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Lokal·vor 2 Std.

Deutsche Kommunen verzeichnen Rekorddefizit von 32 Milliarden Euro, Schulden nähern sich 200 Milliarden Euro

Die Städte und Landkreise in Deutschland fuhren 2025 ein Defizit von fast 32 Milliarden Euro ein, das größte jemals verzeichnete, da die Sozial- und Personalausgaben explodierten und eine schwache Wirtschaft die Steuereinnahmen schmälerte.

Nationales Rekorddefizit

Die deutschen Kommunen wiesen 2025 ein gemeinsames Defizit von 31,9 Milliarden Euro aus, den höchsten Fehlbetrag seit Beginn der Aufzeichnungen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Kommunalfinanzbericht der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Die Gesamtverschuldung von Städten, Landkreisen und Gemeinden stieg auf knapp 200 Milliarden Euro – ebenfalls ein Rekord. Bereits im April hatte das Statistische Bundesamt auf das Rekorddefizit hingewiesen.

Die Autoren sehen die Ausgaben als Haupttreiber, vor allem steigende Personal- und Sozialkosten, gepaart mit einer schwächelnden Wirtschaft, die die lokalen Steuereinnahmen schmälerte. Die Gewerbesteuereinnahmen, die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen, brachen in exportabhängigen Bundesländern wie Baden-Württemberg stark ein, wo sie gegenüber 2023 um mehr als eine Milliarde Euro zurückgingen.

Nur Thüringen in den schwarzen Zahlen

Thüringen war das einzige Bundesland unter den 16 Ländern, das auf seinen kommunalen Büchern einen Überschuss von schmalen 105 Millionen Euro auswies, ein Rückgang von 277 Millionen Euro im Vorjahr. „Die Haushaltskrise muss als gesamtdeutsches Phänomen verstanden werden“, heißt es in dem Bericht.

Am anderen Ende des Spektrums stieg das Defizit Brandenburgs um 134 % auf 832 Millionen Euro – der größte Sprung aller Flächenländer. Bayern und Baden-Württemberg verzeichneten jeweils Milliardendefizite: rund 5 Milliarden bzw. 4,4 Milliarden Euro. Das Defizit Sachsen-Anhalts war mit vergleichsweise bescheidenen 102 Millionen Euro gering, blieb aber im zweiten Jahr in Folge rot.

Kommunale Defizite nach Bundesländern 2025 (in Mrd. Euro) · Mrd. Euro
Bayern
-5 Mrd. Euro
Baden-Württemberg
-4.4 Mrd. Euro
Brandenburg
-0.832 Mrd. Euro
Sachsen-Anhalt
-0.102 Mrd. Euro
Thüringen
0.105 Mrd. Euro

Kurzfristige Kreditaufnahme nimmt Fahrt auf

Ein besonders akutes Warnsignal ist die Explosion der Kassenkredite (kurzfristige Darlehen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen). Diese Überziehungskredite waren in fiskalisch konservativen Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg nahezu unbekannt. In Bayern überschritten sie erstmals die Milliarden-Euro-Marke; in Baden-Württemberg näherten sie sich zwei Milliarden Euro. Brandenburgs Kassenkredite verdreifachten sich innerhalb eines Jahres von 59 Millionen auf 164 Millionen Euro.

Der Bericht stellt fest, dass der rasche Anstieg dieser Kredite in den Ländern umso schmerzhafter ist, die sie zuvor durch staatliche Rettungspakete und Sparprogramme getilgt hatten. „Diese Erfolge sind innerhalb kürzester Zeit weitgehend aufgezehrt worden.“

Ruf nach grundlegender Reform

Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, forderte Bund, Länder und Kommunen auf, gemeinsam zu handeln, um einen weiteren Substanzverlust bei Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen zu verhindern.

Um einen weiteren Substanzverlust bei Infrastruktur und kommunalen Dienstleistungen zu verhindern, sind gemeinsame Lösungen von Bund, Ländern und Gemeinden notwendig. Wir müssen die Kommunalfinanzen grundlegend reformieren.

Der Bericht warnt davor, dass die Defizite in den kommenden Jahren weiter steigen werden, da der demografische Druck und wirtschaftliche Gegenwind anhalten. Ohne systemische Reformen, so die Studienautoren, werde die Fähigkeit der Kommunen, Schulen, Straßen, Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen zu erhalten, zunehmend untergraben.

Berlin · Gütersloh

6 Quellen

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