Kurz gefasst
Carney und Erdogan kündigten am Donnerstag, 22. Oktober 2026, eine strategische Partnerschaft zwischen Kanada und der Türkei an, untermauert von einem Dreijahres-Aktionsplan über vier Säulen.
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sollen vor Ende 2026 beginnen, die erste Runde in Ankara ist für November 2026 geplant.
Erdogan bezifferte den aktuellen bilateralen Handel auf rund 3 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) und nannte Ziele von 5 Milliarden und dann 10 Milliarden Dollar; das Büro Carneys erklärte, der bilaterale Handel sei in fünf Jahren um 50 % gestiegen.
Nahezu 70 % der kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten, und dem Besuch folgt ein eskalierender Handelskrieg mit Präsident Donald Trump, der Zölle auf kanadische Waren verhängte.
- 23.10.Carney trifft in Istanbul türkische Wirtschaftsverbände
- November 2026Erste Runde der Freihandelsgespräche in Ankara
- Vor Ende 2026Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen beginnen
Eine neue Partnerschaft auf einem zweitägigen Besuch
Mark Carney traf am Donnerstag, 22. Oktober 2026, in der Türkei zu einem zweitägigen Besuch ein – es ist die erste bilaterale Reise eines kanadischen Premierministers in die Türkei. Im Juli war er bereits zum NATO-Gipfel in Ankara, doch dies ist sein erster offizieller bilateraler Besuch. In Ankara traf er Präsident Recep Tayyip Erdogan im Präsidentenpalast, und die beiden Staatschefs kündigten an, die Beziehungen auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft zu heben. Die Partnerschaft ruht auf vier Säulen: Handel und Investitionen, Verteidigung und Sicherheit, Energie sowie Beziehungen zwischen den Menschen. Carney sagte an der Seite Erdogans, die beiden Länder hätten die Saat für etwas Neues gelegt.
„Wir haben die Saat für etwas Neues gelegt: eine strategische Partnerschaft, die neue Chancen für unsere Arbeitnehmer und Unternehmen schafft und beiden Völkern mehr Sicherheit und Wohlstand bringt.“
Freihandelsgespräche und Handelsziele
Die beiden Staatschefs vereinbarten, auf ein Freihandelsabkommen zwischen Kanada und der Türkei hinzuarbeiten, und Erdogan sagte, die Verhandlungen würden vor Ende 2026 beginnen. Kanadische und türkische Unterhändler sollen im November 2026 in Ankara die erste Gesprächsrunde führen. Erdogan beschrieb das Handelsziel in Stufen, und das Büro Carneys erklärte, der bilaterale Handel sei in den vergangenen fünf Jahren um 50 % gestiegen. Erdogan sagte zudem, die beiden Länder würden die Zahl der Direktflüge zwischen sich in etwa verdoppeln.
„Wir hoffen, unser Handelsvolumen, das derzeit bei rund 3 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) liegt, auf 5 Milliarden und dann auf 10 Milliarden Dollar zu steigern.“
Verteidigung, Energie und nukleare Zusammenarbeit
Kanada und die Türkei, beide NATO-Mitglieder, vereinbarten, ihre Verteidigungsbeziehungen zu vertiefen, und kündigten eine Partnerschaft in der Rüstungsindustrie an. Botschafter Marcel Lebleu sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, der Besuch ziele darauf ab, „durch eine gemeinsame Erklärung der beiden Staatschefs eine strategische Partnerschaft zu begründen“. Die Gespräche sollten Energie, Kernkraftwerke, nachhaltigen Bergbau und die Rüstungsindustrie umfassen. Die Türkei will ein zweites Kernkraftwerk an der Schwarzmeerküste, zusätzlich zu einem, das Russlands Rusatom an der Mittelmeerküste baut. Kanada hatte 2024 sein Verbot von Waffenexporten in die Türkei aufgehoben – eine Beschränkung, die es wegen türkischer Vorstöße in Syrien und der türkischen Unterstützung Aserbaidschans im Konflikt mit Armenien verhängt hatte.
Handelsdiversifizierung und der Handelskrieg mit den USA
Carneys Vorstoß fällt in einen eskalierenden Handelskrieg mit Präsident Donald Trump, zu dem US-Zölle auf kanadische Waren, kanadische Vergeltungsmaßnahmen und US-Äußerungen gehören, die die kanadische Souveränität infrage stellen. Die DW berichtet, dass nahezu 70 % der kanadischen Exporte in die Vereinigten Staaten gehen und dass Trump den Handelskrieg nach seiner Rückkehr ins Amt 2025 verschärft habe. Carney, ein ehemaliger Notenbankchef, soll am Freitag, 23. Oktober 2026, in Istanbul türkische Wirtschaftsverbände treffen. Diese Gespräche betreffen Energie, Luft- und Raumfahrt, Zukunftstechnologien sowie Bergbau und kritische Rohstoffe. Amnesty forderte Kanada auf, die Menschenrechte auf die Tagesordnung seiner Verhandlungen mit der Türkei zu setzen.
Nächste Schritte
Erdogan sagte, der Gemeinsame Wirtschafts- und Handelsausschuss werde sich 2027 erneut treffen, mit der Türkei als Gastgeber und unter Beteiligung der Privatwirtschaft. Der Dreijahres-Aktionsplan legt konkrete Schritte unter jeder der vier Säulen fest. Die Freihandelsverhandlungen sollen vor Ende 2026 beginnen, die erste Runde in Ankara ist für November 2026 angesetzt.