichnete die Misshandlung älterer Menschen als ein schwerwiegendes Problem der öffentlichen Gesundheit und brachte sie mit Depressionen, kognitivem und körperlichem Verfall, vermeidbaren Krankenhausaufenthalten, vorzeitigen Heimeinweisungen und vorzeitiger Sterblichkeit in Verbindung. Die Folgen, so der SNS weiter, erstrecken sich auf körperliche, psychische, finanzielle, soziale und wirtschaftliche Schäden.
Die Misshandlung älterer Menschen ist ein schwerwiegendes Problem der öffentlichen Gesundheit, das gravierende Folgen nach sich ziehen kann.
Fünf Jahre APAV-Daten
Die Portugiesische Vereinigung für Opferhilfe (APAV) veröffentlichte am selben Tag eine Fünfjahresstatistik, aus der hervorgeht, dass sie 8.540 ältere Opfer von Kriminalität und Gewalt unterstützt hat – durchschnittlich fünf pro Tag. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten und anderen Formen von Gewalt erreichte 15.804, während die Zahl der betreuten älteren Menschen zwischen 2021 und 2025 um 26,5 % stieg.
- Häusliche Gewalt
- 78.9 %
- Drohung/Nötigung
- 3.7 %
- Körperverletzung
- 3.7 %
- Verleumdung/Beleidigung
- 3 %
- Betrug
- 2 %
Häusliche Gewalt machte 78,9 % der Fälle aus (12.465 Straftaten). Zu den weiteren gemeldeten Straftaten gehörten Drohungen oder Nötigung (3,7 %), Körperverletzung (3,7 %), Verleumdung oder Beleidigung (3 %) sowie Betrug (2 %).
Wer leidet und wer übt Gewalt aus
Drei von vier Opfern waren weiblich (76,3 %), und fast die Hälfte (49,4 %) war zwischen 65 und 74 Jahre alt. Die überwältigende Mehrheit (92,7 %) waren portugiesische Staatsbürger. Mehr als die Hälfte der Täter (55,9 %) war männlich, wobei die größte Altersgruppe die der 25- bis 64-Jährigen war (29,8 %). Die Gewalt ereignete sich meist innerhalb der Familie, wobei erwachsene Kinder die größte Gruppe der Aggressoren bildeten (32,3 %), gefolgt von Ehepartnern (21,5 %).
- Sohn oder Tochter
- 32.3 %
- Ehepartner
- 21.5 %
- Sonstige
- 46.2 %
Verborgenes Leid und Schweigen
Der Bericht legt offen, wie lange Missbrauch verborgen bleibt. Mehr als die Hälfte der Opfer (53,6 %) befand sich in einer Situation anhaltender Viktimisierung, und fast ein Viertel (23,4 %) ertrug die Gewalt zwei bis sechs Jahre lang, bevor Hilfe gesucht wurde. Trotz der Schwere der Vorfälle erstatteten 46,6 % nie Anzeige oder meldeten ihre Situation den Behörden.
Diese Statistiken unterstreichen die Notwendigkeit, weiterhin in Prävention, Früherkennung und spezialisierte Unterstützung für ältere Opfer von Kriminalität und Gewalt zu investieren sowie das Bewusstsein der Gesellschaft für eine Realität zu schärfen, die häufig unsichtbar bleibt.
Wie man Hilfe bekommt
Der SNS rief die Öffentlichkeit dazu auf, wachsam zu bleiben, Anzeichen zu erkennen, Fälle zu melden und Unterstützung durch das nationale Netzwerk der Teams zur Prävention von Gewalt gegen Erwachsene (EPVA) in der Primär- und Krankenhausversorgung zu suchen. Meldungen können auch bei der Polizei (PSP oder GNR) oder der Staatsanwaltschaft erstattet werden. Die 1990 gegründete APAV bietet kostenlose und vertrauliche rechtliche, psychologische und soziale Unterstützung über ihre Büros und die Opfer-Hotline (116 006) an.


