Nordamerikanische Eichennetzwanze breitet sich in deutschen Wäldern aus – Hitzewelle schwächt dürregestresste Bäume
Der aus Nordamerika stammende Schädling tritt massenhaft auf, während eine Hitzewelle die Region erfasst und die ohnehin durch Dürre geschwächten Bäume zusätzlich belastet.
Eine Hitzewelle in Deutschland führt zu einem Massenauftreten der Eichennetzwanze (Corythucha arcuata), einer invasiven Art aus Nordamerika, die von Experten inzwischen als die gefährlichste Bedrohung für europäische Eichenwälder bezeichnet wird. Das nur drei Millimeter große Insekt saugt an der Unterseite von Eichenblättern, hinterlässt sie blassgelb, welk und gefährlich anfällig für andere Krankheitserreger.
Ein stiller Eindringling gewinnt an Boden
Erstmals 2000 in Italien in Europa nachgewiesen, brauchte die Wanze mehr als zwei Jahrzehnte, um Deutschland zu erreichen, wo die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ihre Ankunft 2021 bestätigte. Forscher vermuten, dass die Wanzen durch die Turbulenzen von Zügen zwischen Mannheim und Karlsruhe nach Norden getragen wurden. Einmal etabliert, breiteten sie sich rasant aus, begünstigt durch ihre Flugfähigkeit, ihre Neigung, an Kleidung oder Haaren zu haften, und die Auswirkungen des Klimawandels.
Ich denke, sie werden sich schnell in ganz Deutschland ausbreiten.
Martin Husemann, Direktor des Naturkundemuseums Karlsruhe, führte die aktuelle Zunahme direkt auf die hohen Temperaturen zurück. Die Wanzen überwintern unter dicker Baumrinde und schlüpfen in großer Zahl, wenn die Bedingungen günstig sind.
Verschärfung des Dürrestresses
Die Bedrohung wird dadurch verstärkt, dass sie in eine Zeit anhaltender Dürre fällt. Eichen, bereits durch Wassermangel geschwächt, sind weitaus weniger in der Lage, den saugenden Insekten zu widerstehen. „Die ohnehin durch Trockenheit geschwächten Eichen werden durch den Wanzenbefall weiter geschwächt“, erklärte Husemann. Diese doppelte Belastung führt nicht nur zu Verfärbungen. Sie macht die Bäume deutlich anfälliger für Sekundärinfektionen wie Mehltau. In schweren Fällen vertrocknen die Blätter vollständig.
Eine Bedrohung der Spitzenklasse für das Ökosystem
Die Besorgnis unter Fachleuten wurde 2024 in einer Studie eines internationalen Forscherteams, dem auch Husemann angehörte, formell dargelegt. Die Ergebnisse waren eindeutig.
Man kann zu Recht behaupten, dass es sich um den bedrohlichsten invasiven Gliederfüßer in europäischen Eichenökosystemen handelt, der vielfältige negative Auswirkungen nicht nur auf die Eichen selbst, sondern auch auf die Nahrungsnetze der Eichen hat.
Die Studie hob ein beunruhigendes Merkmal des Ausbruchs hervor: die schiere Geschwindigkeit der Ausbreitung seit der Ankunft, ein Tempo, das Experten zutiefst beunruhigt.
- Erster Nachweis in Europa (Italien).
- Erster bestätigter Nachweis in Deutschland, in Baden-Württemberg.
- Internationales Team veröffentlicht Studie, die sie als bedrohlichsten invasiven Gliederfüßer in europäischen Eichenökosystemen einstuft.
- Massenausbrüche in Teilen Deutschlands nach einer Hitzewelle beobachtet.
Eine unkontrollierte Population
Die Schwierigkeit bei der Bekämpfung der Eichennetzwanze liegt in einem bekannten ökologischen Ungleichgewicht. In ihrer nordamerikanischen Heimat hat sie natürliche Feinde, die ihre Zahl regulieren. In Deutschland fehlen diese Kontrollinstanzen. „Das Problematische ist, dass hier noch relativ wenig über ihre Ausbreitung und Folgen bekannt ist“, sagte Husemann. Er wies darauf hin, dass die Wanzen recht unauffällig seien und das Ausmaß des Problems von der breiten Öffentlichkeit oft unbemerkt bleibe, bis der Schaden fortgeschritten sei. Ob vom Wind getragen oder per Anhalter durch menschliche Aktivitäten – ihr Verbreitungsgebiet wird voraussichtlich nur noch zunehmen.


