KI-generiert·Mehr erfahren
© tagesschau.de
Konflikte·vor 12 Std.

UN setzt Israel und Russland auf schwarze Liste wegen sexualisierter Gewalt in Konflikten; Israel kappt Kontakt zum UN-Generalsekretär

Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen wirft israelischen Sicherheitskräften und russischen Truppen systematische sexualisierte Gewalt vor. Israel kündigte daraufhin an, jeglichen Kontakt zu Generalsekretär António Guterres abzubrechen.

Der UN-Bericht und seine Ergebnisse

Die Vereinten Nationen haben Israel und Russland erstmals auf ihre jährliche schwarze Liste der Parteien gesetzt, die im begründeten Verdacht stehen, in bewaffneten Konflikten systematische sexualisierte Gewalt zu verüben. Der von Generalsekretär António Guterres erstellte und vor seiner Veröffentlichung den Mitgliedern des Sicherheitsrates zugänglich gemachte Bericht dokumentiert, was als Muster von Misshandlungen durch israelische Sicherheitskräfte gegen palästinensische Häftlinge im Gazastreifen und im Westjordanland beschrieben wird, sowie durch russische Streitkräfte gegen ukrainische Kriegsgefangene und Zivilisten in besetzten Gebieten.

Die Vorwürfe gegen Israel umfassen Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung, Vergewaltigung mit Gegenständen, versuchte Vergewaltigung, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf Genitalien, erzwungene Nacktheit und Vergewaltigungsdrohungen. Die UNO gibt an, Fälle von 14 Männern, sieben Frauen, neun Jungen und einem Mädchen überprüft zu haben. Der Bericht stellt außerdem fest, dass sowohl Israel als auch Russland UN-Ermittlern wiederholt den Zugang zu Haftanstalten und Konfliktgebieten verweigerten.

Die Verstöße bestanden aus Vergewaltigung, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, körperlicher Gewalt gegen die Genitalien, Fällen von gezielten Schüssen auf die Genitalien, Berührungen von Brüsten und Genitalien, Entkleidungs- und Körperhöhlenuntersuchungen ohne ersichtliche sicherheitsrelevante Rechtfertigung, erzwungener Nacktheit und Vergewaltigungsdrohungen.

UN Report

Israels wütende Reaktion

Noch vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichts kündigte Israels UN-Botschafter Danny Danon an, dass sein Land jeglichen Kontakt zu Guterres und seinem Büro bis zum Ende seiner Amtszeit Ende dieses Jahres abbrechen werde. Danon bezeichnete die Entscheidung, Israel auf die schwarze Liste zu setzen, als „empörend" und „beschämend und absurd" und beschuldigte den Generalsekretär, Lügen zu verbreiten und eine Kampagne gegen den jüdischen Staat zu führen.

Wir sind fertig mit diesem Generalsekretär. Die Entscheidung, Israel auf die schwarze Liste zu setzen und uns zu beschuldigen, sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen, ist empörend.

Israels Mission bei der UNO erklärte, dass sie keinen weiteren Kontakt zum Büro von Guterres haben werde. Der Schritt ist weitgehend symbolisch, da die Beziehungen bereits auf einem historischen Tiefstand waren: Israel erklärte Guterres 2024 zur Persona non grata, und das Land hat der UNO seit langem eine systematische anti-israelische Voreingenommenheit vorgeworfen.

Die maßvolle Antwort der UNO

UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte, die Organisation habe von Israels Entscheidung über soziale Medien erfahren und bezeichnete den Bruch als symbolisch, der die tägliche Arbeit wahrscheinlich nicht verändern werde. Er betonte, dass die Tür des Generalsekretärs offen bleibe und Engagement immer besser sei als Rückzug.

Unsererseits bleibt die Tür des Generalsekretärs offen. Wir sind der Meinung, dass Mitgliedstaaten sich engagieren und weiter engagieren sollten. Sich zu engagieren ist immer eine bessere Lösung, als sich zu entziehen.

Russland und die erweiterte schwarze Liste

Der Bericht dokumentiert ebenfalls 310 überprüfte Fälle sexualisierter Gewalt durch russische Streitkräfte gegen ukrainische Kriegsgefangene und Zivilisten in besetzten Gebieten. Moskau wies die Ergebnisse zurück und beschuldigte die UNO, Russland als Bösewicht darstellen zu wollen. Die schwarze Liste umfasst nun 77 staatliche und nichtstaatliche Akteure in einem Dutzend Ländern, wobei die Fälle im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen sind. Die Hamas, die letztes Jahr wegen sexualisierter Gewalt während des Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 auf die Liste gesetzt wurde, bleibt auf der Liste.

Ein sich vertiefender Riss

Die Konfrontation markiert einen neuen Tiefpunkt in den bereits tief angespannten Beziehungen zwischen Israel und den Vereinten Nationen. Israel betrachtet die Organisation als politisiert und voreingenommen im israelisch-palästinensischen Konflikt, während die UNO konsequent israelische Aktionen in den besetzten Gebieten kritisiert hat. Der Bericht kommt nur wenige Tage, nachdem die New York Times eine eigene Untersuchung zu weit verbreiteten mutmaßlichen sexuellen Übergriffen gegen palästinensische Häftlinge veröffentlicht hat, was zusätzlichen Druck auf eine bereits explosive diplomatische Pattsituation ausübt.

Zeitleiste der Konfrontation um die UN-schwarze Liste
  1. Die Hamas greift Israel an; die UNO dokumentiert später sexualisierte Gewalt, darunter Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung während des Angriffs.
  2. UN-Generalsekretär Guterres warnt Israel und Russland vor einer möglichen Aufnahme in die schwarze Liste für sexualisierte Gewalt.
  3. Israel erklärt Guterres zur Persona non grata und verwehrt ihm die Einreise in das Land.
  4. Die UNO dokumentiert einen starken Anstieg der Fälle von sexualisierter Gewalt in Konflikten im Vergleich zu 2024.
  5. Israel wird über seine Aufnahme in die schwarze Liste informiert; Botschafter Danon kündigt den Abbruch der Beziehungen zu Guterres an.
  6. Der Bericht wird den Mitgliedern des Sicherheitsrates zugänglich gemacht; die öffentliche Veröffentlichung wird in etwa 10 Tagen erwartet.
New York · Jerusalem · Gaza-Stadt

8 Quellen

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Bandar Abbas · Kuwait-Stadt · Washington, D.C.