
Eltern nach Diphtherie-Tod in Palermo unter Verdacht – Beschwerde gegen drei Krankenhäuser eingereicht
Die Eltern der vierjährigen Anna Rosa Bartolotta haben Strafanzeige gegen drei Krankenhäuser in Palermo erstattet, in denen ihre Tochter behandelt wurde. Sie werfen den Kliniken Kunstfehler vor, während sie selbst wegen fahrlässiger Tötung unter Verdacht stehen.
Rechtliche Schritte nach tödlicher Infektion
Die Eltern der vierjährigen Anna Rosa Bartolotta, die in Palermo an Diphtherie starb, haben Strafanzeige gegen drei örtliche Krankenhäuser erstattet, die ihre Tochter zwischen dem 13. und 19. August behandelt hatten. Die rechtliche Maßnahme, eingereicht durch den Anwalt Luigi Marrandino von der Anwaltskammer Napoli Nord, richtet sich gegen das Cervello-, das Civico- und das Ospedale dei Bambini. Beide Eltern, Emanuele Bartolotta und Manuela Maggio, stehen selbst im Visier der Staatsanwaltschaft Palermo wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen. Die Ermittler leiteten das Verfahren ein, nachdem das Paar sein Kind nicht hatte impfen lassen – Berichten zufolge führten sie die Autismus-Erkrankung eines anderen Verwandten auf eine Impfung zurück. Die Familie bestellte den Rechtsmediziner und Präventionsspezialisten Maurizio Municinò als ihren Parteigutachter für das bevorstehende Verfahren.
Krankenhausbesuche und medizinische Streitigkeiten
Anna Rosa stellte sich am 13. August erstmals in der Notaufnahme vor – mit Symptomen wie Fieber, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Das medizinische Personal entließ sie jedoch mit der Diagnose einer mutmaßlichen Mandelentzündung. Ihr Zustand verschlechterte sich innerhalb der folgenden 48 Stunden rapide, sodass sie am 15. August in kritischem Zustand notfallmäßig ins Cervello-Krankenhaus eingeliefert wurde. Anschließend verlegte man sie auf die Intensivstation des Ospedale dei Bambini, wo die Ärzte sie intubierten. Die Eltern argumentieren in ihrer Beschwerde, dass invasive chirurgische Eingriffe den Gesundheitszustand des Kindes verschlechtert und zu ihrem Tod in der Nacht zum 20. August beigetragen hätten. Das Istituto Superiore di Sanità bestätigte am 24. August, dass klinische Proben, die vom Arnas Civico entnommen worden waren, positiv auf Corynebacterium diphtheriae und das respiratorische Toxin-Gen getestet wurden.
- Anna Rosa stellt sich mit Fieber und Erbrechen vor, erhält eine Erstdiagnose auf Mandelentzündung und wird entlassen.
- Das Kind wird in ernstem Zustand ins Cervello-Krankenhaus eingeliefert und auf die Intensivstation verlegt.
- Die Gesundheitsbehörden von Palermo leiten epidemiologische Nachverfolgung und vorbeugende Prophylaxe ein.
- Anna Rosa stirbt im Ospedale dei Bambini, nachdem sie auf der Intensivstation intubiert wurde.
- Das Istituto Superiore di Sanità bestätigt, dass Proben positiv auf das Diphtherie-Toxin-Gen getestet wurden.
- Die Eltern reichen eine formelle Strafanzeige gegen drei Krankenhäuser in Palermo ein, die das Mädchen behandelt hatten.
Autopsie und Gerichtsverfahren
Die Beschwerde ging der formellen Anordnung der Obduktion des Kindes voraus, die für den 26. August am Institut für Rechtsmedizin des Policlinico di Palermo angesetzt ist. Oberstaatsanwalt Maurizio de Lucia und die stellvertretende Staatsanwältin Laura Vaccaro müssen entscheiden, ob sie die behandelnden Ärzte als Verwaltungssicherung vor der Obduktion formell unter Ermittlung stellen. Der Gerichtsmediziner Giuseppe Albano wurde mit der Durchführung der Leichenschau an der Vierjährigen beauftragt. Die Einbeziehung des behandelnden medizinischen Personals in den Kreis der formellen Verdächtigen ermöglicht es ihnen, an der Untersuchung teilzunehmen – einem nach italienischem Verfahrensrecht unwiederholbaren Beweismittel. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die Beschlagnahmung aller Krankenakten der drei Einrichtungen angeordnet, um zu prüfen, ob während der Behandlung des Mädchens klinische Fehler unterlaufen sind.
Gesundheitsreaktion in Sizilien
Die Gesundheitsbehörden in Palermo leiteten am 17. August Kontaktverfolgung, Impfchecks und prophylaktische Behandlungen ein, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Die hospitalisierte Cousine von Anna Rosa bleibt unter Beobachtung in stabilem Zustand. Nach dem Tod des Kindes verzeichneten Impfzentren in ganz Sizilien, insbesondere im Stadtteil Pallavicino in Palermo, einen Anstieg von Familien, die Impfungen suchten. Der regionale Gesundheitsrat Marcello Caruso äußerte sich zur öffentlichen Reaktion und zu den laufenden Screening-Maßnahmen in der Region.
Wir stehen vor einem bestätigten Fall, aber die zuständigen Stellen haben noch nicht von einem epidemiologischen Notfall gesprochen. Wir warten auf die Daten, die durch das Screening der Gesundheitsbehörde von Palermo erhoben werden, um das genaue Ausmaß der Ansteckung zu verstehen. Bislang sehen wir keine Situation, die bedeutend genug wäre, um von einem Notfall zu sprechen. Es sind Daten, die mit größter Vorsicht zu betrachten sind.


