
Deutsche Unternehmen, die KI einsetzen, erwarten Lohnkürzungen für Berufseinsteiger – Ifo-Umfrage
Eine Ifo-Umfrage unter über 3.000 deutschen Unternehmen, die bereits KI einsetzen, ergibt, dass fast die Hälfte innerhalb von fünf Jahren mit niedrigeren Löhnen für Berufseinsteiger rechnet – am pessimistischsten sind Dienstleistungs- und Einzelhandelsbranche.
Umfang und Methode der Umfrage
Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München befragte im Juni 2026 mehr als 3.000 deutsche Unternehmen, die bereits künstliche Intelligenz einsetzen. Die am 12. August 2026 veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass deutsche Unternehmen, die KI nutzen, aufgrund des zunehmenden Einsatzes in den nächsten fünf Jahren mit sinkenden Löhnen rechnen – insbesondere für Berufseinsteiger. Ifo-Forscherin Anna Ruffert sagte, dass insgesamt deutlich mehr Unternehmen negative als positive Auswirkungen erwarten.
Berufseinsteiger am stärksten betroffen
Die Umfrage zeigt eine klare Trennung nach Erfahrungsjahren. Etwa die Hälfte der KI-nutzenden Unternehmen prognostiziert sinkende Löhne für Beschäftigte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung. Bei Hochschulabsolventen mit weniger als fünf Jahren Erfahrung erwarten 50,8 % der Unternehmen sinkende Löhne, während 16,3 % mit Steigerungen rechnen. Bei Nicht-Akademikern mit unter fünf Jahren Erfahrung erwarten 48,3 % der Firmen Lohnrückgänge, nur 5,9 % rechnen mit Steigerungen.
Für Beschäftigte mit mindestens fünf Jahren Erfahrung ist der Ausblick besser, aber immer noch überwiegend negativ. Bei Nicht-Akademikern mit fünf oder mehr Jahren Erfahrung erwarten 40,4 % der Firmen Lohnkürzungen, 9,7 % rechnen mit Steigerungen. Bei Hochschulabsolventen mit fünf oder mehr Jahren Erfahrung erwarten 37,5 % der Unternehmen weiterhin Lohnrückgänge, aber 26 % rechnen mit Steigerungen – der höchste Anteil aller Gruppen, die Zuwächse erwarten.
Branchenunterschiede
Das Ifo beobachtete auch branchenspezifische Unterschiede für Beschäftigte ohne Hochschulabschluss. Dienstleistungsunternehmen sind am pessimistischsten: 53,3 % erwarten Lohnkürzungen für unerfahrene Nicht-Akademiker, 44,2 % für erfahrene Nicht-Akademiker. Im Einzelhandel liegen die Werte bei 47,9 % bzw. 41,3 %. Im verarbeitenden Gewerbe erwarten 46,5 % Rückgänge für unerfahrene Nicht-Akademiker und 38,9 % für erfahrene. Bauunternehmen erwarten am seltensten KI-bedingte Lohnrückgänge: 39 % für unerfahrene und 31,3 % für erfahrene Arbeitnehmer.
Breiterer Arbeitsmarktkontext
Die Ergebnisse kommen zu einer Zeit, in der die Debatte über KI-bedingte Umwälzungen in der Wirtschaft intensiver wird. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte fest, dass Berufe, über die viele junge Menschen in den Arbeitsmarkt einsteigen – wie Büro- und Verwaltungstätigkeiten, Vertrieb, Dienstleistungsberufe, Produktion und einige technische Berufe – sich aufgrund von Automatisierung und generativer KI besonders schnell verändern könnten. Die ILO erklärt, dass einige dieser Arbeitsplätze erhalten bleiben, aber neue Anforderungen stellen werden, darunter digitale Kompetenzen, die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu kontrollieren, und das Verständnis dafür, wann menschliches Urteilsvermögen weiterhin erforderlich ist. Gleichzeitig wächst die Nachfrage in wissensintensiven technischen Bereichen wie Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen sowie Informations- und Kommunikationsberufen.
Aus Sicht vieler Unternehmen wird künstliche Intelligenz die Löhne nicht aller Beschäftigten gleichermaßen beeinflussen. Am häufigsten erwarten sie Lohnrückgänge für weniger erfahrene Arbeitnehmer.


