
Italiens Pnrr-Dekret-Abstimmung wegen Intercity-Vergabestreits mit der EU auf Montag verschoben – bis zu 3 Milliarden Euro gefährdet
Die Abgeordnetenkammer hat ihre Abstimmung über das Pnrr-Infrastrukturdekret auf Montag verschoben, nachdem die Europäische Kommission Einwände gegen eine einheitliche Ausschreibung für Intercity-Zugverbindungen erhoben hatte, wodurch bis zu 3 Milliarden Euro an EU-Mitteln gefährdet sind.
Der Streit
Das italienische Pnrr-Infrastrukturdekret ist in der Abgeordnetenkammer aufgrund eines Konflikts mit Brüssel über die Ausschreibung von Intercity-Zugverbindungen ins Stocken geraten. Das Dekret, das bis zum 25. August in Gesetz umgewandelt werden muss, sah ursprünglich vor, den Auftrag zur Förderung des Wettbewerbs in mehrere Lose aufzuteilen, im Einklang mit der EU-Bahnliberalisierung. Verkehrsminister Matteo Salvini fügte jedoch eine Klausel ein, wonach der Dienst „in ein oder mehrere Lose aufgeteilt werden kann“, was effektiv ein einziges nationales Los erlaubt. Die Ausschreibung, die Intercity-Verbindungen von 2027 bis 2041 abdeckt, hat einen Wert von rund 3 Milliarden Euro und hätte bis zum 30. Juni 2026 veröffentlicht werden sollen.
Die Regierung hat unter Berücksichtigung der von den Gewerkschaften und vom Parlament einstimmig geäußerten Positionen die Vergabe des Dienstes auch über ein einziges nationales Los ermöglicht.
Gewerkschaftsdruck und Salvinis Eingreifen
Die Gewerkschaften Filt-Cgil, Fit-Cisl, Uiltrasporti, Ugl Ferrovieri, Fast Confsal und Orsa Trasporti hatten sich vehement gegen den Mehrlos-Ansatz gewehrt und warnten vor einer Verschlechterung der Servicequalität und Lohnunterbietung. Sie drohten mit einem Streik und forderten eine Einzellos-Ausschreibung. Salvini nannte ihre Forderung „condivisibile“ (teilenswert), und das Infrastrukturministerium nahm die Änderung vor. Nach einem Treffen unter Vorsitz von Vizeminister Edoardo Rixi setzten die Gewerkschaften ihren Protest aus, beruhigt durch die Zusage der Regierung, eine Einzellösung mit Brüssel zu prüfen.
EU-Widerstand und Rückzieher der Regierung
Die Europäische Kommission bestand auf mehreren Losen als Bedingung für die Freigabe der zehnten Pnrr-Rate. Laut la Repubblica war die EU bereit, 2 Milliarden Euro von dieser Zahlung zu streichen. Angesichts dieses Risikos schaltete sich Palazzo Chigi ein. Die Abteilung für Europäische Angelegenheiten versicherte den Kommissionstechnikern, dass Italien die ursprünglichen Zusagen einhalten werde. La Stampa berichtete, die Regierung habe bereits beschlossen, vom Einzellos abzurücken, und Open bestätigte, dass Ministerpräsidentin Giorgia Meloni persönlich eingegriffen habe, um die Situation zu retten. Der umstrittene Änderungsantrag wird nun neu formuliert, um den EU-Forderungen zu entsprechen.
Parlamentskalender und nächste Schritte
Der Stillstand legte die Kammer lahm. Am 29. Juli nannte die Berichterstatterin Rebecca Frassini (Lega) „wichtige Gespräche“ mit der EU als Grund für die wiederholten Verzögerungen. Die Konferenz der Fraktionsvorsitzenden verschob die Abstimmung dann auf Montag, den 3. August, um 14:00 Uhr, mit einer Schlussabstimmung voraussichtlich am Dienstag, den 4. August. Das Dekret muss dann noch vor der Sommerpause den Senat passieren und bis zum 25. August umgewandelt werden. Die versäumte Frist vom 30. Juni für die Intercity-Ausschreibung erhöht den Zeitdruck zusätzlich.
- Frist für die Ausschreibung des Intercity-Vergabeverfahrens verstrichen
- Gewerkschaften drohen mit Streik, fordern ein einziges Los
- Salvini fügt Klausel für ein einziges Los in das Dekret ein
- Kammer vertagt Arbeit wegen EU-Gesprächen
- Abstimmung auf den 3. August verschoben
- Abstimmung in der Kammer geplant
- Erwartete Schlussabstimmung
- Frist für die Umwandlung des Dekrets
Reaktion der Opposition
Oppositionsabgeordnete nutzten das Chaos. Marco Grimaldi vom Bündnis Grüne und Linke (Avs) sagte, die Verschiebung zeige, dass die Regierung verwirrt sei.
Die Regierung ist verwirrt.
Piero De Luca von der Demokratischen Partei warf der Exekutive vor, beim Pnrr festzustecken, und warnte, dass Italien aufgrund verfehlter Ziele 24 Milliarden Euro verlieren könnte, und fügte hinzu, dass einige Ziele „mit ziemlicher Sicherheit verfehlt werden“.
Wir stecken beim Pnrr fest. Einige Ziele werden mit ziemlicher Sicherheit verfehlt.
Die Regierung hat sich zu dieser größeren Zahl nicht öffentlich geäußert.


