
Kommunaler Investitionsstau in Deutschland erreicht Rekord von 231 Milliarden Euro – KfW-Umfrage
Das kumulierte Investitionsdefizit der deutschen Städte und Gemeinden ist auf einen neuen Höchststand von 231 Milliarden Euro gestiegen – angetrieben von steigenden Baukosten und angespannten Kommunalhaushalten, wie eine KfW-Umfrage unter über 1.000 Kassen ergibt.
Das Ausmaß des Rückstaus
Der kommunale Investitionsstau in Deutschland hat einen Rekordwert von 231 Milliarden Euro erreicht, wie eine Umfrage der staatlichen Förderbank KfW unter mehr als 1.000 Kommunalkassen ergab. Die Summe bedeutet einen Anstieg um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (215,7 Milliarden Euro). Die größte Einzelkategorie ist der Schulbau mit 68,9 Milliarden Euro, gefolgt von Straßen und Verkehrsinfrastruktur mit 53,7 Milliarden Euro. Auch Sportstätten, Katastrophenschutzinfrastruktur und Verwaltungsgebäude verzeichneten wachsenden Investitionsbedarf.
Die finanzielle Lage der Kommunen hat sich noch einmal deutlich verschlechtert, die Stimmung in den Kassen ist gedrückt.
Regionale Unterschiede
Das bundesweite Bild verdeckt starke regionale Unterschiede. In Sachsen fielen die kommunalen Bauausgaben um 9,8 Prozent auf 390 Euro pro Einwohner, während sie bundesweit um 4,3 Prozent stiegen. Thüringen bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung mit einem Plus von 7,6 Prozent – deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 4,3 Prozent. Mit 427 Euro pro Einwohner liegt Thüringen jedoch immer noch unter den Ländern mit unterdurchschnittlichen Pro-Kopf-Bauausgaben. Thüringen war das einzige Bundesland, in dem die Gemeinden einen Haushaltsüberschuss von 50 Euro pro Einwohner erzielten.
- Thüringen
- 427 EUR/Einwohner
- Sachsen
- 390 EUR/Einwohner
- Bundesdurchschnitt
- 415 EUR/Einwohner
Das Sondervermögen und seine Aufnahme
Das im März 2025 verabschiedete Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität soll Entlastung bringen. Die Mehrheit der befragten Kommunen erwartet jedoch nicht, dass es in diesem Jahr zu mehr Investitionen führen wird, als ohne die zusätzlichen Mittel angefallen wären. 42 Prozent der Kommunen rechnen mit einem weiteren Anwachsen des Investitionsstaus. Bundesweit belaufen sich die geplanten Investitionen für das laufende Jahr auf rund 50 Milliarden Euro, nach 44 Milliarden Euro im Vorjahr. Der größte Anteil – 27 Prozent – ist für Schulen vorgesehen, 23 Prozent für Straßen und Verkehr und 10 Prozent für Feuerwehr und Katastrophenschutz.
Dreißig Prozent der Gemeinden gaben an, Straßen und Verkehrsinfrastruktur „überhaupt nicht" oder nur „eingeschränkt" instand halten zu können.
Struktureller Druck
70 Prozent der Kassenämter bundesweit bewerten ihre finanzielle Lage als negativ. Etwa jede zweite Kommune erwartet, künftig stärker auf Kreditfinanzierung angewiesen zu sein. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher verwies auf eine Anpassung der Verteilung der Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden als einen Weg zur Verbesserung der kommunalen Finanzen. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle geplanten Mittel wie vorgesehen ausgegeben werden – unter anderem aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren und unterbesetzter Bauämter. Die steigenden Baukosten und das breite Aufgabenspektrum der Kommunen treiben den Investitionsbedarf in allen Regionen nach oben.
- Schulen
- 68.9 Mrd. EUR
- Straßen & Verkehr
- 53.7 Mrd. EUR
- Sonstige (Sport, Verwaltung, Katastrophenschutz)
- 108.4 Mrd. EUR


