
Kanada wählt Deutschlands TKMS für Rekord-U-Boot-Deal vor NATO-Gipfel
Der milliardenschwere Vertrag über U-Boote der Klasse 212 CD vertieft die Verteidigungsbeziehungen zwischen Kanada, Deutschland und Norwegen und stellt die größte militärische Beschaffung Kanadas aller Zeiten dar.
Die Ankündigung
Der kanadische Premierminister Mark Carney gab am 6. Juli in Halifax bekannt, dass das deutsche Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) den Zuschlag für den Bau von bis zu 12 konventionellen U-Booten für die Royal Canadian Navy erhalten habe. Die Entscheidung fiel wenige Stunden vor Carneys Abreise zu einem NATO-Gipfeltreffen in Ankara und beendet einen monatelangen Wettbewerb gegen das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean.
Mit dieser Nachricht senden wir ein starkes Signal für die transatlantische und europäische Zusammenarbeit zu Beginn des Gipfels.
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Vertrag als einen der größten Verteidigungsaufträge in der Geschichte der Bundesrepublik. Finanzminister Lars Klingbeil beschrieb ihn als Bestätigung deutscher Ingenieurskunst und Fertigung.
Die strategische Logik des Deals
Die derzeitige U-Boot-Flotte Kanadas, vier in den 1990er Jahren aus Großbritannien gebraucht erworbene Boote der Victoria-Klasse, befindet sich in einem schlechten Zustand. Nur ein Boot ist einsatzbereit, und die Klasse soll Mitte der 2030er Jahre ausgemustert werden. Die neuen U-Boote der Klasse 212 CD, ein gemeinsames Design, das bereits von Deutschland und Norwegen bestellt wurde, werden sie ersetzen.
Dies ist ein Signal für diesen Standort insgesamt, für Made in Germany: dass wir uns in einem harten internationalen Wettbewerb dieser Größenordnung durchgesetzt haben, spricht für unsere Ingenieurskunst, für unsere Fertigungskompetenz, für das Know-how und für das, was an den Standorten hier geleistet werden kann.
Der Deal spiegelt auch Ottawas Bemühungen wider, die militärische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. Laut Carney fließen derzeit rund 70 Prozent des kanadischen Verteidigungshaushalts an US-Unternehmen. Der TKMS-Vertrag bindet Kanada dagegen in eine europäische Industriebasis und ein Joint Venture mit Norwegen ein.
Eine trilaterale U-Boot-Flotte
Deutschland, Norwegen und Kanada werden dieselbe U-Boot-Plattform betreiben und sich Ausbildung, Logistik, Software, Sensoren, Reparaturen und die Beschaffung von Ersatzteilen teilen. Das deutsche Verteidigungsministerium hat die Vereinbarung als „Maritime Burden Shifting“ bezeichnet: Die Vereinigten Staaten bleiben der nukleare Garant, während die Verbündeten mehr konventionelle Fähigkeiten übernehmen.
Denn dies ist wirklich eine strategische Initiative, die Kanada, Deutschland und Norwegen für Jahrzehnte als Partner in der nordatlantischen Region zusammenbinden wird.
Die U-Boote werden auf den TKMS-Werften in Kiel und Wismar gebaut. Die erste Auslieferung könnte bereits 2033 erfolgen, mit voller Einsatzbereitschaft wird bis 2035 gerechnet.
- TKMS von Thyssenkrupp abgespalten
- Premierminister Carney gibt TKMS als bevorzugten Bieter für 12 U-Boote in Halifax bekannt
- NATO-Gipfel beginnt in Ankara
- Erste U-Boot-Auslieferung erwartet
- Vollständige Ersetzung der Victoria-Klasse-Flotte
Geopolitische Implikationen
Die Ankündigung war zeitlich so gelegt, um den Ton für den NATO-Gipfel in Ankara anzugeben. Ein hochrangiger deutscher Vertreter sagte, eine positive Entscheidung hätte „eine echte transatlantische Dimension“. Der Deal wird als Signal gesehen, dass das Bündnis große Projekte ohne US-Beteiligung vorantreiben kann, in einem Moment, in dem das Engagement Washingtons unter die Lupe genommen wird.
In einer Zeit, in der sich die Welt neu ordnet, ist es etwas sehr Wichtiges, Kanada und Norwegen an unserer Seite zu haben und diese Allianzen noch weiter zu stärken.
Marktreaktion
TKMS-Aktien stiegen am Tag der Ankündigung um bis zu 11 Prozent, zusätzlich zu einem Anstieg von 30 Prozent in den vorangegangenen Tagen. Der Vertrag dürfte den Auftragsbestand des Unternehmens um mehr als 50 Prozent erhöhen. Kanadische Medienberichte beziffern den Gesamtwert, einschließlich jahrzehntelanger Wartung und Betrieb, auf rund 62 Milliarden Euro. Die Aktien von Hanwha Ocean fielen nach der verlorenen Ausschreibung um rund 24 Prozent.


