
Hugo-Boss-Aufsichtsratschef Stephan Sturm tritt zurück, während Frasers Anteil auf 47,89 % erhöht
Der Aufsichtsratsvorsitzende von Hugo Boss, Stephan Sturm, wird bis zum 15. Oktober 2026 zurücktreten, nachdem der britische Einzelhändler Frasers Group seinen Anteil auf 47,89 % erhöht hat.
Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats
Das deutsche Modehaus Hugo Boss gab am 14. September 2026 bekannt, dass sein Aufsichtsratsvorsitzender Stephan Sturm sein Amt mit Wirkung zum 15. Oktober 2026 niederlegen wird. Sturm, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Gesundheitsunternehmens Fresenius, war im Mai 2025 in den Aufsichtsrat eingetreten, bevor er zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt wurde. Die Entscheidung folgt auf Gespräche, die nach Veränderungen in der Eigentümerstruktur des in Metzingen ansässigen Textilkonzerns eingeleitet wurden. Sturm wird bis zur Wahl eines formellen Nachfolgers weiterhin als Vorsitzender des Aufsichtsrats fungieren, um die Kontinuität der Unternehmensaufsicht zu gewährleisten. Hugo Boss bestätigte, dass die Suche nach einem neuen Vorsitzenden umgehend beginnt.
Angesichts der jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur des Unternehmens halte ich dies für den richtigen Zeitpunkt für einen geordneten Übergang im Aufsichtsratsvorsitz. Hugo Boss verfügt über einen erfahrenen Aufsichtsrat, einen hoch engagierten Vorstand und eine klare strategische Ausrichtung. Ich bin überzeugt, dass das Unternehmen gut aufgestellt ist, um künftige Erfolge zu erzielen.
Übernahmeangebot und Aktienaufstockung
Der Führungswechsel folgt auf monatelange Spannungen zwischen dem deutschen Bekleidungshersteller und der britischen Einzelhandelsgruppe Frasers, die vom Geschäftsmann Mike Ashley kontrolliert wird. Am 10. Juni 2026 gab Frasers ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Erwerb aller ausstehenden Aktien von Hugo Boss zu 38 Euro pro Aktie bekannt. Dieses Angebot bewertete das Aktienpaket außerhalb der Kontrolle von Frasers mit rund 1,925 Milliarden Euro. Als die Annahmefrist am 13. August 2026 endete, hatte Frasers seinen Anteil von 26,06 % auf 47,89 % erhöht. Obwohl dies knapp unter einer absoluten Mehrheit lag, bestätigte der britische Einzelhändler, dass er beabsichtigt, weitere Aktien auf dem freien Markt zu erwerben, um die Mehrheitskontrolle zu erlangen.
- Frasers Group kündigt freiwilliges Übernahmeangebot zu 38 Euro pro Aktie an
- Annahmefrist endet; Frasers sichert sich einen Anteil von 47,89 % an Hugo Boss
- Aufsichtsratsvorsitzender Stephan Sturm kündigt geplanten Rücktritt an
- Mandat von Stephan Sturm im Aufsichtsrat endet offiziell
Nachfolge im Aufsichtsrat und Umbau der Unternehmensführung
Die Frasers Group nutzt ihre vergrößerte Beteiligung, um die Führungsstruktur des in Baden-Württemberg ansässigen Unternehmens neu zu gestalten. Michael Murray, Vorstandsvorsitzender von Frasers, der den britischen Konzern seit vier Jahren führt und im Mai 2025 in den Aufsichtsrat von Hugo Boss eingetreten ist, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden. Murray ist zudem der Schwiegersohn des Frasers-Mehrheitseigentümers Mike Ashley. Neben Murrays Ernennung plant Frasers, den Unternehmensanwalt Robert Palmer als zweiten Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden, ein Schritt, der der formellen Bestätigung durch das örtliche Amtsgericht bedarf. Unternehmenskreise wiesen Spekulationen der Times zurück, wonach Murray die operative Rolle des Vorstandsvorsitzenden von Daniel Grieder übernehmen würde.
- Vor Übernahmeangebot
- 26.06 %
- Nach Übernahmeangebot
- 47.89 %
Reaktion des Unternehmens und Übergangsprozess
Die Trennung zwischen Sturm und dem britischen Mehrheitsaktionär wurde von internen Quellen trotz monatelanger strategischer Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Übernahme als einvernehmlich beschrieben. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Sinan Piskin dankte Sturm für seine Beiträge und bestätigte, dass das Gremium eng mit ihm zusammenarbeiten werde, um den Übergang zu gestalten. Die Frasers Group erklärte, beide Seiten seien sich einig gewesen, dass ein Führungswechsel angemessen sei, da Hugo Boss in eine neue Betriebsphase eintrete. Das britische Unternehmen hatte sich zuvor bei der ersten Vorlage des Übernahmeangebots verpflichtet, die allgemeine Unternehmensstrategie des Vorstandsvorsitzenden Daniel Grieder zu unterstützen.
Im Namen des Aufsichtsrats möchte ich Stephan Sturm für seine Führung, sein Engagement und seine Hingabe für Hugo Boss danken. Wir respektieren seine Entscheidung und werden eng mit ihm zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Frasers und Herr Sturm haben daher einvernehmlich vereinbart, dass Herr Sturm so bald wie möglich von seinem Amt als Vorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrats zurücktreten wird.


