
Migranten in Ceuta treten in den Hungerstreik, während Spanien 1.500 Notunterkünfte vorbereitet
Mehr als 100 Migranten, die am Trampolín-Strand in Ceuta campieren, haben einen Hungerstreik begonnen und fordern Asyl in Spanien, nachdem Ende Juli bis zu 80.000 Menschen die Grenze von Marokko aus überquert hatten.
Proteste am Trampolín-Strand
Mehr als 100 Migranten, die am Trampolín-Strand in Ceuta campieren, begannen am 16. August einen Hungerstreik, um Asyl in Spanien zu fordern und eine Abschiebung nach Marokko zu verhindern. Die Demonstranten, die während eines Massengrenzübertritts am 30. und 31. Juli ankamen, zeigten Transparente, auf denen stand, dass sie marokkanische Staatsangehörige sind, die ein besseres Leben suchen. Youssef, ein 40-jähriger marokkanischer Demonstrant, erklärte, dass die Gruppe 18 Tage lang in provisorischen Strandunterkünften gelebt habe, ohne dass Behörden sie besucht hätten. Er appellierte direkt an den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, König Felipe VI. und den Regionalpräsidenten von Ceuta, Juan Jesús Vivas. Die Demonstranten erklärten, sie hofften, dass die Behörden ihren Status klären, bevor die örtlichen Schulen in den kommenden Wochen wieder öffnen.
Wir wollen kein Problem verursachen, wir wollen nur hier raus.
Notunterkünfte und Kapazitätsengpässe
Am 17. August kündigte die spanische Ministerin für Eingliederung, Soziale Sicherheit und Migration, Elma Saiz, den Einsatz von Notunterkünften an, um 1.500 Menschen sofort unterzubringen. Arbeiter begannen, Zelte auf dem Parkplatz der Viehanlage Loma del Colmenar aufzubauen, weitere Unterkünfte sind in einem Reitzentrum, auf einem ehemaligen Fußballplatz der Kavalleriekaserne und am Standort El Guano geplant. Diese temporären Einrichtungen sollen den starken Druck auf die lokale Infrastruktur verringern. Die Schätzungen über die verbleibende Migrantenbevölkerung in der 83.000-Einwohner-Stadt gehen auseinander: Die Zentralregierung in Madrid zählte 5.000 Personen, während die Behörden von Ceuta zwischen 8.000 und 12.000 Menschen schätzten.
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Lebensbedingungen und humanitäre Belastung
Migranten in ganz Ceuta leben in primitiven Lagern aus Schilf, Planen und Pappe und ertragen hohe Tagestemperaturen und kalte Nächte. Im Industriegebiet El Tarajal schlafen Familien und unbegleitete Minderjährige auf Pappe, ohne Zugang zu Toiletten oder fließendem Wasser, und erhalten nur eine Essenslieferung pro Tag. Lokale Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 3.000 und 5.000 Minderjährige in der Stadt bleiben, viele von ihnen können keinen Platz in überfüllten Aufnahmezentren finden. Die 14-jährige Amina, die mit ihrem Bruder nach Ceuta kam, beschrieb die hygienischen Schwierigkeiten, mit denen junge Menschen in den Siedlungen konfrontiert sind.
Das Schlimmste ist, dass wir nicht einmal Toiletten haben. Wir müssen irgendwo in die Büsche gehen, aber ich traue mich nicht, allein zu gehen.
Familien in den Siedlungen berichten von einem gravierenden Mangel an medizinischer Versorgung. Malika, eine marokkanische Mutter von vier Kindern, die in Marokko sieben Euro am Tag verdiente, behandelte das Fieber ihres Kindes mit Essigkompressen, nachdem sie keine medizinische Hilfe erhalten hatte. Notaufnahmen in der Stadt haben Fälle von Krätze und Tuberkulose sowie körperliche Verletzungen durch die Überquerung behandelt. Die Notärztin Susana Ascaso behandelte mehrere Opfer sexueller Übergriffe, während die Polizei mindestens 15 gemeldete Vergewaltigungsfälle mit Minderjährigen untersucht.
Massenüberquerung und diplomatische Reaktion
Die Krise begann am 30. und 31. Juli, als zwischen 72.000 und 80.000 Menschen nach Ceuta gelangten, indem sie schwammen oder um Küstenbarrieren herumliefen. Nichtregierungsorganisationen berichteten, dass 142 Menschen während des Überquerungsversuchs ertranken. Während etwa 70.000 Menschen innerhalb einer Woche nach Marokko zurückkehrten, blieben Tausende zurück. Um den 15. August herum setzten marokkanische Sicherheitskräfte Tränengas ein, um einen weiteren Überquerungsversuch zu stoppen und 294 Menschen aufzuhalten, darunter 46 marokkanische Staatsangehörige und 248 subsahara-afrikanische Migranten. Während der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, die Ablehnung aller Asylanträge forderte, erklärten spanische Richtervereinigungen, dass das nationale Recht eine individuelle Prüfung jedes Falls verlange.


