
Isabelle Huppert wird erste Frau an der Spitze der Cinémathèque française
Die 73-jährige Schauspielerin löst Costa-Gavras an der Spitze der Pariser Institution ab und übernimmt ein dreijähriges Mandat zur Bewahrung des Filmerbes.
Eine historische Ernennung
Isabelle Huppert wurde am Donnerstag, dem 2. Juli 2026, zur Präsidentin der Cinémathèque française gewählt, wie die Institution mitteilte. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung des Archivs im Jahr 1936. Der Vorstand wählte sie für eine dreijährige Amtszeit bis 2029. Sie löst den französisch-griechischen Filmemacher Konstantinos Costa-Gavras, 93, ab, der die Cinémathèque seit 2007 geleitet hatte.
Hupperts Karriere
Huppert ist eine der produktivsten Schauspielerinnen Frankreichs mit mehr als 150 Film- und Fernsehrollen. Sie gewann zwei César-Preise, für „La Cérémonie“ 1996 und „Elle“ 2017, und genießt als französische Darstellerin ein seltenes internationales Profil. Zu ihren Regisseuren zählen Claude Chabrol, Maurice Pialat, Michael Haneke, Michael Cimino, Otto Preminger, Marco Bellocchio, Marco Ferreri, Andrzej Wajda und Hong Sang-soo.
Auftrag und Herausforderungen der Cinémathèque
Die Cinémathèque française im Pariser Bercy-Viertel beherbergt 50.000 historische Filme, fast eine Million filmbezogene Dokumente und Tausende von Ausrüstungsgegenständen. Drei Viertel ihrer Finanzierung stammen aus öffentlichen Zuschüssen. Sie richtet regelmäßig Retrospektiven und Ausstellungen aus, wie etwa eine aktuelle Schau über Marilyn Monroe. Im Februar 2025 kritisierte der Rechnungshof die Leitung der Institution und stellte fest, dass sie die Ziele zur Erhaltung des Kulturerbes nicht erfülle.
Kontroversen und Reformen
Die Cinémathèque wurde auch durch die #MeToo-Bewegung und die allgemeine Aufarbeitung sexueller Gewalt im Kino erschüttert. Eine Vorführung von „Der letzte Tango in Paris“ Ende 2024 löste Proteste aus, weil eine Vergewaltigungsszene ohne Zustimmung der Schauspielerin Maria Schneider gedreht worden war; der Film wurde daraufhin aus dem Programm genommen. Hupperts Präsidentschaft beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem die Institution unter Druck steht, ihre Führungsstruktur zu modernisieren und gleichzeitig ihren Kernauftrag zu bewahren.


