
Präsident Nawrocki trifft Schachlegende und Kremlkritiker Kasparow – Gespräch über russische Bedrohung für Polen und Baltikum
Garri Kasparow, der russische Ex-Schachweltmeister und prominente Kremlkritiker, traf am Mittwoch Präsident Karol Nawrocki im Warschauer Präsidentenpalast, um über die Bedrohung aus Moskau und Polens entscheidende Rolle bei der Stärkung der europäischen Sicherheit zu sprechen.
Treffen im Präsidentenpalast
Präsident Karol Nawrocki empfing Garri Kasparow am 29. Juli 2026 im Präsidentenpalast. Das polnische Staatsoberhaupt und der russische Pro-Demokratie-Aktivist sprachen über die wachsende Gefahr aus dem Kreml und die Folgen des groß angelegten russischen Einmarschs in die Ukraine. Das Treffen fand statt, während Premierminister Donald Tusk den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfing, wie polnische Medien berichten.
Kasparow, ein ehemaliger Schachweltmeister, ist eine der bekanntesten Figuren der russischen Opposition. Die Kanzlei des Präsidenten beschrieb ihn als jemanden, der „sich seit Jahren konsequent gegen das Regime Wladimir Putins stellt, weshalb er gezwungen war, Russland zu verlassen.“
Kasparows Warnungen
Seit mehr als einem Jahrzehnt warnt Kasparow westliche Führer vor den imperialen Ambitionen des Kremls. Die Kanzlei stellte fest, dass er „wiederholt auf die Gefahr einer russischen Aggression gegen Polen und die baltischen Staaten hingewiesen hat.“ Nach dem Beginn des groß angelegten Einmarschs in die Ukraine verwies er mehrfach auf Polen als Stabilitätsanker und Schlüssel zur Sicherheit in Mittel- und Osteuropa.
Nach dem Treffen veröffentlichte Kasparow seinen eigenen Bericht in den sozialen Medien.
Es ist eine Ehre und Freude, heute in Warschau mit dem Präsidenten Polens, Karol Nawrocki, zusammenzutreffen. Wir sind nicht in allem einer Meinung, aber wir sehen einen gemeinsamen Feind! Demokratie ist immer von Reibungen begleitet, doch mit Erfahrung von der anderen Seite werden Polen und Polen immer Freunde der Freiheit sein.
Wer ist Garri Kasparow
Geboren 1963 in Baku als Garik Kimowitsch Weinstein, trug Kasparow von 1985 bis 1993 den Schachweltmeistertitel und ist oft für sein Match gegen den Computer Deep Blue in Erinnerung. Am 10. Februar 1996 verlor er eine einzelne Partie gegen die Maschine, die erste reguläre Niederlage eines amtierenden Weltmeisters gegen einen Computer in einer klassischen Turnierpartie; dennoch gewann er das Sechs-Partien-Match.
Nach seinem Rücktritt vom professionellen Schach im Jahr 2005 wurde Kasparow zu einer führenden Stimme der demokratischen Opposition. Er versuchte 2008 für die russische Präsidentschaft zu kandidieren, zog sich jedoch Monate vor der Wahl zurück. Im Laufe der Jahre gründete er die Bewegung „Das andere Russland“ mit und organisierte Anti-Kreml-Proteste.
Zunehmende Repression
Die russischen Behörden betrachten Kasparow als Bedrohung. Im März 2024 wurde er auf die offizielle Liste der „Terroristen und Extremisten“ gesetzt, und einen Monat später erließ ein russisches Gericht Berichten zufolge einen Haftbefehl gegen ihn. Zuvor war er als „ausländischer Agent“ gebrandmarkt worden. Der Schritt folgte auf Jahre zunehmenden Drucks auf exilierte Regimekritiker.
Das Treffen in Warschau unterstrich die wachsende Rolle Polens als Ziel für russische Dissidenten und als Plattform für Diskussionen über die Sicherheitsarchitektur Osteuropas. Kasparows Besuch diente nach Angaben der polnischen Präsidentschaft dazu, die Botschaft zu verstärken, dass Polen für die Verteidigung der Ostflanke des Kontinents unverzichtbar bleibt.


