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Lehrergewerkschaft in Baden-Württemberg warnt vor pauschalen KI-Verboten und fordert Prüfungsreform

Angesichts zunehmender KI-gestützter Täuschungsversuche an deutschen Schulen sind die Lehrergewerkschaften gespalten: Der VBE in Baden-Württemberg warnt vor pauschalen Geräteverboten und fordert ein Umdenken bei den Prüfungsmethoden, während der BLLV in Bayern technische Blockaden zur Wahrung der Chancengleichheit fordert.

Zunehmendes KI-Schummeln in deutschen Klassenzimmern

Lehrer in ganz Deutschland berichten von einem Anstieg KI-gestützter Täuschungsversuche bei Prüfungen unter Verwendung von Geräten wie Smartphones, Smartwatches, Datenbrillen, KI-Anstecknadeln und Scan-Stiften. Die Beschwerden werden lauter, insbesondere in Baden-Württemberg, wo sich der Landesverband des VBE in die Debatte eingeschaltet hat. Die Technologie ermöglicht es Schülern, während Tests verdeckt auf Informationen zuzugreifen, was traditionelle Bewertungsmethoden untergräbt. In einem offenen Brief bezeichnete der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Praxis als Gefährdung der Chancengleichheit.

VBE warnt vor pauschalen Verboten

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg hat davor gewarnt, dass technische Blockaden wie Signalstörer oder Geräteverbote zu kurzsichtig seien. Landesvorsitzender Gerhard Brand argumentierte, die Kernfrage sei nicht, wie man KI aus dem Klassenzimmer ausschließe, sondern wie Schulen mit einer Technologie umgehen könnten, die in Gesellschaft und Arbeitswelt allgegenwärtig sein werde. Er betonte, ein pauschales Verbot würde die Schüler nicht auf eine Zukunft vorbereiten, in der KI zum Alltag gehöre. Stattdessen plädiert die Gewerkschaft für ein grundlegendes Überdenken der Prüfungsformate.

Die Frage ist nicht, wie künstliche Intelligenz aus dem Klassenzimmer verbannt werden kann. Vielmehr muss geklärt werden, wie Schulen mit einer solchen prägenden Technologie umgehen können, unter anderem bei Prüfungen.

Bayerische Gewerkschaft fordert technische Blockaden

Im Gegensatz dazu hat der BLLV in Bayern das staatliche Bildungsministerium aufgefordert, einfache technische Maßnahmen zur Blockierung des Datenverkehrs während Prüfungen umzusetzen. Die Präsidentin Simone Fleischmann schrieb, dass KI-basiertes Schummeln die Fairness ernsthaft bedrohe und schnelles Handeln erforderlich sei. Der BLLV wies darauf hin, dass Schüler bereits Geräte wie Datenbrillen und KI-Anstecknadeln nutzten, die diskret nach Antworten suchen könnten. Fleischmann forderte sofortige Schritte zur Sicherung der Integrität von Leistungsnachweisen, insbesondere bei Abschlussprüfungen.

KI-gestütztes Schummeln untergräbt die Chancengleichheit.

Prüfungen für das KI-Zeitalter neu denken

Der VBE schlägt vor, auf mündliche Prüfungen, projektorientierte Aufgaben und andere Formate umzusteigen, die auch in einer KI-gesteuerten Welt die individuelle Leistung zuverlässig erfassen können. Brand erklärte gegenüber der dpa, dass solche Ansätze helfen könnten, das tatsächliche Verständnis der Schüler zu bewerten, anstatt nur Faktenwissen abzufragen. Die Gewerkschaft erkennt die Risiken der rasanten technologischen Entwicklung an, besteht aber darauf, dass sich die Bildung parallel dazu weiterentwickeln muss. Die Debatte verdeutlicht ein wachsendes Spannungsfeld zwischen der Verhinderung von Missbrauch und der Nutzung von KI als Lernwerkzeug. Beide Seiten sind sich einig, dass Schulen die Schüler auf eine KI-geprägte Zukunft vorbereiten müssen, unterscheiden sich jedoch stark in der Frage des besten Weges dorthin.

Stuttgart

2 Quellen

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