Deutsche jüdische Führungspersonen zeigen sich alarmiert nach AfD-Wahlsieg mit über 44 % in Sachsen-Anhalt
Josef Schuster und Charlotte Knobloch verurteilten das Landtagswahlergebnis in Sachsen-Anhalt, wo erste Prognosen der AfD mehr als 44 % der Stimmen und eine mögliche absolute Mehrheit in Magdeburg zuschrieben.
Wahlprognosen in Sachsen-Anhalt
Erste Prognosen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 sahen die Alternative für Deutschland (AfD) mit mehr als 44 % der Stimmen auf dem ersten Platz. Das Ergebnis brachte der Partei mehr als doppelt so viele Stimmen wie der Christlich Demokratischen Union (CDU). Unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund näherte sich die AfD einer möglichen absoluten Mehrheit der Sitze im Landtag in Magdeburg. Die Partei wird von den Verfassungsschutzbehörden offiziell als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Prognose löste umgehend Stellungnahmen jüdischer Gemeindevertreter in Deutschland aus, die sich alarmiert über die Aussicht auf eine von der AfD geführte Landesregierung zeigten.
Zentralrat warnt vor politischen Veränderungen
Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete sich selbst als persönlich entsetzt über das Ergebnis. Er wies darauf hin, dass eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei kurz davor stehe, allein ein Bundesland zu regieren. Schuster wies der Wählerschaft die direkte Verantwortung zu, die Partei trotz öffentlicher Kenntnis ihres Programms unterstützt zu haben.
In den letzten Monaten war deutlich erkennbar, welche Ziele die AfD verfolgt. Wer sie heute trotz oder wegen dieser Ziele gewählt hat, trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.
Schuster warnte vor weitreichenden Konsequenzen, falls die Partei Regierungsverantwortung übernimmt, und argumentierte, dass demokratische Institutionen stark belastet würden.
- Verfassungsschutz beginnt mit der Überwachung der außerparlamentarischen Aktivitäten des stellvertretenden AfD-Landesvorsitzenden Hans-Thomas Tillschneider
- Landtagswahlprognosen zeigen die AfD mit über 44 % der Stimmen in Sachsen-Anhalt
Bedenken hinsichtlich Bildung und Parteiführung
Schuster konzentrierte sich speziell auf das Risiko für die Bildungspolitik des Landes unter einer AfD-Regierung und bezeichnete Bildung als zentrale Säule für den Erhalt einer offenen Gesellschaft und die Bekämpfung von Antisemitismus. Er warnte, dass die Partei Lehrpläne und Bildungsstrukturen an den Schulen des Landes verändern könnte.
Der Schaden, den die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt anrichten würde, wenn sie Verantwortung erhält, ist immens.
Er verwies auf Personal in der Landesgliederung, insbesondere den stellvertretenden Landesvorsitzenden Hans-Thomas Tillschneider, der das Wahlprogramm der Partei verfasst hat und als Anwärter auf das Bildungsministerium gilt. Tillschneiders außerparlamentarische Aktivitäten werden seit 2020 vom Bundesamt für Verfassungsschutz offiziell überwacht. Schuster erklärte, dass Persönlichkeiten wie Tillschneider einen Bruch mit dem etablierten Konsens der Bundesrepublik erzwingen wollten.
Holocaust-Überlebende fordert demokratisches Handeln
Charlotte Knobloch, die 93-jährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Holocaust-Überlebende, zeigte sich zutiefst bestürzt über die Wahl. Sie bemerkte, dass es an Tagen wie diesen schwer sei, ihr Heimatland wiederzuerkennen.
Dass Rechtsextremisten in Deutschland auf diese Weise wieder Wahlen gewinnen, hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.
Knobloch erklärte, das Ergebnis zeige, dass das Gefüge der deutschen Demokratie nicht mehr funktioniere, und merkte an, dass der Ausgang ihr Angst bereite. Sie argumentierte, dass ein großer Teil der Wählerschaft in Sachsen-Anhalt die Prinzipien von Demokratie, Sicherheit und Wohlstand abgelehnt habe, die es jüdischen Bürgern ermöglicht haben, Deutschland als ihre Heimat zu betrachten. Sie rief die demokratischen Mitte-Parteien und Bürger dazu auf, Freiheit, Toleranz und Respekt aktiv zu verteidigen, anstatt politische Erosion zu akzeptieren.


