
Krankenstand in Deutschland sinkt leicht im ersten Halbjahr 2026, psychische Erkrankungen werden zur Hauptursache, DAK-Daten zeigen
Die durchschnittlichen Krankheitstage pro Beschäftigtem sanken auf 9,6 von 9,9 im Vorjahr, aber die Regierung drängt auf strengere Regeln für Krankschreibungen, was Proteste von Ärzten auslöst.
Leichter Rückgang des Krankenstands
Im ersten Halbjahr 2026 waren deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich 9,6 Tage krankgeschrieben, ein Rückgang von 9,9 Tagen im gleichen Zeitraum des Vorjahres, so eine Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Die Krankenquote sank von 5,4 % auf 5,3 %, was bedeutet, dass an einem bestimmten Tag 53 von 1.000 Arbeitnehmern krankgeschrieben waren. Die vom IGES-Institut auf Basis von 2,2 Millionen Versicherten erstellten Daten wurden am 20. Juli veröffentlicht.
Der leichte Rückgang der Krankenquote ist erfreulich.
DAK-Chef Andreas Storm warnte, dass die Zahlen mit realen Krankheitswellen schnell schwanken können und dass die größte Herausforderung weiterhin Langzeiterkrankungen mit vielen Ausfalltagen seien. Er begrüßte die Präventionsoffensive der Regierung und die geplante Einführung einer stufenweisen Wiedereingliederung als geeignete Instrumente, um die Krankenquote nachhaltig zu senken.
Psychische Erkrankungen überholen Atemwegserkrankungen als Hauptursache
Erstmals wurden psychische Erkrankungen wie Depressionen zur Hauptursache für Krankschreibungen, mit 184 Ausfalltagen pro 100 Versicherte, ein Anstieg um 9 %. Atemwegserkrankungen, die Anfang 2025 aufgrund einer schweren Grippewelle im Januar und Februar an der Spitze standen, fielen um 21 % auf 175 Tage pro 100 Versicherte. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen rangierten mit 174 Tagen an dritter Stelle.
- Psychische Erkrankungen
- 184 Tage pro 100 Versicherte
- Atemwegserkrankungen
- 175 Tage pro 100 Versicherte
- Muskel-Skelett-Erkrankungen
- 174 Tage pro 100 Versicherte
Altersunterschied: Jüngere Arbeiter weniger krank, Über-60-Jährige mehr
Der Rückgang des Krankenstands konzentrierte sich auf Arbeitnehmer unter 55 Jahren, mit den stärksten Rückgängen bei den Jüngsten: Die Krankenquote bei den 15- bis 19-Jährigen und 20- bis 24-Jährigen sank jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Im Gegensatz dazu verzeichneten Arbeitnehmer über 60 einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte, der nicht auf häufigere, sondern auf längere Krankheitsdauern zurückzuführen ist.
Regierung drängt auf strengere Krankschreibungsregeln
Die Daten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die schwarz-rote Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich darauf vorbereitet, die Krankschreibungsregeln zu verschärfen. Die geplanten Reformen würden ein ärztliches Attest ab dem ersten Krankheitstag vorschreiben, anstatt der aktuellen Regel, die es erst ab dem vierten Tag verlangt (obwohl Arbeitgeber bereits früher einen Nachweis verlangen können). Telefonische Krankschreibungen, die während der Pandemie eingeführt wurden, sollen abgeschafft werden. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zudem eine Präventionsoffensive zur betrieblichen Gesundheit gestartet.
Es geht nicht darum, am ersten Tag in die Praxis gehen zu müssen, aber ein Attest ab dem ersten Tag sollte die Regel werden.
Unternehmen dürften intern andere Regeln vereinbaren, aber die Kernanforderung eines Attests ab Tag eins bleibt zentral für die Reform.
Ärzteverbände protestieren
Die Vorschläge haben scharfe Kritik von Ärzten hervorgerufen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezeichnete es als grenzwertig, tausende Menschen in bereits überfüllte Praxen zu schicken, nur um Formulare auszufüllen.
Wer hustet oder eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett, nicht in eine überfüllte Praxis.
Die Regierung hat noch keinen Zeitplan für die Gesetzgebung festgelegt, aber die Debatte dürfte sich verschärfen, wenn der Bundestag aus der Sommerpause zurückkehrt.


