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Wahlen·vor 3 Std.

Kolumbien vor polarisierter Stichwahl: De la Espriella mit 7,7-Prozent-Vorsprung

Abelardo de la Espriella geht mit einem Vorsprung von 7,7 Prozentpunkten vor Iván Cepeda in die Präsidentschaftsstichwahl am Sonntag. Vorausgegangen war ein erster Wahlgang mit Rekordbeteiligung und ein erbitterter, von juristischen Auseinandersetzungen geprägter Wahlkampf.

Erster Wahlgang setzt Maßstäbe bei knappen Abständen

Am 31. Mai beteiligten sich mit 57,88 % so viele Wahlberechtigte wie nie zuvor an einem ersten Wahlgang, bei dem kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte. Iván Cepeda, der linke Senator des Bündnisses Pacto Histórico, erhielt 9.703.921 Stimmen (40,99 %), während Abelardo de la Espriella, der rechtsextreme Anführer der Defensores de la Patria, 10.366.143 Stimmen (43,78 %) auf sich vereinte – ein Abstand von 662.222 Stimmen. Kein zentristischer oder traditionell konservativer Kandidat übersprang die 7-Prozent-Hürde. De la Espriella setzte sich im zentralen Andenhochland durch, während Cepeda an beiden Küsten, in den südlichen Departements und in Bogotá gewann. Obwohl die regionale Verteilung früheren Wahlen entsprach, konnte der rechtsextreme Kandidat in mehreren Zonen punkten, die vor vier Jahren noch deutliche Mehrheiten für das linke Lager geliefert hatten.

Präsidentschaftswahl erster Wahlgang (31. Mai 2026) · Stimmen
Abelardo de la Espriella
10366143 Stimmen
Iván Cepeda
9703921 Stimmen

Wahlkampf versinkt im juristischen Kreuzfeuer

Die fünfwöchige Stichwahlphase wurde eher von juristischen Angriffen als von inhaltlichen Debatten dominiert. Cepeda reichte bei der kolumbianischen Staatsanwaltschaft und dem Internationalen Strafgerichtshof Strafanzeige ein und beschuldigte De la Espriella der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit Paramilitarismus vor zwei Jahrzehnten. De la Espriella konterte mit Vorwürfen des Stimmenkaufs im Lager von Cepeda und informierte die US-Behörden über eine angebliche „narko-politische“ Operation des linken Kandidaten. Da sich die Vorwürfe zuspitzten, wurde kein öffentliches TV-Duell vor dem Wahltag angesetzt, sodass die Wähler die Anschuldigungen gegen die gegensätzlichen Sicherheits- und Wirtschaftsvisionen abwägen müssen.

Umfragen deuten auf Rechtsruck hin

Zwei aktuelle Umfragen – AtlasIntel und Guarumo/Ecoanalítica – sehen De la Espriella bei 52,2 % Zustimmung, etwa 7,7 Punkte vor Cepedas 44,5–45 %. Die Zahlen markieren eine scharfe Kehrtwende: Im März führte die traditionelle Konservative Paloma Valencia das Mitte-Rechts-Lager noch mit 22,2 % an, während De la Espriella bei 15,4 % stagnierte. Am Sonntag beendeten beide Kandidaten ihren Wahlkampf. De la Espriella sprach von einer durch kugelsicheres Glas geschützten Bühne in Buga und nannte den Wettbewerb „einen moralischen Kampf, einen spirituellen Krieg“. Cepeda versammelte seine Anhänger in Barranquilla und warnte, dass „Angst und Hass versuchen, sich über die Hoffnung zu erheben“.

Dies ist nicht nur ein politischer Kampf, es ist ein moralischer Kampf, es ist ein spiritueller Krieg.

Angst und Hass versuchen, sich über die Hoffnung zu erheben.

Was wir brauchen, ist Sicherheit, um arbeiten zu können und voranzukommen.

Eine der Regionen, die den Verlauf der Wahl verändern kann, ist die Karibik. Im ersten Wahlgang gewann Cepeda in der Region nur mit knappem Vorsprung vor De la Espriella. Es gibt Departements wie Cesar, in denen es sehr eng zuging, mit einem Unterschied von weniger als 1.000 Stimmen.

Auslandsstimmen rücken in den Fokus

Das Nationale Register meldet, dass 1.414.661 Kolumbianer im Ausland in 253 Wahllokalen in 67 Ländern wahlberechtigt sind. Die Stimmabgabe begann am Montag, den 15. Juni, und dauert bis Sonntag, den 21. Juni, dem Tag, an dem auch in Kolumbien selbst die Wahllokale öffnen. Die Konsulate sind von 8:00 bis 16:00 Uhr Ortszeit geöffnet. Zwischen Montag und Samstag stehen 1.489 Tische zur Verfügung; am Wahltag steigt die Zahl auf 2.181. Nur der kolumbianische Personalausweis – die gelbe oder digitale Cédula – wird akzeptiert; Reisepässe oder andere Dokumente sind nicht gültig. Die Wähler mussten bis zum Stichtag am 30. April bei ihrem Konsulat registriert sein.

Wichtige Termine der kolumbianischen Präsidentschaftsstichwahl 2026
  1. Erster Wahlgang; De la Espriella (43,78 %) führt vor Cepeda (40,99 %)
  2. Beginn der Stimmabgabe im Ausland und Abschlusskundgebungen
  3. Tag der Stichwahl; Ergebnisse nach Schließung der Wahllokale erwartet

Sicherheit und Frieden: Konkurrierende Entwürfe

Die Wahl findet vor dem Hintergrund der schlimmsten Gewaltwelle in Kolumbien seit einem Jahrzehnt statt, mit häufigen Guerilla-Angriffen, Massakern und Erpressungen. Die „Politik des totalen Friedens“ von Präsident Gustavo Petro, deren Hauptarchitekt Cepeda war, hat laut Analysten kaum Fortschritte erzielt, während bewaffnete Gruppen erstarkt sind. De la Espriella verspricht, den Dialog durch Härte zu ersetzen, und gelobt, Kriminelle „durch Vernunft oder durch die Gewalt des Gesetzes“ zu unterwerfen sowie „fest gegen Kriminelle, unerbittlich gegen Korrupte und unnachgiebig gegenüber dem Terror“ zu sein. Cepeda setzt darauf, dass die Wähler das, was er als Politik der Angst bezeichnet, ablehnen und die Hoffnung auf eine ausgehandelte Lösung bewahren.

Bogotá · Barranquilla · Buga

5 Quellen

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