
Johnson & Johnson bietet 5,5 Milliarden Dollar zur Beilegung von 76.000 Talkum-Krebsklagen an und beendet damit jahrzehntelangen Rechtsstreit
Der Pharmariese will mit einem Angebot von 5,5 Milliarden Dollar einen jahrzehntelangen Rechtsstreit beenden, der nahezu alle verbleibenden Talkum-Klagen in den Vereinigten Staaten abdeckt, während ein separates Verfahren im Vereinigten Königreich fortgesetzt wird.
Das Vergleichsangebot
Johnson & Johnson gab am Montag bekannt, dass es bis zu 5,5 Milliarden Dollar zahlen werde, um etwa 76.000 Klagen beizulegen, die behaupten, dass talkumhaltige Produkte Eierstockkrebs verursacht hätten. Der Vorschlag deckt nahezu alle verbleibenden Talkum-Verfahren gegen das in New Jersey ansässige Unternehmen ab, einschließlich Fälle, die vor dem Bundesgericht konsolidiert wurden, sowie damit verbundene Klagen auf Landesebene. Die Vereinbarung erfordert die Zustimmung von 95 % der Eierstockkrebs-Kläger, bevor sie endgültig wird. J&J erwartet, im Jahr 2027 3 Milliarden Dollar zu zahlen, mit weiteren Zahlungen im Jahr 2028, wobei die Gesamtsumme je nach Beteiligung steigen könnte. Chris Seeger, ein Anwalt, der etwa 2.500 Kläger vertritt, sagte, das Unternehmen könnte letztlich 7 Milliarden Dollar oder mehr zahlen.
Wir haben einen fairen Vergleich erzielt, und unsere Mandanten werden damit zufrieden sein.
Die Vorwürfe und J&Js Leugnung
Die Kläger behaupten, dass J&Js Babypuder und andere Talkumprodukte Eierstockkrebs oder Mesotheliom verursacht hätten. Das Unternehmen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sie als unbegründet bezeichnet. Erik Haas, Vizepräsident für Rechtsstreitigkeiten bei J&J, sagte, der Vergleich ermögliche es dem Unternehmen, ohne Schuldanerkenntnis weiterzumachen.
Obwohl wir zuversichtlich sind, dass das Unternehmen bei weiteren Rechtsstreitigkeiten letztlich obsiegt hätte, wie es dies in der überwältigenden Mehrheit der bisher verhandelten Fälle getan hat, ermöglicht diese Einigung dem Unternehmen, diese Angelegenheit hinter sich zu lassen und sich weiterhin auf seine Mission zu konzentrieren, Medikamente und Geräte zu entwickeln, die Leben retten.
J&J stellte den Verkauf von talkumbasiertem Babypuder in den Vereinigten Staaten und Kanada im Jahr 2020 ein und stoppte den weltweiten Verkauf im Jahr 2023. Im Jahr 2024 stufte die Weltgesundheitsorganisation Talkum als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein.
Rechtsgeschichte und aktuelle Urteile
Das erste US-Geschworenenurteil erging 2016 und verurteilte J&J zur Zahlung von 72 Millionen Dollar an die Familie einer Frau, die an Eierstockkrebs gestorben war; dieses Urteil wurde ein Jahr später aufgehoben. Danach vervielfachten sich die Klagen. Im Oktober 2025 sprach eine kalifornische Jury der Familie einer verstorbenen Frau, die ihren Krebs auf jahrzehntelange Verwendung von J&J-Babypuder zurückführte, 966 Millionen Dollar zu – die höchste Einzelkläger-Entschädigung in dem Rechtsstreit. J&J hatte bereits im Juni 2026 Rückstellungen in Höhe von 11 Milliarden Dollar gebildet, und Bloomberg Intelligence schätzt die gesamten Vergleichskosten auf 10 bis 12 Milliarden Dollar.
- Erstes US-Geschworenenurteil verurteilt J&J zur Zahlung von 72 Mio. $ an Familie einer an Eierstockkrebs verstorbenen Frau; Urteil ein Jahr später aufgehoben.
- J&J stellt Verkauf von talkumbasiertem Babypuder in den USA und Kanada ein.
- J&J stoppt weltweiten Verkauf von talkumbasiertem Babypuder.
- Weltgesundheitsorganisation stuft Talkum als 'wahrscheinlich krebserregend für den Menschen' ein.
- Kalifornische Jury spricht Familie einer Frau, die an Krebs starb und diesen auf J&J-Babypuder zurückführte, 966 Mio. $ zu.
- Klage in Großbritannien eingereicht, später als größter Produkthaftungsfall der britischen Geschichte bezeichnet.
- J&J bildet Rückstellungen in Höhe von 11 Mrd. $ für Talkum-Rechtsstreitigkeiten.
- J&J kündigt Vergleichsangebot über 5,5 Mrd. $ an, das etwa 76.000 Klagen abdeckt.
Klage im Vereinigten Königreich
Ein separates Verfahren läuft im Vereinigten Königreich. Es wurde 2025 eingereicht und gilt als der größte Produkthaftungsfall in der britischen Geschichte, der laut Al Jazeera mehr als 7.000 potenzielle Kläger umfasst (andere Berichte nennen über 3.000 Beschwerdeführer). Die Klage wirft J&J vor, gewusst zu haben, dass Talkum Krebs verursachen kann, und das Produkt dennoch weiter verkauft zu haben. Die Entschädigung könnte 1 Milliarde Pfund (1,17 Milliarden Euro) übersteigen. J&J bestreitet die Vorwürfe.
Marktreaktion und nächste Schritte
Die Aktien von J&J legten nach der Ankündigung im nachbörslichen Handel in New York um 1,1 % zu. Der Vergleich ist noch nicht endgültig; er hängt von der 95-Prozent-Schwelle der Zustimmung der Kläger ab. Das Unternehmen erklärte, die Vereinbarung biete einen effizienten Abschluss des Rechtsstreits und ermögliche es, sich auf sein Kerngeschäft mit Pharmazeutika und Medizinprodukten zu konzentrieren.
