
König Felipe VI. fordert EU zu strategischer Autonomie auf – frühere Skepsis als Ansporn beim Wirtschaftsforum in Barcelona
In einer Rede vor dem Cercle d'Economia in Barcelona forderte Spaniens König Felipe VI. die europäischen Staaten auf, die Integration zu beschleunigen und strategische Autonomie anzustreben. Er erinnerte Skeptiker daran, dass die Union eine Geschichte habe, ferne Hoffnungen in Realität zu verwandeln.
Ein königlicher Ruf nach europäischer Einheit
König Felipe VI. von Spanien nutzte seine Rede auf der 41. Reunió del Cercle d'Economia in Barcelona, um sich für eine vertiefte europäische Integration und das Streben nach strategischer Autonomie einzusetzen. Die Veranstaltung, die im Palau de Congressos de Catalunya stattfand, dauert von Montag bis Mittwoch und diskutiert in diesem Jahr die strategische Unabhängigkeit Europas angesichts des Wettbewerbs mit den USA und China. Der König bezeichnete die Diskussion als „sugerente“ (anregend) und wandte sich direkt an die Zweifler.
A los más escépticos habría que recordarles que una de las constantes en la construcción de una Europa unida ha sido convertir en realidad aquello que parecía una aspiración lejana, incluso una utopía.
Er stellte das europäische Projekt als einen gemeinsamen Raum des Zusammenlebens, der Freiheit und des Wohlstands dar, der auf dem Willen, Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung der Mitgliedstaaten beruhe.
40 Jahre spanische Mitgliedschaft
Der König verband seine pro-europäische Botschaft mit einem innenpolitischen Meilenstein: dem 40. Jahrestag des spanischen Beitritts zu den Europäischen Gemeinschaften. Er bezeichnete den Beitrittsbeschluss als historisch, der das Land tiefgreifend verändert habe, und stellte fest, dass die Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft zu den wenigen dauerhaften politischen Konsensen in der spanischen Gesellschaft zähle. Barcelona, so sagte er, sei eines der großen Tore Spaniens nach Europa in Handel, Denken und Kultur gewesen.
Pertenecer a la Unión Europea ha sido un factor decisivo en la modernización y apertura de España.
Ehrung von Martin Wolf
Anlass war die Verleihung des sechsten Premi Cercle d'Economia a la Construcció Europea an Martin Wolf, stellvertretender Redakteur und Chef-Wirtschaftskommentator der Financial Times. Der König lobte Wolf dafür, dass er eine anspruchsvolle Form des Journalismus verkörpere, die Komplexität erkläre, ohne ihr Wesen zu verfälschen, und bezeichnete solche Arbeit als unverzichtbar für die Qualität der öffentlichen Debatte und die Stärke der Demokratien.
Un periodismo capaz de explicar la complejidad sin desnaturalizar su esencia, al simplificarla, resulta hoy indispensable para la calidad del debate público y la fortaleza de nuestras democracias.
Die Präsidentin des Cercle d'Economia, Teresa Garcia-Milà, sagte, der Preis würdige seriösen und fundierten Journalismus in einer Ära der Post-Wahrheit und Desinformation. John Carlin, der Wolf vorstellte, beschrieb ihn als „más que un periodista“ (mehr als ein Journalist).
Wolfs Warnung vor Totalitarismus
Bei der Annahme des Preises warnte Wolf, Sohn jüdischer Flüchtlinge, die vor den Nazis nach London geflohen waren, vor den Risiken eines wiederauflebenden Totalitarismus in Europa und lobte die Werte der Zusammenarbeit und Solidarität. Er erkannte den Erfolg der EU an, mahnte aber vor Selbstzufriedenheit.
Hoy la UE es un gran éxito, está en un momento de crisis y lo que funcionó en el pasado no lo hará necesariamente en un futuro.
Der König erinnerte auch an Wolfs Kommentare während der Brexit-Debatte und der Euro-Krise und stellte fest, dass seine Überlegungen die Bedeutung der Bewahrung des europäischen Projekts in einer Zeit wachsender internationaler Unsicherheit und der Notwendigkeit unterstrichen, die europäische Integration mit robusten Institutionen auszustatten.
Ein Forum mit pro-europäischer Tradition
Der Preis des Cercle d'Economia ging zuvor an Persönlichkeiten, die für das europäische Projekt zentral sind. Zu den früheren Preisträgern gehören Mario Draghi (2021), Ursula von der Leyen (2022), Warschaus Bürgermeister Rafał Trzaskowski (2023), die BioNTech-Mitbegründer Uğur Şahin und Özlem Türeci (2024) sowie das Erasmus-Programm (2025). Der Auftritt des Königs setzt eine Tradition königlicher Teilnahme an einem der entschiedensten pro-europäischen Wirtschaftsforen Spaniens fort.


