Kurz gefasst
Nach Angaben der ukrainischen Polizei wurde eine 17-Jährige in der Region Schytomyr westlich von Kyjiw festgenommen, weil sie auf FSB-Anweisung Methadon an Soldaten verschickt haben soll.
Die Polizei teilt mit, in der Region Schytomyr seien zwei Soldaten gestorben; die Vergiftung von vier weiteren sei verhindert worden, nachdem weitere Empfänger identifiziert wurden.
Der 17-Jährigen drohen nach Polizeiangaben bis zu 15 Jahre Haft wegen Beihilfe zum vorsätzlichen Mord durch eine organisierte Gruppe und wegen Drogenhandels.
Die Festnahme
Die Nationalpolizei der Ukraine hat am Freitag, 23. Oktober, die Festnahme einer 17-Jährigen bekannt gegeben, die verdächtigt wird, im Auftrag Russlands ukrainische Soldaten vergiftet zu haben. Ermittler erklären, sie habe Betäubungsmittel mit nach Polizeiangaben tödlichen Methadon-Dosen an Soldaten geschickt, zu denen sie über Telegram Kontakt aufgenommen hatte. Nach Darstellung der Polizei handelte sie auf Anweisung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Sie habe die Substanzen selbst verpackt und mit falschen Angaben zum Absender verschickt, so die Polizei. Das Mädchen wurde in der Region Schytomyr westlich von Kyjiw festgenommen – derselben Region, in der nach Polizeiangaben die beiden Soldaten starben.
Wie die Pakete eingesetzt wurden
Der Polizei zufolge waren dem Mädchen für die Arbeit mindestens 5.000 Hrywnja versprochen worden, rund 100 Euro. Nach Eingang der Pakete seien die Empfänger gedrängt worden, die Substanzen vor einer Kamera einzunehmen, heißt es in der Mitteilung. Die Organisatoren, so die Polizei, hätten die Soldaten über Telegram kontaktiert und ihnen die Drogen kostenlos angeboten. Die Empfänger wussten den Ermittlern zufolge nicht, dass die Pakete eine tödliche Dosis Methadon enthielten. Durch die Identifizierung weiterer Empfänger habe man die Vergiftung von vier weiteren Soldaten verhindert, so die Polizei. Die beiden Todesfälle waren die einzigen, die in der Mitteilung genannt wurden.
Vorwürfe und Warnungen
Der 17-Jährigen drohen nach den Berichten bis zu 15 Jahre Haft wegen Beihilfe zum vorsätzlichen Mord durch eine organisierte Gruppe sowie wegen Handels mit illegalen Substanzen. Die Polizei rief Soldaten und ihre Angehörigen zu Vorsicht bei unbekannten Kontakten auf. Sie rieten davon ab, Medikamente, Lebensmittel oder Getränke unklarer Herkunft von Menschen anzunehmen, die man nicht gut kenne. Zudem warnte die Polizei, wer Hilfe anbiete, Geschenke schicke oder auf ein persönliches Treffen dränge, könne eine feindliche Aufgabe erfüllen. Bei Druckausübung, so heißt es in der Mitteilung, solle die Korrespondenz aufbewahrt und die Behörden informiert werden.
Der weitere Kontext
Die ukrainischen Dienste erklären, seit dem großangelegten russischen Einmarsch im Februar 2022 Tausende Ermittlungsverfahren wegen Zusammenarbeit mit dem Feind eingeleitet zu haben. Auch Festnahmen von Personen, die verdächtigt werden, für Russland zu arbeiten, werden regelmäßig bekannt gegeben. 2023 beschuldigte Kyjiw Moskau, die Frau von Kyrylo Budanow vergiftet zu haben, dem damaligen Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Die Polizeiwarnung in diesem Fall wurde in den sozialen Medien veröffentlicht.