
Italien verhaftet 16-Jährigen wegen IS-Propaganda und Neonazi-Inhalten im Internet
Die italienische Polizei hat am 7. August einen 16-jährigen Jungen in der Nähe von Grosseto festgenommen. Ihm werden internationaler Terrorismus und Aufstachelung zum Rassenhass vorgeworfen, nachdem auf seinen Geräten IS-Propaganda, Neonazi-Inhalte und Videos zur Herstellung von improvisierten Sprengsätzen gefunden wurden.
Festnahme und Anklage
Die italienische Polizei hat am Freitag, den 7. August 2026, einen 16-jährigen Jungen in der Nähe von Grosseto in der Toskana festgenommen, wo er sich mit seiner Familie im Urlaub befand. Der Jugendliche, ein italienischer Staatsbürger ausländischer Herkunft mit Wohnsitz in der Gegend von Como, wurde wegen des Vorwurfs der „Beteiligung an einer Vereinigung mit Zielen des internationalen Terrorismus“ und der „Propaganda und Aufstachelung zur Begehung von Straftaten aufgrund rassistischer, ethnischer und religiöser Diskriminierung“ in Haft genommen. Die Operation wurde von der Jugendstaatsanwaltschaft Mailand koordiniert und von der Digos Mailand durchgeführt. Der Junge hatte keine Vorstrafen und war zuvor nie in radikalen Kreisen aufgefallen.
Wie die Ermittlungen begannen
Der Fall geht auf eine Meldung des Inlandsgeheimdienstes AISI zurück, die einen Nutzer auf einer Messaging-Plattform meldete, der über mehrere Profile dschihadistische und pro-IS-Propaganda verbreitete. Die Ermittler führten vier Benutzernamen – darunter „@ciao0541“, „abalhasan.#0“, „abuhamza0748“ und „abuhudhayfah?!“ – auf den Jugendlichen zurück; der letzte Name bezog sich auf den offiziellen IS-Sprecher Abu Hudhayfah al-Ansari. Er nutzte regelmäßig VPNs und andere Verfahren zur Verschleierung seiner Daten, um eine Daesh-Propagandaseite aufzurufen, was die Ermittler als besondere List und Beharrlichkeit bei der Verschleierung seiner Identität bezeichneten.
- Der italienische Inlandsgeheimdienst meldet einen Nutzer, der auf einer Messaging-Plattform pro-IS-Propaganda verbreitet.
- Die Digos Mailand führt vier Benutzernamen auf den 16-Jährigen in Como zurück.
- Durchsuchungsbefehl für persönliche und digitale Geräte des Jugendlichen wird vollstreckt.
- 16-Jähriger nahe Grosseto festgenommen, während er mit seiner Familie im Urlaub war.
Digitale Beweise und doppelte Radikalisierung
Eine Durchsuchung des Handys und der digitalen Spuren des Jungen offenbarte eine auffällige Konvergenz von dschihadistischem und Neonazi-Material. Sein Profilbild zeigte die IS-Flagge mit zwei Kalaschnikow-Sturmgewehren. In privaten Chats begrüßte er seine Gesprächspartner mit „Heil Hitler“, teilte Hakenkreuze, den Neonazi-Zahlencode „88“ und Phrasen wie „White Power“. Die Ermittler fanden eine große Menge an IS-Propagandadateien, die in mehrere Sprachen übersetzt waren, Videos von Trainings und Hinrichtungen, Naschids (dschihadistische Gesänge) und rassistisches Gedankengut. Der Junge übersetzte selbst Naschids aus dem Arabischen ins Italienische, Französische und Englische. Ein auf Russisch produziertes Video, eine Sprache, die der Junge perfekt verstand, trug das IS-Logo und zeigte, wie man mit leicht verfügbaren Materialien einen improvisierten Sprengsatz baut. In Gesprächen erklärte er, dass er sich den Kämpfern anschließen würde, wenn er zwei Jahre älter wäre, und behauptete, zuvor bei der Erstellung von Propaganda für die Organisation geholfen zu haben.
Entscheidung des Ermittlungsrichters
Die Ermittlungsrichterin Laura Margherita Pietrasanta vom Jugendgericht Mailand unterzeichnete den Haftbefehl und kam zu dem Schluss, dass die Beweise ein fortgeschrittenes Stadium der Radikalisierung zeigten. Die Richterin stellte fest, dass der Junge nicht nur Propaganda konsumiert, sondern auch Gedanken und Absichten geäußert hatte, die mit den Zielen der Organisation übereinstimmten, einschließlich des erklärten Wunsches, sich den Kämpfern anzuschließen, sobald er volljährig sei.
Besonders bedeutsam ist aus Sicht der Gefährlichkeit des Verdächtigen nicht nur der klare Wille, sich ohne Identifizierung durch die Strafverfolgungsbehörden an Online-Plattformen zu beteiligen, sondern auch die Beschaffung und Weitergabe von zunehmend gewalttätigen Inhalten im Zusammenhang mit der aktiven Teilnahme am Heiligen Krieg.
Die Richterin ordnete Untersuchungshaft an und verwies auf eine „gefährliche Neigung zur Kriminalität“ und eine konkrete Wiederholungsgefahr.
Muster der Jugendradikalisierung
Die Festnahme fügt sich in einen allgemeinen Trend ein, der im letzten jährlichen Geheimdienstbericht Italiens festgestellt wurde. Darin heißt es, dass das Alter der in dschihadistischen und accelerationistischen Kreisen Beteiligten sinke und der Anteil Minderjähriger stetig steige. Zu den jüngsten Fällen gehören ein 17-jähriges Mädchen, das am 17. Juli in der Provinz Pavia festgenommen wurde, ein 16-jähriger Junge, der am 17. Juni 2026 in der Provinz Bologna festgenommen wurde, ein 22-Jähriger, der am 25. Mai in Reggio Emilia festgenommen wurde, und ein 15-jähriger Tunesier, der am 20. Mai in Florenz festgenommen wurde – alle aus terrorismusbezogenen Gründen.
- 15-jähriger Tunesier in Florenz wegen Anwerbung für internationalen Terrorismus festgenommen
- 22-Jähriger in Reggio Emilia/Bologna wegen Anwerbung für Terrorismus festgenommen
- 16-Jähriger in der Provinz Bologna wegen Besitzes von Terrormaterial festgenommen
- 17-jähriges Mädchen in Pavia wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung festgenommen
- 16-Jähriger nahe Grosseto wegen internationalen Terrorismus und Propaganda festgenommen


