Dürre lässt deutsche Wälder ohne Pilze zurück, aber Herbstregen könnte für späte Schwemme sorgen
Anhaltende Trockenheit und Hitze haben Sommersteinpilze und andere Pilze bundesweit aus den Wäldern verschwinden lassen. Nur im Erzgebirge in Sachsen gibt es noch Funde, so Pilzexperte Steffen Schmidt.
Ein karger Sommer für Pilzsammler
In ganz Deutschland ist der Waldboden ungewöhnlich leer. Sommersteinpilze, Rotkappen und Wiesenchampignons wären normalerweise ab Juli Saison, aber anhaltende Dürre und hohe Temperaturen haben die Pilzkörbe leer gelassen. Die drei Arten gehören zu den begehrtesten bei deutschen Sammlern, so dass ihr Fehlen besonders schmerzlich ist. Die Trockenheit ist fast überall ein Problem, nur das Erzgebirge in Sachsen dient als kleine Enklave, wo noch Pilze zu finden sind, so Steffen Schmidt, Pilzexperte und Betreiber einer Pilzschule im Vogtland. Für die überwältigende Mehrheit der Hobbysammler war der Sommer 2026 bisher ein Totalausfall.
Experte: 'Anmaßend zu sagen, es gibt Pilze'
Schmidt sparte nicht mit deutlichen Worten über die aktuellen Aussichten.
Zu sagen 'es gibt Pilze' wäre anmaßend.
Er erklärte, dass die Hitze ebenso schädlich sei wie der fehlende Regen.
Wenn ein Pilz aus dem Boden drückt, ist er am nächsten Tag schon vertrocknet.
Auch das Niederschlagsmuster habe sich verändert, so Schmidt. Statt flächendeckender, gleichmäßiger Regenfälle wie früher käme der Niederschlag nun in kleinen, begrenzten Schüben.
Früher hatten wir flächendeckenden Regen, jetzt sind es alles kleine begrenzte Regengebiete.
Das bedeute, dass ein Pilzsammler an einer Stelle fündig werden könne, während nur wenige Kilometer entfernt nichts zu holen sei. Die Einschätzung des Experten spiegelt wider, wie fragil das Pilzökosystem unter dem aktuellen Wetterregime geworden ist.
Ein Hoffnungsschimmer für den Herbst
Die Saison ist noch nicht vorbei. Schmidt betonte, dass geeignetes Wetter im August, September und Oktober noch für drei Monate volle Körbe bringen könne. Der Schlüssel sei eine bestimmte Regenmenge.
Man braucht 50 Liter Regen pro Quadratmeter, damit sich im Waldboden etwas tut. Vierzehn Tage nach einem solchen Regen beginnt es.
Schmidts Faustregel wird unter Pilzliebhabern viel zitiert. Wenn diese Bedingungen eintreten, könnten Pilzfreunde das Jahr noch retten. Der Optimismus des Experten wird jedoch durch die Realität gedämpft, dass solche flächendeckenden, durchnässenden Regenfälle in den letzten Jahren seltener geworden sind, was den Herbstausgang ungewiss macht.
Ratschläge für Sammler
Die Lebensmittelüberwachungsbehörde des Landkreises Mittelsachsen hat allen Waldgängern Erinnerungen mitgegeben. Die wichtigste Regel: Nur Exemplare sammeln, die man mit Sicherheit identifizieren kann. Pilze sollten stets in einem luftigen Korb getragen werden, niemals in Plastiktüten. Zwar können Bestimmungsbücher und Apps bei der Identifikation helfen, aber die größte Sicherheit bietet die Konsultation eines erfahrenen Pilzberaters. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie unterhält eine Online-Kontaktliste mit Experten im ganzen Land und bietet eine kostenlose Ressource für unsichere Sammler. Die Liste der Gesellschaft umfasst zertifizierte Experten, die Funde persönlich oder per Foto überprüfen können. Angesichts der aktuellen Knappheit kommt die Warnung der Behörde zur rechten Zeit: Verzweifelte Sammler könnten versucht sein, Risiken mit unbekannten Pilzen einzugehen.

