
Kanada wählt deutschen Schiffbauer TKMS für 12-U-Boot-Flotte, wie es heißt
ThyssenKrupp Marine Systems ist laut Berichten als bevorzugter Bieter für den Bau der kanadischen U-Boot-Flotte der nächsten Generation ausgewählt worden. Eine offizielle Ankündigung wird noch am Montag vor der Abreise von Premierminister Mark Carney zum NATO-Gipfel in Ankara erwartet.
Die Auswahl
Kanada hat den deutschen Schiffbauer ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) als bevorzugten Bieter für einen Auftrag zum Bau von 12 konventionell angetriebenen U-Booten ausgewählt, wie der Globe and Mail am Montag berichtete. TKMS, eine Partnerschaft zwischen Deutschland und Norwegen, setzte sich im Wettbewerb gegen das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean durch. Premierminister Mark Carney wird die Entscheidung voraussichtlich am Montag bei einem Besuch eines Stützpunkts der kanadischen Streitkräfte in Nova Scotia bekannt geben, bevor er zum NATO-Gipfel in die Türkei reist.
Auftragswert und Umfang
Der reine U-Boot-Bauvertrag wird Branchenschätzungen zufolge auf über 10 Milliarden Euro beziffert. Inklusive jahrzehntelanger Wartung und Betrieb könnte das Gesamtvolumen rund 100 Milliarden Euro erreichen, wie die dpa berichtete. Die TKMS-Aktie stieg nach der Nachricht um bis zu 11 % und erreichte den höchsten Stand seit Mitte März. Beide Bieter hatten versprochen, Arbeitsplätze und Investitionen in Kanada zu schaffen, wobei TKMS ein breiteres Industriepaket anbot, das Seltene Erden, Bergbau, künstliche Intelligenz und Batterieproduktion für den Automobilsektor umfasst.
NATO-Kontext und Ausgabenziele
Die Ankündigung erfolgt, während die NATO-Verbündeten auf eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben drängen. Kanada, das unter Druck der Vereinigten Staaten steht, hat das 2-Prozent-BIP-Ziel des Bündnisses bereits früher als geplant erreicht. Die NATO-Staats- und Regierungschefs haben vereinbart, bis 2035 5 % des BIP für Verteidigungs- und sicherheitsrelevante Investitionen auszugeben. Kanada wird voraussichtlich auf dem Gipfel in Ankara auch rund zehn Gründungsnationen für eine globale Verteidigungsbank bekannt geben.
Strategische Hoffnungen der Bundesregierung
Berlin hatte gehofft, den U-Boot-Deal rechtzeitig für das NATO-Treffen unter Dach und Fach zu bringen, und betrachtet ihn als Grundpfeiler einer langfristigen strategischen Zusammenarbeit.
Wenn es gelingt, dann wird Kanada für Jahrzehnte an uns gebunden sein. Das wäre ein sehr guter Ausgangspunkt für eine strategische Zusammenarbeit.
Ein deutscher Beamter bezeichnete das TKMS-Angebot vor der Entscheidung als „unschlagbar".
Nächste Schritte
Nachdem der bevorzugte Bieter nun feststeht, wird Ottawa in detaillierte Verhandlungen mit TKMS eintreten. Professor Philipp Lagassé von der Carleton University sagte dem Globe and Mail, dass der endgültige Vertragsabschluss Jahre dauern könnte. Hanwha Ocean hatte eine aggressive Kampagne geführt, unter anderem mit der Präsentation seines U-Bootes KSS-III in British Columbia, nachdem die südkoreanische Marine mit dem Schiff die erste transpazifische Überquerung absolviert hatte.

