
Mannheimer Pokalderby durch Fan-Gewalt und Platzsturm unterbrochen – Kaiserslautern gewinnt 1:0
Fan-Gewalt und ein Platzsturm unterbrachen das DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und Kaiserslautern für 30 Minuten, 35 Polizisten wurden verletzt, bevor die Gäste mit 1:0 gewannen.
Eskalation im Carl-Benz-Stadion
Das Erstrunden-Pokalderby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern wurde am Freitagabend für rund eine halbe Stunde unterbrochen, nachdem es am Ende der regulären Spielzeit zu schweren Fanausschreitungen gekommen war. Während des gesamten Abends wurden vor 23.500 Zuschauern im ausverkauften Carl-Benz-Stadion in beiden Fanblöcken Pyrotechnik und Leuchtfackeln gezündet. Die Spannungen eskalierten nach einer Auseinandersetzung zwischen Spielern auf dem Platz in der 90. Minute bei einem Spielstand von 0:0. Als sich die Spieler von Kaiserslautern in der Nähe ihrer Trainerzone versammelten, wurden Bierbecher und Plastikfahnenstangen aus der Haupttribüne geworfen. Die Gästefans im Auswärtsblock reagierten, indem sie Notfall-Signalraketen direkt in den Heimbereich abfeuerten, der auch den Familienblock des Stadions umfasst.
Polizeieinsatz und Platzsturm
Als Reaktion auf die in die Tribünen abgefeuerten Feuerwerkskörper durchbrachen Dutzende maskierte Mannheimer Fans die Absperrungen und stürmten den Platz. Schiedsrichter Robert Schröder schickte beide Mannschaften in die Kabinen, während die Begegnung kurz vor dem endgültigen Abbruch stand. Rund 1.400 Polizisten, darunter Bundespolizei-Einheiten und Verstärkung aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern, rückten auf den Rasen vor. Die Beamten setzten Pferde, Polizeihunde und Pfefferspray ein, um die Platzstürmer zurück zur Heimtribüne zu drängen. Der Mannheimer Polizeieinsatzleiter Michael Reichert verteidigte das taktische Vorgehen nach den körperlichen Auseinandersetzungen.
Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit haben sich ausgezahlt. Unser taktisches Konzept ist voll aufgegangen.
Spielentscheidung und Verletzungsbilanz
Nach einer Verzögerung von 20 bis 30 Minuten nahmen die Offiziellen das Spiel mit Verlängerung wieder auf, während die Feuerwehr ein separates Feuer löschte, das von Gästefans im Auswärtssektor gelegt worden war. Kaiserslautern sicherte sich in der 120. Minute einen 1:0-Sieg, als der eingewechselte Ibrahim Kanate das entscheidende Tor erzielte. Die Mannheimer Polizei meldete, dass 35 Beamte bei den Zusammenstößen verletzt wurden, darunter 33 Bundespolizisten und zwei Landespolizisten aus Baden-Württemberg. Insgesamt 85 Zuschauer mussten vor Ort medizinisch behandelt werden, acht Personen wurden zur weiteren Versorgung in örtliche Krankenhäuser gebracht. Die Behörden nahmen mehrere vorläufige Festnahmen vor und leiteten strafrechtliche Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ein.
- Pyrotechnik und Leuchtraketen wurden vor dem Anpfiff in den Fanblöcken gezündet.
- Spiel endet 0:0 in der regulären Zeit; Rangelei auf dem Platz löst Wurfgeschosse aus.
- In die Haupttribüne abgefeuerte Leuchtraketen lösen Platzsturm aus, berittene Polizei rückt auf das Feld.
- Ibrahim Kanate erzielt in der Verlängerung das Siegtor für Kaiserslautern.
Trainerstreit und institutionelle Reaktion
Die Spannungen setzten sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel fort, wo Waldhof-Trainer Rui Mota sich weigerte, dem Cheftrainer von Kaiserslautern, Torsten Lieberknecht, die Hand zu geben. Mota beschuldigte die gegnerische Bank des provokativen und bedrohlichen Verhaltens während der hitzigen Begegnung.
Man muss sich auch während des Spiels benehmen. Danach braucht niemand zu mir zu kommen und zu sagen: gut gespielt, wir haben gewonnen. Ich habe nicht zwei Gesichter, sondern nur eines. Ich respektiere jeden. Ich pushe mein Team, und die andere Seite tut das auch. Aber jemanden zu bedrohen, das geht nicht.
Waldhof-Sportdirektor Gerhard Zuber kritisierte zudem den Kaiserslautern-Kapitän Marlon Ritter für feindselige Gesten in Richtung der Mannheimer Trainerbank, während der Deutsche Fußball-Bund eine formelle Überprüfung der Vorfälle ankündigte. Schiedsrichter Schröder erklärte gegenüber Sendern, dass sein offizieller Spielbericht detailliert und umfangreich sein werde.
- Medizinisch behandelte Zuschauer
- 85 Personen
- Verletzte Polizisten
- 35 Personen
- Ins Krankenhaus eingelieferte Patienten
- 8 Personen


