
Israel verurteilt Nobelpreis für Navi Pillay, Netanyahu nennt sie eine Fanatikerin
Das Nobelkomitee in Oslo hat am Freitag die südafrikanische Juristin Navi Pillay ausgezeichnet. Israels Außenministerium und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagierten noch am selben Tag mit scharfen Angriffen auf ihre Bilanz.
Die Auszeichnung
Das Nobelkomitee gab am Freitag in Oslo bekannt, dass der Friedensnobelpreis 2026 an Navi Pillay geht, eine 85-jährige südafrikanische Juristin, die als fünfte UN-Hochkommissarin für Menschenrechte amtierte. Pillay war zudem Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda und Richterin am Internationalen Strafgerichtshof, wo sie von 2003 bis 2008 in der Berufungsabteilung saß. Das Komitee erklärte, sie werde für ihren außergewöhnlichen Mut und ihre Integrität bei der Förderung einer vollständigeren internationalen Rechtsordnung geehrt. Nach der Bekanntgabe wurde Pillay mit Jubel und Applaus empfangen, und sie antwortete mit Humor:
Wenn Sie noch ein wenig mehr applaudieren, teile ich diesen Preis vielleicht mit Trump.
Israels Reaktion
Das israelische Außenministerium reagierte mit einer Erklärung und einem X-Post, in dem es Pillay vorwarf, Israel politisch motiviert zu dämonisieren und eine Völkermord-Erzählung zu verbreiten. Pillay leitete die unabhängige internationale Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten, die im September 2025 zu dem Schluss kam, Israel habe im Gazastreifen Völkermord an den Palästinensern begangen. Quellen weisen darauf hin, dass die Kommission nicht die Auffassung der Vereinten Nationen wiedergibt. Israel weist die Völkermordvorwürfe zurück, und der Internationale Gerichtshof prüft eine von Südafrika eingereichte Klage, hat aber noch kein abschließendes Urteil gefällt. Das Ministerium bezeichnete die Auszeichnung als Missbrauch des Preises:
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Pillay ist keine Anerkennung von Gerechtigkeit. Sie ist die vulgäre Instrumentalisierung eines Preises, um Hass und Vorurteile gegen Israel zu legitimieren.
Das Ministerium schloss seine Erklärung mit einem Verweis auf Joseph Goebbels, den nationalsozialistischen Propagandaminister. Es erklärte, nachdem das Komitee das belohnt habe, was es „die größte Lüge des 21. Jahrhunderts" nannte, applaudiere Goebbels gewiss aus der Hölle. Zudem hieß es, gäbe es einen Preis für Lügen, Hass und Verleumdung, wäre Pillay eine der Favoritinnen.
Netanyahu und der Wahlkampf-Hintergrund
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu schrieb auf X, wie Skai zitiert:
Das Nobelkomitee hat seinen moralischen Kompass verloren. Es hat seine höchste Auszeichnung einer Fanatikerin verliehen, die zur Dämonisierung von Juden beigetragen hat.
Das Büro des Ministerpräsidenten erklärte in einem separaten englischsprachigen Post auf X, Pillay habe ihre Karriere darauf aufgebaut, „Ritualmord"-Verleumdungen gegen den jüdischen Staat zu erfinden und zu verbreiten. Der Post bezeichnete den IStGH-Ankläger Karim Khan als korrupt und wies darauf hin, dass IStGH-Mitarbeiter ihn des Vergewaltigung und sexueller Belästigung beschuldigt hätten; er habe Pillays Behauptungen genutzt, um einen falschen Fall gegen Israel zu konstruieren. Netanyahu selbst ist Gegenstand eines Haftbefehls des IStGH wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Bekanntgabe erfolgte kurz vor den israelischen Wahlen, bei denen Netanyahu laut To Vima um sein politisches Überleben kämpft. Der hochrangige Hamas-Funktionär Basem Naim begrüßte die Ehrung als starke Botschaft der Hoffnung, dass „die Menschheit sich noch immer den Kräften des Bösen widersetzt".
Washington und der Gerichtshof
Der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, sagte:
Die Richter, die Menschen, die die feine rote Linie zwischen Ordnung und Chaos bewachen, verdienen unser höchstes Lob. Doch heute, da genau diese Richter verfolgt werden und ihre Institutionen angegriffen werden, brauchen wir Menschen mit Mut, Weitblick und Entschlossenheit – Eigenschaften, die in Navi Pillays Arbeit für die Justiz deutlich werden.
To Vima berichtet, Donald Trump habe den IStGH als „außer Kontrolle geratenes, antiamerikanisches Gericht" bezeichnet und die Mitgliedstaaten aufgefordert, aus ihm auszutreten. Der Preis liest sich daher als Rüge an den US-Präsidenten und an Netanyahu, die beide die Ergebnisse der UN-Kommission scharf zurückgewiesen haben.


