
Ifo-Geschäftsklima steigt im Juli auf 86,6 und übertrifft Prognosen trotz Hormus-Konflikt
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg um 0,9 Punkte auf 86,6 – das dritte monatliche Plus in Folge – während die Erwartungskomponente stark anzog. Dennoch warnen Ökonomen, dass die Umfrage den jüngsten Ölpreisschub und die Blockade in der Straße von Hormus weitgehend verpasst hat.
Dritter Anstieg in Folge übertrifft Prognose
Der Ifo-Geschäftsklimaindex, Deutschlands am genauesten beobachteter Konjunkturindikator, stieg im Juli von 85,7 auf 86,6 Punkte. Der Anstieg um 0,9 Punkte war der dritte Monatsgewinn in Folge und lag deutlich über den von einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen erwarteten 86,0 Punkten. Ifo-Präsident Clemens Fuest wies darauf hin, dass die Verbesserung vor dem Hintergrund erneuter Kämpfe zwischen den USA und dem Iran sowie gestörter Schifffahrt durch die Straße von Hormus erfolgte.
Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt die deutsche Wirtschaft weniger Pessimismus.
Die Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften zeigte einen zukunftsgerichteten Aufschwung: Die Erwartungskomponente stieg um 2,4 Punkte auf 86,7, während der Indikator für die aktuelle Lage um 0,5 Punkte auf 86,5 nachgab. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen die Gegenwart schlechter bewerten, aber auf bessere Zeiten setzen.
- Erwartungen
- 86.7 Punkte
- Aktuelle Lage
- 86.5 Punkte
Nachfrage verbreitert sich, Chemie ist die Ausnahme
Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe sagte, dass Unternehmen aus den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Dienstleistungen, Handel und Bau über eine verbesserte Nachfrage berichteten. Besonders der Einzelhandel zeigte sich weniger pessimistisch, und weniger Bauunternehmen beklagten Auftragsrückgänge. Die Chemieindustrie wurde jedoch pessimistischer – eine Entwicklung, die Wohlrabe direkt auf die steigenden Rohölkosten zurückführte. Die steigenden Preiservartungen und die erneute branchenübergreifende Unsicherheit sind bereits erkennbar.
Viele Unternehmen sind auf Preiserhöhungen vorbereitet. Die Unsicherheit ist wieder gestiegen, und zwar in allen Branchen.
Ölpreisschub und Blockade in der Straße von Hormus gefährden Erholung
Brent-Rohöl überschritt in den letzten Wochen kurzzeitig die Marke von 100 Dollar pro Barrel, nachdem die Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran neu aufflammten. Der Fluss von Öl, Gas und Rohstoffen durch die Straße von Hormus liegt weiterhin weit unter dem Niveau vor dem Konflikt. Wohlrabe sagte, "die deutsche Wirtschaft ist bereit, an Fahrt aufzunehmen", eine dauerhafte Wiedereröffnung der Wasserstraße gilt jedoch als entscheidend. Die Juli-Umfrage wurde hauptsächlich vor dem jüngsten Preisschub durchgeführt, was die Aussagekraft der Daten für den aktuellen Schock einschränkt.
Ökonomen mahnen zur Zurückhaltung und verweisen auf politische Rückenwind
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer betonte den bedingten Charakter des Anstiegs.
Der starke Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagekräftig, da die meisten Unternehmen die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der letzten zwei Wochen beantwortet haben. Aber er zeigt zumindest das Erholungspotenzial, das vorhanden ist, wenn die USA und der Iran eine Einigung erzielen und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet würde.
Alexander Krüger von der Bethmann Hal argumentierte, dass sich die Geschäftsstimmung erst dann entscheidend verbessern werde, wenn die Energiepreise deutlich sinken.
Die Stimmung der Unternehmen wird sich wahrscheinlich nur dann verbessern, wenn die Energiepreise deutlich sinken. Solange das nicht passiert, wird die Stimmung wahrscheinlich einem Auf und Ab folgen.
Marc Schattenberg von der Deutschen Bank führte die Optimismussteigerung auf die jüngsten Regierungsreformbeschlüsse zurück, bezeichnete den Rückgang der aktuellen Lagekomponente jedoch als "Dämpfer". Das milliardenschwere Infrastrukturpaket der Bundesregierung soll in der zweiten Jahreshälfte greifen und einen fiskalischen Puffer bieten, falls sich die Krise in der Straße von Hormus verschärft.


