
Sechs Tage nach Doppelbeben in Venezuela: Retter bergen Dreijährigen lebend aus Trümmern – Zahl der Toten steigt auf über 1.900
Jordanische Rettungskräfte zogen in La Guaira (Venezuela) einen dreijährigen Jungen lebend aus einem eingestürzten Gebäude – sechs Tage nach zwei schweren Erdbeben westlich von Caracas. Die Zahl der Todesopfer ist auf 1.943 gestiegen, mehr als 10.000 Menschen wurden verletzt, Zehntausende werden noch vermisst.
Ein jordanisches Rettungsteam zog am Dienstag den dreijährigen Klieber Morán lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes im Bundesstaat La Guaira – sechs Tage nachdem zwei verheerende Erdbeben Venezuela erschüttert hatten. Der Zivilschutz leistete vor Ort Erste Hilfe und brachte den Jungen dann in ein Krankenhaus in Caracas, wo sein Zustand als stabil gemeldet wurde.
Es un momento de esperanza.
Die Beben
Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten am 24. Juni nur 39 Sekunden voneinander getrennt das Gebiet westlich der Hauptstadt Caracas. Dutzende Nachbeben folgten. Der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, sagte am Dienstag, dass mehr als 1.900 Leichen geborgen worden seien; die Regierung aktualisierte die Zahl der Todesopfer später auf 1.943. Mehr als 10.500 Menschen wurden verletzt, und die UNO meldet, dass Tausende weiterhin vermisst werden.
- Zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 erschüttern westlich von Caracas im Abstand von 39 Sekunden, gefolgt von Dutzenden Nachbeben.
- Ecuadorianische Feuerwehr rettet fünftage nach den Beben einen 12-jährigen Jungen aus den Trümmern.
- Jordanisches Team rettet den 3-jährigen Klieber Morán in La Guaira nach sechs Tagen.
- Salvadorianische Retter erreichen einen 44-jährigen Mann unter einem Einkaufszentrum in Maiquetía, versorgen ihn mit Wasser; Rettungsaktionen dauern an.
- Ein Hund namens Giselle wird nach fünftägigem Einsatz vom salvadorianischen Team in Caraballeda gerettet.
Die Rettungen
Neben dem Jungen erreichten internationale Teams in den vergangenen zwei Tagen auch andere Überlebende. Am Montag retteten ecuadorianische Feuerwehrleute einen 12-jährigen Jungen. Salvadorianische Retter orteten am Dienstagmorgen einen 44-jährigen Mann unter einem Einkaufszentrum in der Küstenstadt Maiquetía und versorgten ihn über einen Schlauch mit Wasser, während der Einsatz weiterging. Präsident Nayib Bukele von El Salvador berichtete zudem, dass sein Team in Caraballeda nach fünftägigem Einsatz einen Hund namens Giselle befreit habe.
Jorge Rodríguez merkte an, dass die Suchteams zwar 6.400 Menschen gerettet hätten, die tatsächliche Zahl der Überlebenden jedoch bei nahezu 20.000 liegen dürfte, wenn man diejenigen mitzähle, die sich allein oder mit Hilfe von Freunden und Familie in Sicherheit gebracht hätten. „Von einem Moment auf den anderen veränderte sich unser Leben“, sagte die 18-jährige Verkäuferin Daniela Armas aus La Guaira, die bei dem Beben verletzt wurde, als sie von einem Motorrad stürzte. „Manchmal bringen sich die Leute fast gegenseitig um wegen Essen … es ist wie ein Hahnenkampf.“
- Tote
- 1943
- Verletzte
- 10500
- Beschädigte/zerstörte Gebäude (NASA-Schätzung)
- 58870
- Durch Suchteams gerettet
- 6400
- Überlebende insgesamt (geschätzt)
- 20000
Humanitäre Lage
Das UNHCR warnte am Dienstag, dass in La Guaira Nahrungsmittelknappheit weit verbreitet sei, grundlegende Dienstleistungen zusammengebrochen und die Kommunikation nahezu unterbrochen seien. „Die Spannungen in der Gemeinschaft steigen, während der Zugang zu Hilfsgütern begrenzt bleibt“, erklärte die Behörde. Sie beantragte anfänglich 15 Millionen US-Dollar, um 30.000 betroffene Menschen sechs Monate lang mit Schutz, lebensnotwendigen Gütern und provisorischen Unterkünften zu versorgen. Die Weltgesundheitsorganisation stellte fest, dass die Gesundheitsdienste stark unter Druck stünden.
Schadensbewertung
Eine erste Analyse von Satellitendaten der NASA schätzte, dass 58.870 Gebäude wahrscheinlich beschädigt oder zerstört wurden. Frühere offizielle Zahlen hatten die Zahl der vollständig zerstörten oder schwer beschädigten Bauwerke auf 855 beziffert. Der Erdbebenüberwachungsdienst des USGS modellierte, dass die Todeszahlen in die Zehntausende gehen könnten.


